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Gastkommentar in der Wiener Zeitung vom 27.01.2014 zum Thema „Akademikerball“

Der verbotene Ort
Der Akademikerball in der Wiener Hofburg wurde zum politischen und gesellschaftlichen Spielball.

Während eine kleine Gruppe vergangenen Freitag am magischen Ort der Wiener Hofburg den Akademikerball abgeschottet und in absoluter Ruhe feiern konnte, hielt der andere Teil der Provokation nicht stand. Die Abgrenzung des dritten Lagers funktionierte, der installierte Eiserne Vorhang wirkte.

Es war, wenn man so will, eine gelungene Inszenierung. Die Aufwertung der Hofburg zu einem „verbotenen Ort“ und der Veranstaltung zu einer „elitären Ballveranstaltung“ – bei der Gesellschaft und Medien mitspielten – ist die eigentliche Herausforderung.

Der Ball mit rund 900 Besuchern verlief absolut unspektakulär. Kein traditionelles Liedgut (bis auf die Burschenherrlichkeit), keine „Drei Bier“-Bestellungen oder ähnliche einschlägige Gesten, die man sich eventuell erwartet hätte. Es gilt, zwischen all den Ausrichtungen der vielen unterschiedlichen Korporationen zu differenzieren.

Zu beobachten war allerdings eine durchgängige geschichtliche Verankerung auf die Zeit um 1848, auf Begriffe der deutschen Geschichte sowie auf die Besinnung traditioneller Werte. Wenn schwarz-rot-goldene Bänder mit der Aufschrift „Vaterland“ das Hemd zieren, dann wird eindrucksvoll vorgeführt, was der Begriff „Deutschnational“ bedeuten kann.

„Hier in Österreich ist es wirklich noch anders. Da spielen die Medien schon mit. Bei uns in Deutschland ist es von der Medienlandschaft her schwer. Es ist mit allem schwer, was national ist. Da wird einfach blockiert“, erzählte mir ein Gemeinderat der deutschen Partei „pro NRW“ und schwärmte von den in einer Tageszeitung veröffentlichten FPÖ-Anzeigen. Die „pro NRW“ wird vom deutschen Verfassungsschutz als „die wichtigste Partei aus dem rechtsextremen Spektrum neben der NPD“ genannt. Die Gründung der Partei „pro NRW“ hat die FPÖ stark unterstützt und pflegt als „nationalfreiheitliche Partei“ enge Kontakte mit ihr.

Der Wiener Akademikerball hatte unter der Schutzherrschaft der FPÖ leichtes Spiel: Abgeschottet in aller Intransparenz wurden nach außen hin Barrieren und Illusionen aufgebaut. Das Konzept ging auf, und für viele wurde es unvorstellbar, auch nur daran zu denken, den Ball „offiziell zu besuchen“, wie ich aus Gesprächen erfuhr.

Die eigentliche Tragik dabei ist, dass es möglich ist, einen Ball einer vom Volk gewählten Partei, die im Nationalrat sitzt, in aller Intransparenz und abgegrenzt abzuhalten. Damit die Gesellschaft zu polarisieren, dass es dabei zu Ausschreitungen kommt, die nicht notwendig sind. Das kann verhindert werden. Der Ort und die Veranstaltung wurden zum „Geheimnis“, zum Magischen stilisiert und so zum politischen und gesellschaftlichen Spielball.

Es braucht dringend eine transparente Vorgehensweise, was zukünftige Ausrichtungen des Akademikerballes betrifft – und damit eine Aufklärung der Gesellschaft. Weiters wäre eine Einschätzung des österreichischen Verfassungsschutzes sehr interessant, der den Rahmen dabei neu definieren kann. Dann lässt sich auch über die Räumlichkeiten und Ausrichtung diskutieren.

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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.