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Ulrike Haider-Quercia tritt lt. einem Interview mit der Kronen Zeitung und der Pressekonferenz für das BZÖ bei der EU-Wahl 2014 an. „Mein Ziel ist der Einzug ins EU-Parlament“, so Haider. Für ein Antreten bei der EU-Wahl braucht das BZÖ 2.600 Unterstützungserklärungen, da Unterschriften von drei Nationalratsabgeordneten oder von einem MEP nicht vorhanden sind.

Pressekonferenz in der Sky-Bar in Wien
„Seit gestern Abend schreiben uns schon so viele Menschen an: Wo können wir unterschreiben?“, so Ulrike Haider bei der Pressekonferenz, die sich zuversichtlich zeigt, die erste Hürde zu meistern. Das Medieninteresse war groß: Von ORF, ATV, PULS4, ServusTV, Tiroler Tageszeitung, Salzburger Nachrichten, Wiener Zeitung, etc. waren MedienvertreterInnen in der Sky Bar in Wien versammelt, um sich über die Kandidatur Haider’s für das BZÖ zu informieren.

neuwal fasst hier die Pressekonferenz vom 26.02.2014 vollständig mit Transkript der Kandidatenvorstellung sowie der Pressefragen zusammen.

Inhalt
1. Pressekonferenz vom 26.02.2014 mit Ulrike Haider-Quercia und Gerald Grosz
2. Transkript: Gerald Grosz
3. Transkript: Ulrike Haider-Quercia
4. Interview mit Ursula Haubber
5. Pressefragen
6. Weitere Links

Pressekonferenz 26.02.2014 (Sky-Bar Wien)

» Alle kandidierenden Parteien bei der EU-Wahl im Überblick

Gerald Grosz: „Ich bin daher überzeugt davon, dass uns der Einzug mit Ulrike Haider ins europ. Parlament gelingt“
Sehr geehrte Damen und Herren. Guten Morgen, recht herzlich.

Buongiorno, um der Erfahrung der Spitzenkandidatin gerecht zu werden. Es ist eine große Freude, ihnen eine große Entscheidung bekannt geben zu dürfen. Das Bündnisteam hat auf meinen Vorschlag hin, gestern einstimmig beschlossen, Frau DDr. Ulrike Haider-Quercia Spitzenkandidatin bei der EU-Wahl am 25. Mai 2014 zu nominieren. Seit Dezember im vorigen Jahr haben wir über ein politisches Engagement von Haider-Quercia besprochen. Ich bin sehr glücklich und möchte es auch nicht verhehlen, dass Frau Ulrike Haider-Quercia meiner Einladung nun mehr gefolgt ist, in die Politik einzusteigen und an die Spitze des Bündnis Zukunft Österreich für die Europawahl zu treten. DDr. Ulrike Haider wurde 1976 als erste Tochter des verstorbenen BZÖ-Gründer und Landeshauptmannes und seiner Frau Claudia geboren. Es ist zweifelsohne ein großer Name. Doch im Mittelpunkt meiner Überlegungen, unserer gemeinsamen Überlegungen der Überlegungen des BZÖ, dass wir eine Kandidatin präsentieren dürfen, die eine einzigartige Expertise, gerade für die europ. Politik mit sich bringt auf Grund ihrer umfangreichen Erfahrungen und ihres zweifelsohne hervorragenden Lebenslauf.

Ulrike Haider ist zweifelsohne eine anerkannte exzellente Juristin und Politikwissenschaftlerin. Sie studierte in Wien, Paris, Catania und Neapel. Sie promovierte sowohl in Rechtswissenschaften als auch in Poltikwissenschaften und graduierte zusätzliche zum Master in Parlamentsrecht. Sie veröffentlichte eine Vielzahl an Publikationen. Sie ist Autorin zweier Bücher im italienischsprachigen Raum, aber auch im deutschsprachigen Raum: Über politische Grundrechte einerseits und über Minderheitenrechte der Staaten der EU.

1995 machte sie bereits politische Erfahrungen in den europ. Institutionen, als Mitarbeiterin der damaligen EU-Abgeordneten Susanne Riess-Passer. Von 2001 bis 2003 war sie Referentin für Erneuerbare Energien im ital. Umweltministerium. Sie hat damit auch umfassende Erfahrungen in politischen Institutionen auf nationaler Ebene als auch auf internationaler Ebene. Sie sehen dadurch, dass wir durchaus auf eine Kandidatin verweisen können, die einen unheimlich großen Background an politischer Erfahrung auch mit sich bringt. Sie ist kompetent, weil Sie eine ausgewiesene Expertin ist. Auf eine hervorragende wissenschaftliche Karriere bisher verweisen kann. Sie ist erfahren, weil sie jahrelang in politischen Bereichen tätig war.

Politik auch professionell aus ihrer Berufung heraus beobachtet und begleitet hat. Sie ist die beste aller Spitzenkandidaten ist, die sich derzeit um ein Mandat im europ. Parlament umhüllen. Weil sie europäisch denkt und österreichisch handelt. Während die anderen Parteien ihre Großväter nach Europa schicken, Persönlichkeiten, die am Ende ihres beruflichen Lebens sind, die am Ende ihres politischen Leben stehen, wie Mölzer, Eugen Freund, Karas – also alles Politpensionäre – schicken wir eine Persönlichkeit an die Spitze unserer Wahlbewegung für Europa ins Rennen, die mit beiden Beinen in der Mitte ihres Lebens steht., die eine großartige Wissenschaftlerin ist. Eine Mutter. Eine Ehefrau. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie lebt. Und auch in Zukunft einen Aufbruch, eine neue Generation auch für das BZÖ legen wird. Die neue Generation packt für das BZÖ an und darauf bin ich sehr stolz.

Ich bin daher überzeugt davon, dass uns der Einzug mit Ulrike Haider ins europ. Parlament gelingt. Ich darf Ihnen andeuten, dass das nicht die letzte Überraschung sein wird, die wir Ihnen – inhaltlich als auch in personeller Hinsicht – präsentieren werden. Sondern, wir werden uns noch öfter sehen.

Ulrike Haider-Quercia: „Ich will kein Europa, das sich nur auf die EU-Institutionen reduziert. Weil Europa ist mehr.“

Vielen Dank, Gerald. Ich möchte alle Journalisten hier aufs herzlichste begrüßen, dass Sie so zahlreich gekommen sind, dass hier nicht einmal mehr Platz am Podium für meine Unterlagen ist vor lauter Mikrofonen.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten mit dem BZÖ über meine Kandidatur gesprochen. Wir haben das reiflich überlegt. Und damit möchten wir das heute bestätigen, dass ich für das BZÖ im Mai für die Europawahl antrete. Wir haben uns für diese Entscheidung Zeit genommen, weil eine Kandidatur natürlich auch ein lebensverändernder Schritt ist. Ich weiß das aus meiner familiären Tradition heraus. Ich musste auch abwiegen, ob ich das mit meinem sonstigen beruflichen und familiären Leben vereinbaren kann. Ich bin dem Gerald Grosz sehr dankbar, dass Du mich gefragt hast, dass Du an mich bei dieser Kandidatur an mich gedacht hast und, dass Du mir auch die nötige Zeit gegeben hast, das zu überlegen. Dass ich das auch wirklich mit meinem bisherigen Leben vereinbaren kann.

Ich habe mich entschieden, die Kandidatur anzunehmen. Obwohl eine Kandidatur immer auch ein Risiko darstellt. Ich glaube, es ist der Zeitpunkt der Entscheidung, wo man sagt: Wenn man die Möglichkeit hat, soll man sich auch engagieren. Man soll sich engagieren, weil ich glaube, insbesondere die Generation, meine Generation, mit der derzeitigen Politik in Österreich und in Brüssel nicht zufrieden ist. Es ist immer noch eine alte Art, Politik zu machen. Insbesondere in Österreich sehen wir uns jetzt in einer Pattstellung. Wir halten immer fest an diesem Zwei-Parteien-Modell. In der österreichischen Politik ist nur Platz für zwei Großparteien. Dass auch neue, kleine Parteien mit neuen Ideen regieren können, das ist in der österreichischen Mentalität noch nicht so durchgedrungen.

Österreich hat auch momentan eine sehr schwierige Phase zu bewältigen. Wir haben ein enormes Steueraufkommen. Wir haben die höchste Arbeitslosenrate und die höchste Staatsverschuldung in der Geschichte der zweiten Republik. Das sind alles Erben aus einer alten Politik, die wir nicht mehr mittragen möchten. Weil wir noch relativ lange in Österreich beruflich sein müssen und auch eine Zukunft haben wollen.

Die Probleme spielen sich auch auf der Ebene der EU ab. Weil da läuft auch vieles schief. Und man fragt sich auch: „Was will man eigentlich noch von Europa? Ist das eigentlich noch sinnvoll, was bringt uns das noch?“ Ich glaube, dass der europäische Einheitsgedanke ein sehr guter Gedanke war. Vor allem, wenn man ihn an den Gedanken Adenauers, De Gaulle und Schuhmann, die den Friedensgedanken am europäischen Kontinent im Vordergrund gesehen haben.

Ursprünglich ist das Projekt der Europäischen Union ein gutes Experiment gewesen, das man Entscheidungen dadurch besser macht, dass man sie auf eine übernationale Ebene verlagert. Heute allerdings stehen wir auch ein bisschen vor den Scherben der EU. Und vor allem vor den Scherben des Euros. Die Euro-Krise ist derzeit das aktuelle Thema in der EU. Gepaart mit dem Zentralismus der Institutionen. Die Institutionen der EU sind immer weiter weg von den Menschen und sind für den Menschen kaum ergreifbar. Ein Großteil unserer österreichischen Gesetze werden von den europäischen Institutionen bestimmt oder mitbestimmt, ohne dass wir auch einen Einfluss darauf nehmen könnten, wer darüber entscheidet. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es für Österreich nicht immer die besten Entscheidungen sind, die aus Brüssel kommen.

Es gibt auch Sektoren, wo eine Vereinheitlichung für Österreich nicht das Beste ist. Und da denke ich eben an aktuelle Themen wie die Saatgutverordnung oder auch die europ. Kommission Förderung für Regionalflughafen verbieten möchte.

Ein großes Problem, das sich verantwortungsvolle Politiker annehmen müssen, ist die Frage unserer gemeinsamen Währung. Das ist der Euro. Und ich glaube in der Euro-Debatte und in der Krise der Währungsunion sieht man sehr deutlich die strukturellen Probleme, in der die EU von Anfang an zu kämpfen hatte. Man möchte einen gemeinsamen Markt kreieren – die gemeinsame Marktidee ist ja gut -, allerdings hat man da von hinten begonnen. Man hat gleich mit einer gemeinsamen Währung begonnen, ohne dass dafür die Voraussetzungen vorgelegen wären. Das kann man in jedem Wirtschaftsbuch auch nachlesen, dass eine Währung am Ende eines einheitlichen Prozesses stehen muss und nicht am Anfang. Man hat versucht, den Euro Wirtschaften zu vereinheitlichen, die sehr unterschiedlich sind, die man nicht einfach zusammenspannen kann, weil sich in Europa, in jedem Land, die Wirtschaft auch Geschichtlich anders entwickelt hat. Das Ergebnis, mit dem wir jetzt konfrontiert sind, sind milliardenschwere Rettungsschirme, die wir noch mitzahlen müssen,ohne das konkrete Probleme gelöst werden. Und da ist auch die österreichische Regierung mit dabei und hat sich auf die Seite der Rettungsschirme des Euros gestellt, anstatt eine verantwortungsvolle Position für Österreich zu vertreten.

Der Euro war ein Eliteprojekt der Banken und der Finanziers. Das ist eindeutig. Man hat dabei nie an die Menschen und an die Wirtschaftstreibenden in Europa gedacht. Und diese schwerwiegende Entscheidung, die die Generation vor uns getroffen und eingefädelt hat, die trifft uns jetzt sehr schwer. Da war eine Generation am Werk, die sicher die österreichischen Interessen nicht im Herzen gehabt hat. Und wir müssen jetzt die Kosten für diese illusorische Politik tragen.

Krise überall, Krise im österreichischen politischen System, Krise auf europäischer Ebene, deren Konsequenzen wir nur erahnen können. Und in diesem Umfeld haben wir dann über meine Kandidatur gesprochen. Und da habe ich mir überlegt: Was kann ich da konkret beitragen? Ich habe überlegt, was kann ich einbringen, um die Politik wieder menschengerechter zu gestalten und auch um einen Beitrag zu leisten, dass Europa wieder eine wirtschaftliche Stabilität bekommt.

In erster Linie kann ich sagen, dass ich eine besondere Europabeziehung habe. Ich bin eine glühende Europäerin. Ich gehöre der Erasmus-Generation an. Ich hab vor der EU seit meiner […] profitieren können. Ich konnte ins Ausland studieren gehen. Das war eine sehr, sehr tolle Erfahrung. Es waren damals alle Türen und Tore geöffnet für tolle Karrieren und für eine tolle Zukunft in Europa. Viele von diesen Türen und Chancen sind aber für meine Generation heute durch die strukturellen Probleme der EU wieder zugegangen.

Wir sind die Generation, die fleißig arbeitet, sich bewährt, aber immer mehr Steuern zu zahlen hat und immer weniger soziale Leistungen bekommt. Wir haben eine sehr hohe Arbeitslosenquote. Nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen europäischen Ländern. Die haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Und viele meiner Alterskollegen haben Schwierigkeiten, sich am Arbeitsmarkt zu behaupten. Krasse Beispiele sind natürlich Italien, Spanien und Frankreich, wo viele sehr gut ausgebildete junge Menschen Schwierigkeiten haben, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Und als das BZÖ mich gefragt habe, ob ich kandidieren möchte, habe ich mir gesagt: Es gibt viele Probleme. Und ich muss sagen, so wie das Europa momentan abläuft, das ist nicht mein Europa. Es kann nicht sein, dass Europa bedeutet: Angst vor der Zukunft, dass man Angst haben muss um sein Geld und um seine Bankguthaben.

Ich will kein Europa, das sich nur auf die EU-Institutionen reduziert. Weil Europa ist mehr. Europa ist viel mehr und hat auch verdient, dass man wieder konstruktiv und aus dem Ideal der Freiheit heraus wieder daran arbeitet. Der Europagedanke muss neu entwickelt werden. Man muss von dem weg gehen, was die EU jetzt darstellt. Europa muss wieder ein starkes Europa werden. Es muss uns Antworten geben auf die Herausforderung in der Globalisierung. Und vor allem muss es uns Lösungen bieten, um uns aus der derzeitigen wirtschaftlichen Instabilität wieder herauszuführen.

Ich bin sicher, dass ich zu diesem Thema etwas beitragen kann. Ich bin Juristin und kann da meine beruflichen Qualifikationen einsetzen. Ich habe auch in mehreren europäischen Ländern gelebt. Ich weiß, wie es sich mit der EU lebt, was bedeutet es, Europa-Bürger zu sein. Was funktioniert in der EU und wo trifft die EU eigentlich auf ihre Grenzen.

Meine Kandidatur war aber auch von einem sehr persönlichen Beweggrund mitgetragen. Und der betrifft meinen Vater Jörg Haider. Und, dass ich es nicht mehr mit anschauen möchte, wie man derzeit mit ihm medial verkehrt. Und wie man derzeit seinen Namen benutzt, um vielleicht von Dingen abzulenken, die in dieser Republik momentan nicht so laufen, wie sie laufen sollen. Ich beziehe mich da auf das Hypo-Desaster, wo tagtäglich der Name meines Vaters missbraucht wird, um ihm die alleinige Verantwortung für diese Missere in die Schuhe zu schieben. Einen Menschen, der heute nicht mehr da ist, der sich nicht mehr verteidigen kann. Aber der 40 Jahre seines Lebens für dieses Land gearbeitet hat und das Beste für Österreich und für die Österreicher gemacht hat und wollte.

Mein Vater hat die Hypo-Bank 2007 vorteilhaft für den Steuerzahler verkauft. Und der Fehler ist durch den Rückkauf durch den Finanzminister entstanden. Da sind die Probleme entstanden. Und da möchte man jetzt den Namen benutzen, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Und das möchte ich nicht zulassen. Das ist der Name meiner Familie. Das ist mein Name, das ist der Name meines Sohnes. Und ich lehne es ab, posthum den Namen meines Vaters zu beschmutzen. Das ist inakzeptabel und eine solche Politik lehne ich ab.

Am Schluss möchte ich noch zwei Worte zu meinem Wahlziel sagen. Das Wahlziel ist der Einzug ins EU-Parlament. Mein Vater hat bei seiner letzten Wahl mehr als 10 Prozent der Österreicher für sich gewinnen können. Und ich möchte daher heute schon alle EU-kritischen Bürger einladen, nicht nur zur Wahl zu gehen, sondern auch einen Schritt mit mir, diesen Weg, zu gehen. Vielen. Dank.

Pressefragen

Hannes Auer, ORF-Radio, Innenpolitik
Hannes Auer: Frau Haider, Sie haben jetzt viel über Probleme in Europa gesprochen. Probleme, die jeder kennt. Was sind ihre Lösungen und mit welchen Inhalten werden Sie in diesen Wahlkampf gehen?

Ulrike Haider: Also wir gehen in diesen Wahlkampf mit einer sehr EU-kritischen Position. Wir möchten, dass Europa zusammenbleibt, aber um den Einheitsgedanken in Europa zu sichern, muss die EU von Grund auf reformiert werden. Vor allem möchten wir Lösungen für das katastrophale Währungssystem, weil uns der EURO eine der größten Probleme bereitet.

Hannes Auer: Aber welche Lösungen?

Ulrike Haider: Wir wollen, dass der Europagedanke mit mehr Freiheitsgedanken angedeutet wird in eine Sozialunion. Das würde den österreichischen Interessen entsprechen. Wir haben in unserem Programm, dass die EU-Kompetenzen, dort wo es sinnvoll ist, wieder an die nationalen Staaten wieder zurückgegeben werden. Und wir wollen vor allem auch keine Alternative zum EURO ausschließen.

Hannes Auer: Wie löst das die EURO-Krise, die Arbeitslosigkeit, Schuldenproblematik und das alles, von dem sie gesprochen haben?

Gerald Grosz: Gebe ich Ihnen vollkommen recht. Aber ich darf jetzt auch dazu antworten. Wer glaubt, Europa über die Gurkenkrümmung oder über die Glühbirnenverordnung zu reformieren und glaubt, hier Wahlkampf zu machen, liegt falsch. Wer ein glühender Europäer ist, hat die verdammte Pflicht, diese Europäische Union zu kritisieren und zu hinterfragen. Und auch Vorschläge auf den Tisch zu legen. Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Das tut Ulrike Haider, das tun wir als BZÖ. Die Europäischen Institutionen endlich grundsätzlich zu reformieren, einen europäischen Gedanken in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommen zu lassen und nicht in den Institutionen.

Ein Europa, das nicht von Banken- und Fiskalpakt-Europa geprägt ist, sondern von einem Gedanken, wie es die Spitzenkandidatin gesagt hat: Schuhmann, Adenauer, De Gaulle. Von diesem Europa hat sich diese EU Lichtjahre weg entfernt. Und daher wird man im Rahmen des zusammenbrechenden EUROS auch Modelle entwickeln müssen, wie es möglich ist, einerseits Europa zusammen zu halten, aber den Bürgerinnen und Bürgern Österreichs die Last der EU ihrer Institutionen zu nehmen und das Wirtschaftsgefüge auch neu aufzubauen. Lassen sie sich überraschen, wir werden in den nächsten Wochen personell die eine oder andere Ansage noch treffen. Wir werden aber auch ein Programm am Parteitag beschließen. Wir werden es Ihnen aber auch vorher vorstellen. Wo wir auf jede Frage Europas eine österreichische Antwort geben.

Andreas Forster, ServusTV
Andreas Forster: (1) Wenn Sie reinkommen sollten: Im Rahmen welcher Fraktion möchten Sie Ihre Ideen und Vorstellungen umsetzen? Weil mit einem Abgeordneten reißt man in Strassbourg und Brüssel die Welt nicht nieder. Also, da muss man sozusagen Bündnisgenossen suchen. Und das Zweite ist: (2) Sie haben vorhin vom Missbrauch des Namens ihres Vaters gesprochen. Ist nicht ihre Kandidatur beim BZÖ auch ein bisschen ein verzweifelter Versuch des BZÖ, die Magie des Namen Haider noch zu nützen, in einem Teich an europakritischen Stimmen, der bei dieser Wahl so groß wie nie zu vor ist. Ohne Ihnen nahe treten zu wollen, die Chancen, dass das BZÖ reinkommt sind wahrscheinlich weniger als 50 Prozent.

Ulrike Haider: (1) Wir brauchen auch nicht 50 Prozent, sondern 5. Natürlich haben wir Ideen, zu welcher Fraktion wir tendieren. Da gibt es insbesondere zwei Fraktionen. Wichtig ist, dass es europakritische Gruppierungen in den europäischen Fraktionen vertreten sind. Eine Option wäre die ALDE mit der ALDE-Fraktion. Und die zweite Möglichkeit wäre die europäische Fraktion der Konservativen und Reformisten.

(2) Nun zu meinem Vater. Ich habe es ja auch ausgeführt. Der Name meines Vaters ist nach wie vor ein bedeutender Name. Sonst, glaube ich, wären Sie heute auch nicht so zahlreich gekommen. Das war natürlich der Scheideweg. Ich habe mir gesagt: Soll ich es machen oder soll ich es nicht machen. Ich hätte auch sagen können: Ich mache es nicht, weil ich heiße Haider. Die Möglichkeit hätten wir auch gehabt. Aber ich möchte diese Kandidatur auch nützen, um einige Dinge richtig zu stellen und auch meine Position darzulegen.

Wiener Zeitung
Wiener Zeitung: (1) Sie sagen, Sie wollen keine Alternativen zum EURO ausschließen. Welche Alternative wollen Sie konkret vorschlagen? (2) …und wo hat das BZÖ das Geld für die Kandidatur her?

Ulrike Haider: Zum EURO möchte ich sagen: Also, ich würde da keine Alternative ausschließen. Das Wichtige ist, das bei der EURO-Debatte die österreichischen Interessen und die Interessen der österr. Steuerzahler gewahrt werden. Ich glaube, dass man in der europ. Währungsunion, dass, was derzeit auf europ. Ebene abläuft, ist nur der Versuch, Zeit zu gewinnen, um die europ. Einheitswährung doch noch irgendwie zu retten, die aber meines Erachtens nicht gerettet werden kann. Man muss aber auch den Mut sagen, einige Länder können oder müssen aus der Eurozone aussteigen und andere Länder, wo es Sinn macht, können in der Eurozone noch vorhanden sein. Und diese Diskussionen, wo die Politiker mit Experten zusammenarbeiten müssen, damit es nicht so passiert wie bei der Währungseinführung. Der EURO war ein politisches Projekt, nur hat man da die Ökonomen nicht befragt. Ich glaube, man müsste die österr. Bevölkerung befragen, was sie bevorzugt: Ob sie beim EURO bleiben will oder ob sie vom EURO aussteigen will.

Gerald Grosz: (2) Sie wissen, dass seit der Volksabstimmung zum Beitritt Österreichs zur EU, die österr. Bevölkerung nicht mehr gefragt worden ist. Ich erinnere mich an den unseligen damaligen SPÖ-Vorsitzenden und jetzigen Bundeskanzler, der gegenüber einer großen Zeitung angekündigt hat, über alle entscheidenden Grundfragen der EU, die in den Verfassungsbau Österreichs eingreifen auch die Bevölkerung abstimmen zu lassen. Schall und Rauch bis heute. Daher wollen wir auch die Miteinbeziehung der österr. Bevölkerung in die entscheidenden Fragen der EU und im EURO. Zu ihrer Frage: Ich danke Ihnen, dass Sie sich Sorgen um die Finanzen des BZÖ machen. Ich habe mehrmals bereits in der Vergangenheit gesagt, dass ich einen Amtsvorgänger habe, der gut gewirtschaftet hat, Rücklagen gebildet hat und uns somit die wirtschaftliche und politische Überlebensfähigkeit die nächsten Jahre gesichert hat. Also, mit uns ist zu rechnen. Und mit mehreren Pressekonferenzen. Falls Sie aber Interesse haben, für uns zu spenden: Die Möglichkeit gibt es, auf Paypal www.bzoe.at. Ich gebe Ihnen gerne die Kontonummer und Sie sind herzlich eingeladen, eine durchaus spannende Wahlbewegung zu unterstützen. Sie können aber auch ab 11. März eine Unterstützungserklärung für uns abgeben. Ich werde Ihnen ein Formular zukommen lassen.

Wir werden ein Budget in den nächsten Wochen zusammenstellen. Kennen Sie von einer anderen Partei mehr als 90 Tage vor einer Wahl die genauen Budgetkennzahlen? Also ich nicht. Wir haben jetzt eine Spitzenkandidatin, dass wir fix zur EU-Wahl kandidieren und werden die nächsten Tagen und Wochen alle organisatorischen Grundvoraussetzungen treffen. Auch das Unterschriftensammeln ist wichtig. Da bitte ich Sie auch um Unterstützung dabei, dass es uns gelingt, die Kandidatur sicher zu stellen, wovon ich mit großer Überzeugung ausgehe. Und einen Erfolg auch einzufahren.

Sabine Schuster, Zeit im Bild Redaktion
Sabine Schuster: Frau Haider, zwei Fragen. (1) Stimmt es, dass Sie bereits bei der letzten EU-Wahl gefragt wurden, ob Sie fürs BZÖ ins Europaparlament einziehen aber im letzten Moment zurückgezogen haben? (2) Sie haben vorhin davon gesprochen von einer alten Politik. Würden Sie sagen, „alte Politik“, das war auch die Politik Ihres Vaters?

Ulrike Haider: Das habe ich mir gedacht, dass diese Frage kommt. Mein Vater hat natürlich keine alte Politik betrieben. Und das weiß der ORF am Besten. Weil er hat die höchsten Einschaltquoten gehabt. Und er ist der Politiker gewesen, der die Österreicher wieder für Politik interessiert und begeistert hat. Und das ist auch mein Auftrag, dass man die Politik wieder zu den Menschen bringt. Dass die Politik auch wieder einen Sinn macht und dass sich die Leute von der Politik desinteressierten und es offen lassen, überhaupt zur Wahl zu gehen.

(2) 2009 stand es schon im Raum. Aber wir haben es dieses mal sehr ernsthaft diskutiert. Und ich bin dem BZÖ sehr dankbar, dass es mir die Zeit gegeben hat, mich auf diese Kandidatur vorzubereiten. Und, dass wir da auch eine sehr gute Partnerschaft machen, damit wir einen interessanten und ich hoffe auch für sie alle spannenden Wahlkampf führen werden.


Frau Haider, Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie an der offiziellen Version des Todes Ihres Vaters zweifeln. Was ist Ihre Theorie, wie das passiert ist?

Ulrike Haider: Ja, das tue ich. Ich zweifle an der offiziellen Version des Todesunfalls. Das habe ich gestern ausdrücklich so gesagt. Die Familie hat immer wieder gefordert, dass Untersuchungen zu diesem Unfall wieder aufgemacht werden. Es hat die Staatsanwaltschaft abgelehnt. Es ist nach wie vor ein wunder Punkt.

Aber Sie haben eine Vermutung?

Gerald Grosz: Zu akzeptieren, dass Sie hier über diesen wunden Punkt, der ein sehr persönlicher ist, nicht reden möchte. Ich bitte um Ihre Fragen.

Dieter Zirnig, neuwal.com
Dieter Zirnig: Sie sprechen von einer Mitbeteiligung der österr. Bevölkerung in vielen Themen. Wie sieht bei Ihnen die Listenerstellung aus?

Gerald Grosz: Wir werden die nächsten Wochen – es ist eine organisatorische Frage, daher antworte ich. Wir haben einige Ideen, einige exzellente Gespräche geführt in den vergangenen Woche. Ich habe auch oftmals mit dem Nachtzug Rom besucht. Pilgerstadt. Die heilige Stadt. Pilgerreise. Es ist ein gutes Ergebnis herausgekommen. Wir werden jetzt auch gute Gespräche auch in Zukunft führen. Wir werden eine Liste vorschlagen.

Wir werden am 15. März 2014 beim Parteitag die Kandidatur auch offiziell beschließen, die Spitzenkandidatur der designierten Spitzenkandidatin. Und wir werden dann zeitgerecht auch die Liste vorstellen. Die Liste auch im Parteivorstand beschließen. Was ich Ihnen heute sagen kann: Auch sehr viele unabhängige Persönlichkeiten zu haben. Es ist eine Kandidatur des BZÖ Liste Dr. Ulrike Haider. Aber es ist auch eine Kandidatur oder es ist unser Wunsch, eine überparteiliche Plattform mit unabhängigen Persönlichkeiten zu repräsentieren, die wir uns erlauben, in den nächsten Wochen auch vorzustellen und zu nominieren.

Martin Dürr, ATV
Martin Dürr: Mich würde vom Herrn Grosz noch interessieren: Wie beurteilen Sie denn das Hypo-Desaster. Hat das BZÖ und Jörg Haider nicht auch eine Verantwortung?

Gerald Grosz: Schauen Sie. Jörg Haider hatte, in großer Weitsicht, ein Jahr vor der Wirtschaftskrise und zwar im Jahr 2007, die Hypo mit einer Bilanzsumme von 18 Milliarden Euro für den österr. Steuerzahler gut verhandelt. Unter Beihilfe Kärntner Landtagsparteien an die Bayrische LB, die im Eigentum des Freistaat Bayern ist, verkauft. Jörg Haider ist leider Gottes in der Nacht vom 10. auf 11. Oktober 2008 verstorben. Und im Jahr 2009 hat ohne Not, ein österreichischer Finanzminister, ein Verräter am Steuergeld, diese Bank von den Bayern zurückgekauft, um die Raiffeisenbank und ihren Konzern aus den gezogenen Anleihen bei der Hypo Kärnten zu entlasten.

Und dieser Finanzminister ist heute auf der Lohn- und Gehaltsliste dieses Raiffeisen-Konzerns. Eine größere politische Korruption ist mir in der Geschichte der zweiten Republik nicht vorgekommen. Und das hinterfragt keiner. Ein Finanzminister, der die Drecksarbeit für die Raiffeisen gemacht hat, die Vorarbeit für seinen Job erledigt hat und jetzt bei Raiffeisen kassiert. Und ein Toter bietet sich gut an, dass er für das schlechte Wetter verantwortlich ist, für drei Meter Schnee, für alles, was in dieser Republik seit 2008 passiert ist, als Notnagel herhalten muss, für die Erbsünde dieser Republik. Und das lassen wir nicht zu. Das habe ich nie zugelassen und das werde ich auch in Zukunft nicht zulassen. Aber ich sage auch eines klar, dass das keine Rennaisance-Kandidatur ist, sondern, dass es sich bei Dr. Ulrike Haider-Quercia um eine bodenständige, eigenständige Persönlichkeit handelt. Mit einem hohen Erfahrungsschatz und mit eigenen Willen.

Es handelt sich bei Ihr um Dr. Ulrike Haider und Sie wird Ihre politisch Visionen formen und auch kundtun. Und das ist uns wichtig. Aber, dass das jetzt natürlich am Höhepunkt dieser Berichterstattung – auch jetzt diese Kandidatur bekannt gegeben wird – ist kein Hindernis. Sondern, wie Ulrike Haider gesagt hat, auch eine Möglichkeit, einiges richtig zu stellen, was in dieser Republik durch zwei Parteien verhindert wird. Obwohl das BZÖ fünf Anträge im österreichischen Nationalrat gestellt hat, endlich einen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Untersuchen wir alles. Warum verweigert Rot und Schwarz einen Untersuchungsausschuss zur Hypo, sehr geehrte Damen und Herren. Fünf mal – und gestern wurde ein weiterer Antrag im Parlament abgelehnt. Ja, wer hat denn etwas zu verbergen, wenn nicht Rot und Schwarz.

APA
APA: Sie müssen zuerst Unterstützungserkärungen sammeln. Wie wollen Sie das angehen und glauben Sie, werden Sie in Kärnten besonders viele schaffen und wie sehen Sie da Ihre Chancen?

Gerald Grosz: Wir werden Unterschriften sammeln. Die gesetzliche Frist beginnt ca. am 11. März und läuft bis 11. April 2014. Das heißt, wir werden in allen Bundesländern gut organisiert die Unterschriften sammeln und auch zusammen bringen. Es haben sich alleine gestern seit der Vorabmeldung in der Kronen Zeitung unzählige Menschen bei uns gemeldet, die gesagt haben: Bitte schicken Sie uns ein Formular zu, für Dr. Haider unterschrieben wir. Also, ich habe da keine große Sorge, glauben Sie mir das.

Maria Zimmermann, Salzburger Nachrichten
Maria Zimmermann: Sie werden jetzt in den nächsten Monaten eigentlich permanent mit ihrem Vater verglichen werden. Sie sind eine politische Newcomerin, wie haben Sie sich das überlegt? Scheuen Sie sich nicht vor dem Vergleich?

Ulrike Haider: Ja, absolut nicht. Ich bin sehr stolz auf meinen Nachnamen, ich bin sehr stolz auf die Politik, die mein Vater geführt hat. Aber ich glaube, das ist der richtige Zugang, um sinnvoll Politik für die Menschen zu machen. Aber diese Pressekonferenz nutzen wird auch dazu, dass wir Verwechslungsgefahren ausschließen. Das politische Engagement, dass mit dieser Pressekonferenz heute ins Leben gerufen worden ist, ist das politische Engagement von Ulrike Haider-Quercia. Und, das ist mein persönliches Interesse und mein persönlicher Beitrag zur EU-Politik.

Wolfgang Sablattnig, Tiroler Tageszeitung
Wolfgang Sablattnig: Sie haben gesagt, es ist ein wunder Punkt, was den Tod Ihres Vaters betrifft. Aber ich glaube, nach dem Sie selber aufgebracht haben, dass Sie ein Problem mit der Unfallversion haben, ist es legitim, dass nachgefragt wird: Was ist Ihre Version?

Ulrike Haider: Ich habe es eh gesagt, es ist nach wie vor ein wunder Punkt. Jeder, der ein Familienmitglied auf tragische Weise verloren hat, wird es verstehen. Es gibt nach wie vor eine große Gerüchteküche. Ich zweifle die offizielle Version an und ich hoffe und ich setze da auch auf die Zeit an, die dann irgendwann einmal Licht in diese dunkle Sache bringen wird.

Ursula Haubner zur Kandidatur im Gespräch mit neuwal

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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.