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Die Empörung geht weiter: Mit „Wehrt euch!“ holt der Autor Rainer Kahni zum Rundumschlag aus: Deutschland sei ohne Verfassung, habe eine Parteiendiktatur und eine abhängige Justiz.

Stéphane Hessels Werke Empört euch! und Engagiert euch! waren zwar Weltbestseller, aber Hessel hat ganz bewusst nicht mit Finger auf Probleme gezeigt, über die man sich empören, oder für bzw. gegen die man sich engagieren sollte. In Wehrt euch! entlädt sich die Empörung des bisher recht unbekannten Autors, die Streitschrift will zum Nachdenken anregen, will die Menschen (vor allem die Deutschen) aufrütteln, will auch Lösungen bieten. Dabei stolpert Kahni eventuell ein bisschen zu sehr über die Radikalität seiner Worte.

RainerKahniRainer Kahni

auch aktiv unter dem Pseudonym „Monsieur Rainer“ ist Autor von Krimis und Sachbüchern zum Thema Politik. Seine Werke veröffentlicht er stets im Eigenverlag via Books on Demand. Er „verabscheut“ laut eigener Aussage „politische Korrektheit“.

Website des Autors: monsieurrainer.com

Sein Werk beginnt Kahni mit der Erklärung, dass das Grundgesetz nie als Verfassung, wie sie von heutigen PolitikerInnen in Deutschland oft gehandhabt wird, gedacht war. Dieses Gesetz entstand unter „besatzungsrechtlichen Vorgaben“ und wurde nicht „in freier Entscheidung des deutschen Volkes beschlossen“.

„Das heutige Problem ist das vollständige und gewollte Fehlen einer von den Bürgern Deutschlands in freiem Volksentscheid bestätigten Verfassung. In der täglichen Praxis ist das alte Grundgesetz von Parteien, von Politikern, von Verbänden und deren Lobbyisten, von den Medienzaren und ihren Hofberichterstattern, dem Kapital, der Finanzwirtschaft, den Industriekapitänen und allen möglichen Interessensgruppen in den Würgegriff genommen und bis zur Unkenntlichkeit vergewaltigt worden.““

Und durch diese „Vergewaltigung“ ist es – laut Kahni – auch niemals (bzw. nicht mehr) möglich, eine neue deutsche Verfassung einzufordern, obwohl es im Grundgesetz einen eigenen Artikel (146, um genau zu sein) gibt. Dieser erklärt, dass das Grundgesetz so lange gilt, bis das deutsche Volk eine eigene Verfassung geschaffen hat. Der Filz lahme jeden Wunsch nach Erneuerung: Würde man als PolitikerIn für eine – vom Volk erschaffene – Verfassung auftreten und sich stark machen, so würde man nach Ansicht des Autors an seiner/ihrer eigenen Abschaffung mitwirken.

Warum die Justiz und auch das Verfassungsgericht jeglichen Antrag um Erfüllung des 146. Artikels abschmettert? Weil, so Kahni, die RichterInnen von der Politik bestellt werden, denn: „Demokratisch legitimiterte Richterwahlen gibt es in 24 EU-Ländern. Nur in Deutschland, Österreich und Tschechien werden die justiziellen Kontrolleure noch von der zu kontrollierenden Exekutive bestellt.“ Dadurch sei die Gewaltenteilung nicht existent, die Demokratie nicht wirklich vorhanden.

Außerdem beschäftigt sich Rainer Kahni auch mit der Armut in „Dritten Welt“:

„Was wir uns alle jedoch nicht fragen: Warum ist es so dass alle 10 Sekunden ein Kind an Hunger sterben muss? Die Antwort ist so einfach wie hart: weil wir Europäer mit MIlliarden von Euro unsere Agrarindustrie subventionieren. Die Folge davon ist, dass die so künstlich billig produzierten Lebensmittel den Agrarmarkt der Dritten Welt überschwemmen und deren eigene Agrarprodukte nicht mehr wettbewerbsfähig sind.“

So brüllt Kahni in seinem Werk, wirft viele Dinge auf, die man nicht wirklich abstreiten kann, die man eventuell sogar unterstützenswert finden muss. Doch die 2013 erschienene 90-seitige Streitschrift wirkt, anders als z.B. Hessels Werke, viel zu plump. Dass der Autor über ein dutzend Kapitel klar macht, wie wichtig es ist, dass aus dem Volk heraus eine Verfassung entstehen muss, er sogar beschreibt, wie die VerfasserInnen ausgewählt werden soll, nur um dann im Abschlusskapitel einen eigenen Entwurf einer Verfassung abdrucken lässt, kann man eventuell schon unter Überheblichkeit einordnen. Bei aller berechtigter Kritik am politischen System Deutschlands, so überzeugend ist Kahnis Werk schlussendlich nicht.

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Wehrt euch!

Eine Streitschrift gegen Willkür und Unrecht

edition BoD

Seiten: 90
ISBN: 978-3-732-2140-44

Preis: [amazon_link id=“3732214044″ target=“_blank“ ]6,90 Euro[/amazon_link] (Taschenbuch), Kindle-Edition: [amazon_link id=“B00DZ7D0QQ“ target=“_blank“ ]5,49 Euro[/amazon_link] (Partnerlink)

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