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Transkript zum Interview mit Martin Ehrenhauser (Europa Anders) und Angelika Werthmann (BZÖ) mit Tarek Leitner (ORF) in der ZIB2 vom 13. Mai 2014.

ZIB24-Interview
Mittwoch, 13. Mai 2014 um 22:10
ORF2
Transkriptstatus: 14. Mai 2014 um 01:20
Quelle: http://tvthek.orf.at/program/ZIB-2/
Bildquelle: orf.at


Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflektion bieten.

Tarek Leitner: Und die beiden begrüße ich bei mir hier live zu Gast im Studio. Guten Abend, Martin Ehrenhauser von Europa Anders, der diesmal da bleibt, wie er gesagt hat. Und Angelika Werthmann vom BZÖ.

Martin Ehrenhauser: Hallo und Guten Abend.

Angelika Werthmann: Guten Abend.

Beide kommen aus derselben Partei. Sind aber dann auf dem Parteienspektrum in ganz unterschiedliche Richtungen gegangen. Sehr weit nach links bis hin zu den Kommunisten. Sie sehr weit nach rechts, bis zu dem von Jörg Haider gegründeten BZÖ. Gibt es da eigentlich etwas, was Sie je verbunden hat? Man kann den Eindruck gewinnen, es war schon die Liste Martin nur ein Zweckbündnis.

Angelika Werthmann: Nein, das würde ich nicht so sehen. Hans-Peter Martin stand ganz klar für Demokratie, Kontrolle und Gerechtigkeit. Meinungsfreiheit hat natürlich auch dort gegolten. Und die findet man selbstverständlich im BZÖ wieder. Wie gesagt, es ist eine Partei der bürgerlichen Mitte, der progressiven bürgerlichen Mitte.

Verbindet sie beide noch etwas? An Ideen, die sie mitgenommen haben aus ihrer bisherigen fünfjährigen Tätigkeit.

Angelika Werthmann: Das würde ich doch sagen. Aber natürlich.

Lässt sich eine sagen?

Angelika Werthmann: Zum Beispiel im Budget-Ausschuss sind uns die Einsparungen wichtig. Ich glaube, das kann ich auch für Dich sagen. Das wäre zum Beispiel ein Punkt.

Was sie ja auch noch vereint, ist, dass es jetzt die einzige Chance war, zu suchen, eine Partei, die sie brauchen kann. In Ihrem Fall war es das BZÖ, das Ihre Unterschrift gebraucht hat, um nicht mühsam sammeln zu müssen um antreten zu können. Wie politisch wendig sind Sie denn da? Wir haben es gerade gehört. Sie waren bei Hans-Peter Martin. Dann bei den Liberalen, haben versucht, bei den NEOS anzuheuern. Und sind jetzt beim BZÖ gelandet.

Angelika Werthmann: Schauen Sie. Eines kann ich von mir sagen. Ich bin wirklich meinen Überzeugungen treu geblieben. Ich war immer eine Person der bürgerlichen Mitte. Ich bin von Hans-Peter Martin geschieden, weil es zu finanziellen Unstimmigkeiten gekommen ist, über die er keine Auskunft gegeben wollte. Oder zu dem Zeitpunkt nicht konnte. Die Fortsetzung der Geschichte kennen wir ja sozusagen. Ich habe mich dann der liberalen Fraktion angeschlossen. Schon Hans-Peter Martin wollte sich 2009 der liberalen Fraktion anschließen.

Aber das BZÖ passt ja dort ganz offenbar nicht hinein. Weil, man will die Partei dort auch nicht haben.

Angelika Werthmann: Das ist sehr gut, dass Sie das ansprechen. Sie werden sicher wissen, dass Guy Verhofstadt, Führer der Liberalen Fraktion wie er sich nennt, der ehemalige Premierminister von Belgien. Und er hat im Jahr 2000 die Sanktionen gegen Österreich betrieben hat. Er hat offensichtlich noch eine persönliche Rechnung offen gehabt mit Jörg Haider, dem Gründer des BZÖ.

Aber Sie würden sich den Liberalen dort zugehörig fühlen.

Angelika Werthmann: Na, Sie wissen aber auch, dass Jörg Haider schon 2008 eine andere Politik gemacht hat, als in den Jahren zuvor. Und Sie wissen ganz genau, dass Josef Bucher das BZÖ auf einen wirtschaftsliberalen Weg geführt hat. Und das BZÖ sich heute als eine Partei der bürgerlichen progressiven Mitte darstellt.

Dieser jedenfalls von außen betrachtete bunte politische Lebenslauf, den haben wir jetzt auch gerade von Ihnen gesehen oder beschrieben bekommen im Beitrag. Liberales Forum als Student, Hans-Peter Martin. Und jetzt, wenn auch nicht durch so viele Parteien gegangen, aber, an der Spitze eines Bündnisses, dass doch einigermaßen heterogen zu sein scheint. In dem sich auch die Kommunisten wiederfinden. Gibt es da einen gemeinsamen politischen Kern eigentlich? Oder ist es ein Wahlbündnis zum Überschreiten der politischen Wahrnehmungsgrenze?

Martin Ehrenhauser: Also wir sind definitiv natürlich ein sehr buntes Wahlbündnis. Da gibt es Unterschiede bei den einzelnen Parteien. Keine Frage. Aber es gibt einen verbindenden Kern. Und das ist der Wunsch nach einer fairen Verteilung von Chancen, Vermögen, Ressourcen, Macht und Informationen. Das ist unsere gemeinsame DNA. Das hält uns zusammen. Und auf dieser gemeinsamen Basis bauen wir unser Wahlprogramm auf.

Dieses Wahlprogramm manifestiert sich, jedenfalls sieht man das so, in den Bildern, die von Ihnen gebracht werden, im Wahlkampf-Camping, so wie wir es im Beitrag gerade gesehen haben. Hat das was gebracht? Große Aufmerksamkeit oder darüber hinaus etwas?

Martin Ehrenhauser: Ich glaube, es war uns einmal wichtig, ein Symbol zu setzen. Es war uns wichtig, ein Zeichen zu setzen, gegen diese Art der Bankenrettung auf Kosten des Sozialstaates. Gegen dieses Spar- und Austeritätspolitik. Und ich glaube, das ist schon ein Stück weit gelungen. Natürlich hat man dann gesehen, dass eben bei diesem „Aufstehen“, bei diesem „Protest“ dann ganz viel über Dinge gesprochen wurden, wie z.B. wie habe ich gefrühstückt, wie habe ich geschlafen und solche Dinge…

Aber bleiben wir ruhig bei Ihren politischen Botschaften. Da geht es eher um den Haftungsboykott beispielsweise, den Sie ja auch plakatieren. Die HYPO-Schulden sind nicht unsere Schulden, schreiben Sie da. Aber wie ist das zu verstehen, wenn die nicht übernommen werden sollen, respektive dieses Haftungen, die nun einmal eingegangen sind. Aus denen kommt man ja rechtlich auch gar nicht mehr raus. Was wollen Sie damit erreichen?

Martin Ehrenhauser: Also unser Ziel ist ganz klar, dass man die bestehenden Haftungen annullieren. Wir sagen auch ganz klar: Wir wollen nicht mehr für die HYPO zahlen und für die Gläubigerinnen und Gläubiger.

Das wird rechtlich nicht möglich sein. Denn es ist ja keine politische Frage, sondern eine privatrechtliche Frage.

Martin Ehrenhauser: Und wir wollen natürlich auch, dass in Zukunft derartige Haftungen…

…darf ich ganz kurz…

Martin Ehrenhauser: …ich komme schon auf Ihre Frage…

Gut.

Martin Ehrenhauser: Was Sie gesagt haben: Ja, das muss man natürlich so sehen. Also, Banken würden uns natürlich dann verklagen. Aber, das muss man ganz klar sagen auch: Es war auch schon in früheren Zeiten rechtens, dass Frauen nicht wählen dürfen. Es war auch schon in früheren Zeiten rechtens, dass sich Menschen Leibeigene halten. Und dieses Recht, das wir da derzeit geschaffen haben, das ist nicht mehr gerecht. Und wir wollen, dass Gerechtigkeit endlich auch wieder Recht wird. Und darum sagen wir da ganz klar: Wir zahlen nicht mehr für die Banken. Wir wollen einfach einen HYPO-Haftungsboykott. Wir wollen, dass diese Haftungen…

Aber das Eine ist ja, ob man solche Haftungen eingeht, wo es ja weitgehend Übereinstimmung gibt, dass das, weit über die Grenzen dessen war, was man dem Land Kärnten hätte zumuten können. Das andere ist, ob man aus privatrechtlichen Verträgen, die geschlossen wurden, jetzt einfach aussteigt und diese nicht bezahlt. Im Übrigen sind diese Haftungen ja nicht schlagend, in dem Sinn, dass es diese vielen hunderte Millionen oder Milliarden bezahlt werden müssen. Sondern, es geht jetzt um eine Bankenrettung, damit die eben nicht das Mehrfache des Kärntner Landesbudgets ausmachen.

Martin Ehrenhauser: Schauen Sie. In einer Marktwirtschaft ist es natürlich üblich, dass Unternehmen, wenn Sie sich verspekulieren, wenn Sie schlecht wirtschaften, in Insolvenz gehen. Jetzt ist es nicht mehr der Fall. Und jetzt stehen wir vor der Situation, dass man auf der einen Seite sagen müssen: Retten wir ein privatwirtschaftliches Unternehmen? Oder retten wir unseren Sozialstaat? Und wir sagen ganz klar: Wenn wir diese Haftungen bedienen, dann geht unser Sozialstaat dadurch kaputt. Und wir sagen eben, OK. Dann müssen wir diese Haftungen boykottieren. Wir müssen sie annullieren. Und dann können wir unseren Sozialstaat auch weiterhin retten.

Dafür sammeln Sie Unterschriften, um ein Volksbegehren starten zu können. Bis wann werden Sie dieses 8.500 Unterschriften zusammen haben?

Martin Ehrenhauser: Das können wir jetzt nur schwer abschätzen. Wir haben jetzt schon mehrere Tausend gesammelt auch bei unserem Protestcamp. Aber man kann immer nur einen Stichtag bekanntgeben, wo dann die Gemeinden und Städte in Österreich dann auch wirklich uns die Information liefern.

Geht sich das noch aus im Wahlkampf?

Martin Ehrenhauser: Ah von dem gehe ich aus. Das werden wir sehen.

Weitere Infos zu Unterstützungserklärungen für Haftungsboykott
Status 7. Mai 2014: „Die nächsten Wochen sind entscheidend: 8.401 Unterschriften brauchen wir – 1.500 Stück haben wir schon selbst gesammelt und viele mehr liegen sicher auf den Ämtern.“
Quelle: Newsletter Der Wandel
Nervt Sie das schon, dass Sie diese Haftungen, die der Gründer Ihrer Partei eingegangen ist, immer rechtfertigen müssen, weil, im Wesentlichen geht es auf dessen Politik zurück, dass es dieses Haftungen in dieser exorbitanten Höhe gibt?

Angelika Werthmann: Herr Leitner, aber Sie wissen schon, welche Rolle zum Beispiel Josef Pröll gespielt hat, oder die jüngsten Entwicklungen. Und Sie wissen hoffentlich auch, dass Rot und Schwarz sich gegen einen Untersuchungsausschuss wehren.

Meine Frage war ja nur, ob es Sie nervt, dafür, dass es Jörg Haider im Wesentlichen war, der damals als Landeshauptmann all diese Haftungen eingegangen ist, über die Martin Ehrenhauser jetzt gesprochen hat.

Angelika Werthmann: Ich verstehe, was Sie sagen. Aber ich glaube nicht, dass man sich hier rechtfertigen muss. Sondern, hier kann man mit sachlichen Antworten auf den Tisch oder zum Punkt kommen. Und vor allem ist eines allen Bürgern und Bürgerinnen klar, die zu mindestens mit uns und mit mir im Besonderen darüber sprechen. Die Bedeutung der rotschwarzen Politik, die in der Folgezeit dann geschehen ist. Und es versteht kein Mensch, warum Rot und Schwarz sich heute gegen einen Untersuchungsausschuss wehren. Das versteht keiner.

Wollen wir jetzt…

Angelika Werthmann: Hier ist offenbar viel versteckt…

Nicht so weit in die HYPO kommen, weil das mit Europa weniger zu tun hat. Aber eine andere Pleite lassen Sie mich ansprechen, die Sie selbst heute in einer Pressekonferenz ins Treffen geführt haben. Und gemeint haben: „Im Juni geht Frankreich pleite.“ Sie wüssten das aus verlässlicher Quelle. Verraten Sie uns, aus welcher Quelle, weil es in Europa sonst niemand weiß?
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„Das BZÖ hat von dieser Quelle erfahren, dass es im Juni zur Pleite kommt.“, steht es in der OTS-Presseaussendung vom 13.05.2014.

Angelika Werthmann: Das glaube ich wieder nicht, dass es in Europa niemand weiß. Das ist wieder einmal so ein typisches „wir kehren das mal unter den Tisch“, „die Wahlen stehen bevor“. Wir haben also gesicherte Informationen bekommen. Sie verstehen, dass man die Quellen nicht sagen können. Fakt ist…

Na, ich verstehe es nicht. Wieso?

Angelika Werthmann: Na, das ist in der Politik durchaus üblich, dass man nicht unbedingt die Quelle hergibt. Also, das würden Sie als Journalist auch nicht tun glaube ich. Das muss Ihnen klar sein. (lacht laut)

Wenn ich wüsste, dass Frankreich im Juni Pleite geht, dann würde ich Ihnen sagen, woher ich das weiß.

Angelika Werthmann: Wirklich?

Ja.

Angelika Werthmann: Na aber ich tus nicht.

Na aber gut, Sie können das nicht. Wie auch immer.

Angelika Werthmann: Aber, ich will Ihnen versichern. Wenn wir uns heute nicht mit diesem Thema auseinandersetzen, dann wird nicht nur Frankreich Pleite gehen, sondern, dann werden auch noch andere Staaten Pleite gehen. Wir wollen ganz sicher nicht, dass Österreich ein zweites Zypern wird oder andere Länder so werden wir Zypern. Das hat man uns ja exemplarisch vorgeführt, was das für die Bürger und Bürgerinnen eigentlich heißt.

Sie behaupten da in dieser Pressekonferenz: Die EU plant in diesem Sommer einen Schuldenschnitt für Frankreich unter Zuhilfenahme der österreichischen Sparguthaben nach Probelauf in Zypern. Dort hat man kurz darüber diskutiert, ob man die privaten Sparer damit belastet, das Land zu retten. Ist im Nachhinein als schwerer Fehler abgetan und natürlich zurückgenommen worden. Jetzt will ich Ihnen nicht zu nahe treten mit dieser Frage. Aber meinen Sie das wirklich ernst. Das ist ja durchaus absurd, dass im Juni alle österreichischen Sparer, knapp 10 Prozent, für die Rettung Frankreichs werden überweisen müssen.
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„Um dies zu finanzieren, plant die EU noch im Sommer – auf Basis des zypriotischen Probelaufs – einen Schuldenschnitt unter Zuhilfenahme der österreichischen Sparguthaben. Dabei dürfte auch die Einlagensicherung gefährdet sein“, steht es in der OTS-Presseaussendung vom 13.05.2014.

Angelika Werthmann: Moment, Moment.

Das haben Sie heute in einer Aussendung geschrieben.

Angelika Werthmann: Wir haben ganz klar gesagt: Wenn das alles so ist, wie man uns informiert hat. Und das haben ganz 100 %ig auch genügend andere – da bin ich überzeugt davon -, dann muss man diese Probleme jetzt andenken. Und dann muss man vor allem an Lösungen denken. Und Sie können es weder den Österreichern noch anderen europäischen Bürgern und Bürgerinnen zumuten, dass wir ein zweites Zypern bekommen. Ich glaube, an Zypern haben wir gesehen, welches Leid hier wirklich von Statten geht. Hier sind Familien gewesen, die wirklich keinen Cent mehr hatten.

Nein, aber jetzt bleiben wir, bei dem, was Sie heute gesagt haben. Sie meinen, „um das zu finanzieren“, nämlich die Pleite Frankreichs, „muss auf Basis des zypriotischen Probelaufs ein Schuldenschnitt unter Zuhilfenahme der österreichischen Sparguthaben gemacht werden“.

Angelika Werthmann: Na was glauben Sie, warum…

Das behaupten Sie heute. Und daher nochmal meine Frage: Glauben Sie also wirklich, dass im Juni die österreichischen Sparer 10 Prozent ihres Guthabens überweisen müssen?

Angelika Werthmann: Was glauben Sie, was passiert, wenn Frankreich jetzt Pleite geht?

Ja oder Nein?

Angelika Werthmann: Die Gegenfrage habe ich für Sie. Was glauben Sie.

Nein, ich möchte wissen, ob Sie das ernst meinen, weil das ja doch eine Dimension hat, die so niemanden bekannt ist.

Angelika Werthmann: Herr Leitner, wir haben immer ganz klar gesagt heute Morgen. Wenn Sie da gewesen wären, hätten Sie uns auch live gehört.

Na, ich habe mir Ihre Aussendung durchgelesen. Ich habe mir das durchgelesen, was Sie auf einer Seite geschrieben haben, da steht das alles drinnen.

Angelika Werthmann: Wir haben gesagt. Wenn das in der Tat so ist, dann fassen wir das alles so aus. Und wir möchten das nicht. Wir möchten das weder für Österreich, noch für die Europäische Union. Noch möchten wir, dass der Euro wirklich in Gefahr kommt. Das wissen Sie alles ganz genau. Sie wissen es auch. Das kann mir keiner erzählen, dass Sie das nicht wissen. Und wieso sollen wir das nicht den Bürgern sagen.

In dieser Detailliertheit erzählt das niemand. Auch kein Wirtschaftsforscher. Darum hätten wir ja so gerne Ihre Quellen gewusst, dann könnte ich Ihnen vielleicht auch sagen…

Angelika Werthmann: Wir haben den Professor Ramb sogar eingeladen.

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Euro-Kritiker Prof. Ramb: „Stellen Sie sich mindestens auf 5 Prozent Inflation ein“ Prof. Bernd-Thomas Ramb sieht keinen Ausweg: „Angesichts der Politik der Geldmengenvermehrung muss es zur Inflation kommen“, zur Situation in Deutschland (01.10.2012)

Aha, der Professor Ramb. Das ist derjenige, der vor drei Jahren die Pleite Deutschlands prognostiziert hat. Der an Ihrer Seite gesessen ist bei der Pressekonferenz.

Angelika Werthmann: Na geht es Deutschland heute wirklich gut, wenn Sie sich einmal überlegen…

Steht vielleicht nicht vor der Pleite.

Angelika Werthmann: Herr Leitner. Wenn Sie sich überlegen, welchen Schuldenstand 2004 die europäischen Länder gehabt haben. Ich habe Ihnen die Liste mitgebracht. Sie können sich gerne davon informieren. Und dann gehen Sie auf 2014. Dann sehen Sie auch, dass ab dem Einsetzen der Rettungsmaßnahmen der Schuldenstand der Länder massiv angestiegen ist. Ich glaube, das können wir alleine mit so etwas…

Gut. Die Schuldenstände der Länder sind ja außer Zweifel. Die Frage ist, ob es eben im Juni diese Pleite gibt, die Sie da ja doch sehr klar und deutlich behaupten, dass sie stattfinden wird. Eine letzte Frage noch zu dem Ganzen: Sie wollen dann ein Referendum über einen Euro-Austritt. Ihr Generalsekretär Grosz hat es heute anklingen lassen.
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„Ich fordere die Bundesregierung auf, einen Offenbarungseid zu leisten. Wenn sich die Berichte als wahr herausstellen, erwarten wir von der Regierung, ein Referendum über den Verbleib in der Eurozone abzuhalten“, so Grosz (Presseaussendung vom 13.05.2014)

Angelika Werthmann: Bündnisobmann…

Ist das eine Option für Sie, dass Österreich da als einziges Land aussteigt?

Angelika Werthmann: Es wird nicht das einzige Land sein. Sie wissen, auf Grund unseres Programmes, der zwölf Sterne, dass wir uns für massive Bürgerbeteiligung einsetzen. Das heißt, es muss auch zu Volksabstimmungen kommen, zu verbindlichen Volksabstimmungen.

Über einen Euro-Austritt.

Angelika Werthmann: Wenn es nötig wäre, dann muss es möglich sein, dass Mechanismen geschaffen werden, dass die Länder auch aus dem Euroraum austreten können. Schauen Sie sich doch mal jene Länder an.

Und inhaltlich wollen Sie das?

Angelika Werthmann: Ja, was wollen wir denn. Wollen wir alle baden gehen?

Ja, OK. Das war die Antwort.

Angelika Werthmann: Sie wollen baden gehen, OK. (lacht)

Nein, nein. Ich habe da jetzt gar nichts zu sagen. Ich wollte nur von Ihnen wissen, ob Sie aus dem Euro austreten wollen. Das haben wir da beantwortet.

Angelika Werthmann: Wenn es notwendig ist: Ja.

Ich möchte es jetzt auch noch von Ihnen wissen, wie Sie zu diesen Fragen stehen, nach dem Sie von der KPÖ – eine Partei in diesem Wahlbündnis – ja auch sehr skeptische Haltungen zum Euro, sogar zur EU insgesamt und EU-Austrittsrufe gegeben hat. Wie Sie mit denen umgehen?

Martin Ehrenhauser: Also wir sind natürlich sehr, sehr EU-kritisch. Wir sehen diese EU in dieser derzeitigen Verfasstheit als Teil des Problems. Aber die Idee von einem gemeinsamen Europa Teil der Lösung. Darum sagen wir: Wir wollen nach vorne gehen. Wir wollen diese Europäische Union reformieren. Wir wollen diesen postdemokratischen Exekutivföderalismus abschaffen. Wir wollen diese Standortkonkurrenz in Europa unterbinden. Und wir wollen den Menschen vor Lampedusa die Hand reichen.

Aber es ist nicht EU-Austritt und Euro-Austritt, was Sie auf Ihre Fahnen schreiben, obwohl das aus einer dieser Parteien ja durchaus nachdrücklich kommt.

Martin Ehrenhauser: Ja, das ist durchaus richtig, dass es auch sehr, sehr kritische Stimmen gibt.

Zum Schluss noch ganz kurz: Wo schätzen Sie werden Sie zu liegen kommen am 25. Mai? Jetzt haben Sie eine Ausgangsbasis beide von 18 % knapp, das hat Hans-Peter Martin mit Ihnen auf der Liste erreicht. Die Kommunisten, die stärkste Partei in ihrem Bündnis hat 0.7 Prozent erreicht, war also nur mit der Lupe herauszunehmen. Wo glauben Sie könnten Sie diesmal liegen?

Martin Ehrenhauser: Erstens wir sind Teil der Europäischen Linken. Wir sind Teil einer großen Bewegung. Und wenn man die Meinungsforschungen glauben kann, dann wird die Europäische Linke die drittstärkste Fraktion im Europäischen Parlament. Die wird zulegen. Und wir werden Teil dieses Überraschungserfolgs sein. Da bin ich mir sicher. Derzeit liegen wir bei drei Prozent. Wir haben jetzt noch ganz tolle Dinge geplant jetzt noch für die letzten zwei Wochen. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass man da am 25….

Weitere Infos zur Fraktion „Europäische Linke“
Meinungsforscher sahen die GNU/GNL (Linke) erst einmal an dritter Stelle bei den Prognosen. Und zwar am 5. März 2014.

Am 10. Mai 2014 wurde von Gallup in ÖSTERREICH (n=400/max. 4.90 %) Europa Anders mit 3 % (1.3 – 4.7 % unter Bercksichtigung der Schwankungsbreite) prognostiziert.

Weitere Infos zu Wahlumfragen
Das Wahlbündnis Europa Anders ist noch in keiner Fraktion eingegliedert. Lediglich die KPÖ und die Piratenpartei haben Verbindungen zu Europäischen Parteien:

Einstweilen noch 0 Mandate.

Martin Ehrenhauser: Ich habe schon gesagt: Ich weiß natürlich, was wir geplant haben. Und wir haben noch einige gute Dinge in petto. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir einziehen.

Auch Sie liegen bei den Umfragen einstweilen bei 0 Mandaten. Wo glauben Sie, dass Sie am 25. Mai sein werden?

Angelika Werthmann: Wir wollen ganz sicher keine Umfragen schaffen. Wie wir wissen, schaffen wir den Familienminister-Posten mit einer Umfrage. Wir wollen den Einzug ins EU-Parlament schaffen. Je mehr es von uns gibt, desto besser. Und wir gehen davon aus, dass wir es schaffen.

Frau Werthmann, Herr Ehrenhauser, vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.

Angelika Werthmann: Danke schön.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place. Seit April 2018 bei der Rechercheplattform addendum.org.