Die Neos

Ein zweistelliges Ergebnis mit zwei Mandaten wollten die NEOS erreichen, beide Ziele haben sie klar verfehlt. Der erste Rückschlag für die aufstrebende junge Partei.

Ein Kommentar von Thomas Knapp

Die NEOS blieben hinter allen Erwartungen, den medialen, den öffentlichen und den eigenen. Knapp 8 % und ein Mandat ist kein Debakel für eine neue Partei, die vor weniger als einem Jahr erst knapp in den Nationalrat einzog, doch ihr Momentum könnte die neoliberale Partei verlieren. Insbesondere das Ergebnis in Wien sollte der Partei zu denken geben. Nachdem die NEOS im Nationalratswahlkampf von direkten Gegner weitgehend ignoriert und medial gehypt wurden, mussten sie im EU-Wahlkampf stärkeren Gegenwind verkraften. Dabei wurden einige Schwachstellen offengelegt.

Die NEOS sind eine One-Man-Show, neben dem charismatischen Parteigründer Matthias Strolz gibt es auf Bundesebene keine weiteren zugkräftigen PolitikerInnen. Ihr zweitbekanntestes Gesicht, Niko Alm, polarisiert. Dahinter herrscht Unbekanntheit. Spitzenkandidatin Angelika Mlinar fiel vor allem durch Interviews auf, nach denen Matthias Strolz ausrücken und Mlinars Positionen zurücknehmen musste. Der Listenzweite wurde mit „er ist jünger als die meisten anderen“ beworben, was beim besten Willen keine Qualifikation für irgendwas ist. Und ab dem dritten Platz kennt die NEOS-KandidatInnen ohnehin niemand mehr.

Der Umstand, dass über ihre Inhalte gesprochen wurde, traf die NEOS scheinbar unvorbereitet. Sie hatten keinerlei Verpackung für ihre neoliberale Ideologie des grundsätzlichen Gutheißens von Privatisierungen und Freihandelszonen parat. Dementsprechend scharf war der Gegenwind bei diesen Themen. Die instinktive Ablehnung neonliberaler Politik ist inzwischen so verbreitet, dass ihre VerterterInnen in der Regel nur im Schafspelz auftreten. Angelika Mlinar dagegen sagte einiges frei heraus. Das ist bemerkenswert ehrlich, aber für die meisten Menschen auch schlicht unwählbar.

Von einer Krise des österreichischen Neoliberalismus zu sprechen, wäre dennoch verfrüht. Die NEOS haben nach wie vor eine ausgezeichnete Ausgangsposition für das „Superwahljahr“ 2015, zumindest in Vorarlberg und Wien müssten sie sich noch deutlich blöder anstellen als bei der Europawahl, um erfolglos zu bleiben. Auch bei der Wirtschaftskammerwahl und den steirischen Landtagswahlen besteht einiges pinkes Potential. Dennoch: der Lack ist ab. Bei ihrem zweiten Antreten bei bundesweiten Wahlen haben die NEOS das Momentum einer unaufhaltsamen politischen Bewegung verloren. Der Gegenwind wird nur stärker werden, nach dem ersten enttäuschenden Ergebnis der NEOS haben die politischen Gegner Blut geleckt.

Foto: neos_eu/Flickr, bearbeitet (Thomas Knapp, neuwal)

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.
  • Marcus

    Du hast natürlich recht dass viel von den Neos auch von Matthias Strolz als Person abhängt aber ich denke es waren zwei Dinge die den Pinken in dieser Wahl zugesetzt haben: zum einen die starke Gegenkampagne der Grünen, bei denen sie ja auch stark gefischt haben – und man kann sagen was man will, man merkt dass den Grünen schon ordentlich der Reis gegangen ist. Aber vor allem die Aussage über Wasserprivatisierung, die ja endlich der Grund war um die Neoliberalismuskeule zu rechtfertigen(die hierzulande auch ein super Totschlagsargument ist, daher würde ich mit diesem Begriff eher vorsichtig umgehen da viele einfach keine Ahnung haben was wirklich dahinter steckt ). Ich denke dass gerade diese Aussage für viele, selbst wirtschaftsliberale Wähler und einigen Neos-Mitglieder die ich persönlich kenne, viel zu weit gegangen ist. Ob das für kommende Wahlen ebenfalls einen Malus darstellt wird sich zeigen, aber ich denke das dieses Thema künftig in jeder Diskussion als Hauptargument herhalten muss.

  • Dieter

    „Der pinke Lack ist ab“
    Nah, lieber Herr Knapp, da finden Sie sich aber mit Ihrer Auffassung, verglichen mit allen relevanten Medien österreichweit alleine auf weiter Flur. Alleine in Vorarlberg – um nur ein Beispiel zu nennen und weil Sie in Ihrem Artikel auch dieses Bundesland anführten – haben die NEOS in 84 von 96 Gemeinden den höchsten Stimmenzuwachs von allen wahlwerbenden Parteien erzielt. Und das von Stand weg!
    Ich denke – mit Verlaub – dass Sie sich nicht wirklich mit politischen Statements befassen sollten. Denn so etwas verlangt doch zumindest ein Mindestmaß an politischem Abstand, zur eigenen politischen Präferenz. In üblicher Weise verstehen sich die nicht gerade unwesentlichen journalistischen Grundsätze/Begriffe wie analytische Kompetenz und Objektivität als Grundlage journalistischer Tätigkeit von selbst. Ich lese ihren Blog doch gelegentlich aber, sorry, hier traf die Hacke das Bein und nicht das Holzscheit.

  • Pingback: Sozialdemokraten sind die besten Verlierer • Politik- und Wahljournal. Seit 2008 alles über Politik und Wahlen in Österreich. • neuwal.com • Politik- und Wahljournal. Seit 2008. Alles über Politik und Wahlen.()

  • Georg

    “ Und ab dem dritten Platz kennt die NEOS-KandidatInnen ohnehin niemand mehr. “

    Also das Argument kann man wohl für jede Partei bei einer EU Wahl verwenden.

  • VoxVariabilis

    teilweise richtig, aber den Begriff Neoliberalismus sollten Sie einmal zumindest auf Wikipedia nachlesen. ich finde es sehr schade, dass ihr hier auf neuwal.com so unhinterfragt diesen linksideologischen Kampfbegriff verwendet! bin sonst ein Fan von dieser Seite, aber das ist einfach kein objektiver Artikel.