Die ÖVP will mit neuem Parteiprogramm eine Evolution in Gang setzen. Dabei gibt’s zumindest einen entscheidenden Denkfehler.

Ein Kommentar von Susanne Zöhrer.

Die ÖVP hätte sich wohl keinen besseren Zeitpunkt als das Osterfest aussuchen können, um einen Versuch zu starten, ihrer Partei neues Leben einzuhauchen. Dummerweise hat man jedoch ein Prinzip der Wissenschaft gewählt, um ein Wunder, das einer Wiederauferstehung gleichkäme, herbeizureden. Man wünscht sich dort aktuell keine neue ÖVP, sondern eine Evolution.

Das wäre alles sehr lobenswert, wenn man nach intensiver Untersuchung dessen, was sich an Evolutionärem in der österreichischen Volkspartei so vorfindet, nicht zur festen Auffassung gelangt, dass es dort bestenfalls Fossilien gibt. Und Fossilien haben es so an sich, dass man sie zwar nett in einem Museum betrachten kann, in Sachen Weiterentwicklung tut sich aber eben gar nix mehr. Und so beschreibt sich der Status der ÖVP anno 2014 frei nach Monty Python: „Dieser Vogel ist tot.“.

In der SPÖ sieht es nicht besser aus. Dort glaubt man zwar allzeit, man habe die Quadratur des Kreises bewältigt, in Wirklichkeit jedoch müht man sich noch an der Erfindung des Rades ab. Schließlich hat man bei den Sozialdemokraten in letzter Zeit rein gar nichts weiter gebracht, außer zu diversen sportlichen Anlässen, Grußbotschaften und Gratulationen zu verlautbaren.

So entwerfen also die ehemaligen Volksparteien zwar immer wieder innovative Konzepte, um ihre Botschaften von der Wiederauferstehung ins Volk zu tragen, faktisch tut sich weder Neues, geschweige denn (R)evolutionäres.

Dabei gäbe es unzählige Möglichkeiten das scheintote demokratische System in Österreich mit Leben zu füllen. Und das, ganz ohne auf göttliche Gnade zu hoffen: Man könnte den Bundesrat abschaffen, oder mit echten Rechten ausstatten. Man könnte eine wirkliche Verwaltungsreform durchführen und Milliarden durch die Vermeidung von Doppelgleisigkeiten sparen. Man könnte öffentliche Vorwahlen für die Kandidatenlisten zur Nationalratswahl einführen, man könnte eine transparente Bundesverwaltung schaffen, man könnte handfeste Regelungen zur Eindämmung der Korruption und Parteispenden einführen. Ach, es wäre so vieles möglich mit dem Willen dieser beiden Volksparteien!

Vielleicht zu Weihnachten dann. Ein frommer Wunsch ans Christkind.

Foto: Prof saxx/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

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Susanne Zöhrer

Susanne Zöhrer ist promovierte Soziologin und ist bei knallgrau für Text und digitale Strategie tätig. Derzeit ist sie in Bildungskarenz und treibt ihr Jusstudium weiter. Bei neuwal meldet Sie sich mit politischen Kommentaren zurück. Twitter Blog

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