Was passiert, wenn man sich politisch für den Laizismus engagiert und sich dabei nicht ganz bierernst gibt.

Ein Kommentar von Susanne Zöhrer

Tja, das hat man nun davon, wenn man sich im erzkonservativen Österreich nicht in devoter Haltung an die Religion heranmacht. Getroffen hat es diesmal Niko Alm, seines Zeichens bis vor kurzem Religionssprecher der lustigen Aktionspartei NEOS. Bekannt war Alms Aktivismus im Zeichen des fliegenden Spaghettimonsters schon länger, aber dann saß man im Parlament und plötzlich war schluss mit lustig.

Et tu Niko?

Gestutzt wurden Alm die Flügel ausgerechnet von Matthias „ALLEN KINDERN DIE FLÜGEL HEBEN!!!“ Strolz. Jenem Mann, der sich in seinen Interviews doch immer so lieb und inklusiv und insgesamt überhaupt mit total voll ur-superer Was-weiß-ich-was gab. Der mit so vielen Worten immer so wenig sagen konnte. Der hat jetzt ein Machtwort gesprochen, das da hieß: Nein.
Ach, man könnte so viel Spaß haben mit der Situation, die sich hier bietet. Wenn’s nicht so schade wäre. Und damit zum Ernst der Sache.

Neos als Neokonservative

Politisch konnte ich mit den NEOS nie besonders viel anfangen, dazu waren mir ihre Positionen entweder zu ÖVP-lastig oder zu neoliberal. Aber ich fand die NEOS als Neuankömmlinge im Parlament ausgenommen erfrischend. Da schafft seit Jahren mal eine neue Partei den Einzug in den Nationalrat, ohne sich rechter oder rechtsrechter Parolen zu bedienen. Allein das kommt einem kirchenrechtlichen Wunder gleich. Und man hatte neben einem Showman doch auch ein paar interessante Gesichter zu bieten.

Es herrschte Aufbruchsstimmung, die bisweilen in Aktionismus abzugleiten schien, die aber im Falle des kollektiven Auszugs bei den Budgetverhandlungen sehr schön die Scheinheiligkeit der Regierung offenlegte. Wo man hüben gerne mal den einen oder anderen Verfassungsbruch mit Schulterzucken abtat, flogen nach drüben gleich mal symbolische Steine der Selbstgerechtigkeit.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet

Mit dieser Entscheidung haben sich die NEOS eindeutig positioniert. Auf der konservativen Seite. Und sie haben sich damit einiges vermasselt. Geht man doch in Österreich lieber zum Schmied als zum Schmiedl (also z.B. zur FPÖ, wenn man ganz rechts steht). Tendiert man also in Religionsfragen eher zum wertkonservativen Weltbild, so wird man vermutlich lieber gleich die ÖVP wählen, als mit den NEOS möglicherweise die Katze im Sack zu kaufen. Als moderne Alternative zur Volkspartei haben sie somit gehörig an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Und jetzt?

Viel bleibt nicht mehr, was die NEOS spannend und interessant macht. Der Lack ist ein bisschen ab. Und die Europawahl hat gezeigt, dass es mitunter verdammt schwer sein kann, eine einmal erkämpfte Position zu halten. Das gilt insbesondere für Neulinge. Fragen Sie einfach beim Liberalen Forum nach.

Nichtsdestotrotz. Mir gefällt, dass sich wieder was tut im Hohen Haus. Wer nämlich den alten Sesselklebern dort mal so richtig Feuer unterm Arsch macht, hat in den allermeisten Fällen meinen Segen.

Ramen.

Bildquelle: James Tissot/Wikimedia Commons (public domain)

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Susanne Zöhrer

Susanne Zöhrer ist promovierte Soziologin und ist bei knallgrau für Text und digitale Strategie tätig. Derzeit ist sie in Bildungskarenz und treibt ihr Jusstudium weiter. Bei neuwal meldet Sie sich mit politischen Kommentaren zurück. Twitter Blog

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  • Marcus

    Also verstehe ich das jetzt richtig: Eine Partei mit weitestgehend wirtschafts- und sozialliberaler (!) Agenda, die sich aktiv für die Gleichbehandlung von Homosexuellen einsetzt (und auch bei der Regenbogenparade vertreten war), wo Parteimitglieder das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien unterstützt haben, ist plötzlich konservativ weil ein Angehöriger einer Spaßreligion nicht mehr Religionssprecher ist? Ernsthaft jetzt? Oder versteh ich da was falsch?

  • Birgit

    bevor ich auf der seite eines mit dem dr. karl renner publizistikpreis ausgezeichneten journals einen kommentar schreibe, würde ich mich doch etwas genauer erkundigen. fragen sie doch einfach den betroffenen, ob ihm jemand die flügel gestutzt hat bzw was seine überlegungen waren. unsachlicher zynismus des journalismus ist leider mitverantwortlich für unser derzeitiges politisches system. bitte um mehr vorurteilsfreie sachlichkeit.

  • Dominik

    Lässiger Kommentar 😉 Ich find vorallem witzig, dass diese „Aktion“ so ausgelegt wird, als würde NEOS sich der VP beugen. Ganz im Gegenteil. Der Standpunkt ist nach wie vor der Gleiche. Es geht viel mehr darum, dass wir bei der EU-Wahl gesehen haben, dass wir auf viele Nebenthemen reduziert werden können. Das wollen wir vermeiden und in Zukunft werden wir uns stärker auf unsere Kernthemen Bildung und Pensionen konzentrieren und alle „Nebenthemen“ (die aber auch wichtig sind) nicht mehr so provokativ zur Schau stellen. Denke ich mal 🙂

  • Josef Dengler

    Ist schon OK, NEOS braucht auch Gegenwind. Braucht Gegenfeuer. Braucht ein bissl Granateinschläge. Es geht dabei gar nicht darum, ob irgendwelche Wahrheiten beschrieben, untersucht, analysiert werden.
    Es geht immer wieder, immer wieder, immer wieder um Österreich. Der Ort, wo nix, was nicht „immer schon so war“ auch bleiben darf.
    Der Ort, wo verblüffende Neudenker entstehen und vergehen, damit der Samen woanders aufgeht.
    Der Ort, wo im Zweifelsfall doch ein Käsekrainerstatement („mir ist des jo eh ollas wurscht, wos de firan kaas auffihrn, hob i scho gfressn“) die Diskussion beendet.
    Und der Ort, wo sich Menschen, die Österreich erneuern wollen, NICHT auf eine Ideologie einigen, NICHT lobby- oder KZ-gesteuert agieren. Sondern mit ihren Widersprüchen leben, daraus die Resultante des Fortschritts erarbeiten möchten, innehalten, analysieren und dann evidenzbasiert umso gestärkter weitertanzen auf den Nasen der Pinocchios dieser Republik. Wer nicht versteht, was da läuft, der kann natürlich NEOS nur immer wieder in irgendwelche Eimer kübeln.
    Wer hingegen versteht, was da läuft, bleibt dabei. Und freut sich, dass Gegenwind unser Feuer anfachen wird, besser zu werden, anders zu bleiben, die Tore des 21. Jahrhunderts weit zu öffnen, weiter als sich dies die gewöhnliche Kommentatorin in ihrer Österreichheit träumen lässt. Also, liebe Susanne Zöhrer: Bleiben Sie bitte dran, versäumen Sie nix, you ain’t seen nothing yet.

  • Ihr Kommentar bezieht seine ganze Deutungsmacht allein aus der schon als (Fehl-) Interpretation einzustufenden Meldung aus dem „Standard“. Wer mit Niko Alm persönlich spricht, bspw. im Interview wiederum der Standard am gleichen Tag kommt zum Schluß, daß die Rolle des Religionssprechers für Niko Alm weder eine Wunschrolle noch eine bewußte programmatische Entscheidung war. Woraus auch die Tatsache, daß Niko Alm künftig nicht mehr Religionssprecher ist, kein Zeichen ist, daß es zu deuten gilt.

    Entscheidend ist vielmehr die Position der NEOS in Sachen „Religion(sgemeinschaften) & Staat“ und da hat Niko Alm richtigerweise festgestellt: es gibt keine. Wer jedoch einen Einblick in die grundsätzliche Verfaßtheit des Liberalismus nimmt, kann begründet erwarten, daß NEOS eine Modernisierung des Verhältnisses von Religionsgemeinschaften (christliche Kirchen et al.) und Staat fordern (werden). Ob diese Forderung in eine ausdrückliche laizistische Position münden wird oder dem liberalen Welt- und Menschenbild entsprechende Adaptierungen, wird man sehen.

    Falsch wäre es jedoch, aus der subjektiv-persönlichen Haltung einzelner NEOS-Mitglieder oder -Mandatare zu Religion und ihren Institutionen eine einige oder gar einheitliche partei-politische Richtung und Grundhaltung ableiten zu wollen. NEOS sind ja keine Führer- oder Funktionärspartei.