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Seit 19 Jahren ist Österreich Teil der Europäischen Union. Die Journalistin Margaretha Kopeinig beschreibt nun, wie sich der holprige Weg in die EU gestaltet hat. Mit Gewinnspiel.

MargarethaKopeinigMargartha Kopeinig
Dr. phil., geboren 1956, Studium der Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie und Pädagogik in Wien, Genf und Bogotá. 1992 bis 1994 EU-Kurier-Korrespondentin in Brüssel, kurze Zeit „profil“-Redakteurin, seit 1995 Redakteurin des „Kurier“ mit dem Schwerpunkt Europa-Berichterstattung.

Als ein „EU-Native“, also als jemand, der gerade erst sechs Jahre alt war, als Österreich ein Teil der Europäischen Union geworden ist und somit immer mit dem Unionsgedanken aufgewachsen bin, waren mir zwar die ungefähren Rahmenbedingungen des Beitrittes bekannt. Die ausführliche Nacherzählung ganze 19 Jahre nach dem EU-Beitritt verschafft nun einen zwar durch und durch politischen, aber überraschend spannenden Einblick in die Hochs und Tiefs der Verhandlungen, zeigt die wichtigsten Denker dieser bedeutenden Veränderung und gibt vielen von ihnen die Möglichkeit in zahlreichen Interviews das eigene Handeln erneut Revue passieren zu lassen.

Das Buchcover zeigt Franz Vranitzky, den damaligen Bundeskanzler der Republik Österreich, unter einem großen Banner mit den zwölf Sternen der EU-Flagge. Er ist es auch, der das Vorwort für das Werk verfasst hat. Der Ex-Politiker ist auch heute noch ein glühender Europäer, wie man aus dem Vorwort, den Erzählungen Kopeinigs und auch dem Interview entnehmen kann. Doch auch er verneint dabei nicht, dass nicht alles perfekt ist:

So manches ist an diesem europäischen Integrationsmodell zu korrigieren – wie alles in der Politik von Zeit zu Zeit neu zu denken, neu zu gestalten ist. Nicht um den grundsätzlichen Wert zu ändern oder gar über Bord zu werfen. Nein, um ihn an den modernen Gegebenheiten nachzuschärfen und damit erneut zukunftstauglich zu machen. 1

Mitte der Achtziger will Österreich den Sprung wagen: die europäischen Länder rücken mehr und mehr zusammen, die Freihandelszone EFTA (die Österreich 1960 mitgegründet hatte) ist nicht mehr genug. Und so wird die Diskussion um einen Beitritt Österreichs zur Europäischen Gemeinschaft (die frühere Bezeichnung der EU) immer lauter: Kanzler Vranitzky (SPÖ) und Außenminister Mock (ÖVP) gehen alle Alternativen durch – und bekommen Kritik vom ÖGB, manchen Regierungsmitgliedern und sogenannten „Bauernlobbyisten“. Doch irgendwann ist der Weg klar: Österreich will Teil einer Europäischen Gemeinschaft werden, der Antragsbrief wird abgeschickt, jetzt kann eigentlich nichts mehr passieren. Wären da nicht die drei „kleinen“ Themen Neutralität, Transit und Landwirtschaft, die nicht nur in Österreich Zweifel aufkeimen lassen.

Im Laufe des Buches ist es spannend zu beobachten, wie sich die politischen Parteien verändert haben. Gab es Anfangs von Seiten der SPÖ noch sehr viele Bedenken, entwickelte sich bald eine breite Basis der Zustimmung innerhalb des Nationalrates: ÖVP, SPÖ und (eine große Überraschung) auch die FPÖ blickten einer europäischen Integration freudig entgegen (die Freiheitlichen sprachen sich damals auch für einen baldigen Beitritt zur NATO aus). Die Grünen, unter dem damaligen Parteivorsitzenden (und späteren EU-Abgeordneten) Voggenhuber, waren strikte Gegner eines Beitrittes. Den Wandel in der FPÖ erzeugte schließlich Haiders nationalpopulistische Politik ab Anfang der Neunziger Jahre, die (wie so oft) auf reine Angstmache aus war. Dass die Volksabstimmung im Übrigen so erfolgreich (Wahlbeteiligung: 82,4 %) und positiv (66,6 % dafür) für den Beitritt ausfiel, dafür ist u.a. der Marketing-Experte Mariusz Jan Demner verantwortlich. Und dabei ist er auch traurig, dass man im Nachhinein versagt hatte:

„Das Thema Europa ist ein permanent service-bedürftiges. Wenn man nicht ständig Vermittlungsarbeit leistet, verflacht das Interesse. […] Die Information über Europa ist keine Holschuld der Bürger, sondern eine Bringschuld der jeweiligen Regierungen. Jetzt wird sie vernachlässigt oder verschlafen und kommt nicht zustande.“ 2

„Der dreizehnte Stern“ bietet einen überraschend unterhaltsamen und spannenden Einblick in die politische Arbeit Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre. Es überrascht, welche Probleme damals aufgetaucht sind, aber auch, mit welchem Einsatz und welcher Überzeugung die damaligen Regierungsparteien gemeinsam an einem Beitritt gearbeitet haben. Und vor allem die Interviews (mit Vranitzky, Erhard Busek, Brigitte Ederer, Ferdinand Lacina, Franz Fischler, Wolfgang Schüssel und Robert Denis del Picchia) machen aus diesem Werk ein Grundlagenbuch für die Geschichte Österreichs in der EU. Spannend geschrieben, mit vielen Quellen belegt und auch mit Bildern unterlegt – ein perfektes Buch, um sich noch einmal vor dem Wahlabend über die Anfänge des dreizehnten Sterns zu informieren.

DerdreizehnteSternMargaretha Kopeinig

Der dreizehnte Stern

Wie Österreich in die EU kam

Czernin Verlag

Seiten: 271

ISBN: 978-3-7076-0497-9

Preis: 23,00 Euro (Hardcover) (Partnerlink)

Transparenz: Wir bedanken uns beim Czernin Verlag für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplars – sowie eines weiteren Exemplar für das Gewinnspiel

Gewinnspiel

Der Czernin Verlag hat uns ein Exemplar des Buches „Der dreizehnte Stern“ für ein Gewinnspiel zukommen lassen.

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, muss man eine Mail an dominik.leitner[at]neuwal.com mit dem Betreff „Dreizehn“ schicken – zwecks Adresse erkundigen wir uns erst nach der Ziehung beim Gewinner. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und der Preis kann natürlich nicht in bar abgelöst werden) Einsendeschluss: 13. Mai, 23.59 Uhr.

Quellen und Fußnoten:

  1. Kopeinig, Margaretha (2014): Der dreizehnte Stern – Wie Österreich in die EU kam, Ausgabe: Hardcover, Wien: Czernin, Seite 10
  2. Kopeinig, Margaretha (2014): Der dreizehnte Stern – Wie Österreich in die EU kam, Ausgabe: Hardcover, Wien: Czernin, Seite 124
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