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Am 24. Jan. 2014 fand in der Wiener Hofburg der 2. Wiener Akademikerball statt. Seit zwei Jahren wird die Veranstaltung von der FPÖ Wien ausgetragen, zuvor lief er unter dem Namen WKR-Ball (Ball des Wiener Korporationsrings). Diesjähriger Schutzherr ist Heinz-Christian Strache.

Es ist schon sehr viel darüber berichtet worden. Das Interesse gilt dem Akademikerball selbst: Wie läuft so ein Ball im Korporations-Milieu ab, wie ist die Stimmung, wie fühlt sich das an. Das Ziel war, sich einfach selbst ein Bild zu machen, zu sehen, ob und wie breit das politische Spektrum ausschweift, wie sich Politik und Korporationen vermischen und letztlich das Bild der journalistischen Berichterstattung zu ergänzen.

Hofburg

Eigentlich hat sich im Vorfeld alles viel spektakulärer angehört, als es letztlich war. Die Hofburg und gleich die gesamte Innenstadt wurden zum verbotenen Ort erklärt. Zwei Lager wurden mit extremen Linken und Rechten gebildet und mit irren Straßenabsperrungen weitläufig voneinander getrennt. Alles abgesperrt – bei der Herrengasse – weiter weg von den Demonstrationen – gelang es, bei einer Polizeisperre unproblematisch zu passieren und in die Hofburg zu gelangen.

Zwischen 800 und 1.000 Besucher

„Wesentlich weniger Besucher als im Vorjahr“, meint die Garderobenfrau. „Katastrophal“ und „1.000 Gäste. Ist ja nichts da!“ sagten die Barkeeper und das Catering schätzte 800 Besucher_innen.

Die nette Frau an der Garderobe zeigte mir, wie es das Magistrat berechne: 555 ausgegebene Garderobenscheine x 1.7. Beim Multiplizierungsfaktor ging sie runter, “da bei dem Ball sehr viele Einzelpersonen gekommen sind”. Damit komme sie auf ca. 950 Besucher_innen.

Das dürfte im Groben hinkommen. Selbst nachgezählt: Es waren bei der Mitternachtsquadrille im Festsaal ca. 550 Personen. Zwei Reihen mit jeweils zwei mal 100 Personen und 150 Zuseher_innen. Was alleine schon den kommunizierten Wert von 400 Personen im Spiegel in Frage stellt. Dazu ein Streifzug durch die anderen Räumlichkeiten, bei denen rund 300 Gäste zu zählen waren. Damit liegt der Wert bei 850 und zwischen den kommunizierten 800 und 1.000.

Mehr Gäste waren es nicht – weniger auch nicht. Der Festsaal war bis auf die Eröffnungsveranstaltung, Teile der Mitternachtseinlage und der Burschenschaftsherrlichkeit am Ende der Veranstaltung nur sehr mäßig befüllt, viele Tische und Stühle blieben leer. Egal, ob letztlich 800 oder 1.000. Die Szene traf sich und bekam in der „ehrwürdigen Hofburg“ die Chance zur Vernetzung.

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Deutschnationales?

Gleich vorweg: Ich konnte keine Burschenschafterlieder, kein traditionelles Liedgut (bis auf die Burschenschaftsherrlichkeit), keine „Drei-Bier-Bestellungen“ oder ähnliche bekannte Gesten sehen, die man sich eventuell erwartete. Gut so. Aber: Zu beobachten war eine durchgängige geschichtliche Verankerung auf die Zeit um 1848, auf Begriffe der dt. Geschichte und auf die Besinnung traditioneller Werte und Orte, wie es auch in der Festrede von Heinz-Christian Strache zu hören war.

Wenn diese Worte dann mit Beobachtungen kombiniert werden, bei der Gäste oder Politiker österreichischer Korporationen mit deutschen schwarz-rot-gold-Bändern bestückt sind, wo groß “Vaterland” steht, dann wird eindrucksvoll vorgeführt, was der Begriff “Deutschnational” bedeuten kann.

Ehre, Freiheit, Vaterland„, immer wieder schwarz-rot-goldene Bänder mit dieser Aufschrift, die über das Hemd gelegt sind und die Zugehörigkeit zur jeweiligen Korporation zeigen. Der Rückblick in die Geschichte, Projektion in Parallelwelten und die Verankerung an vergangenen – und immer wieder wiederholt erwähnten – Ereignissen, die mit Korporationen und Politik in Verbindung gebracht werden.

Festrede (Auszug)
[…] „Wenn ich den Aufruhr und die Gegner auf den Straßen Wien sehe, so kann ich diese Vorgänge aus meinem demokratischen Grundverständnis heraus nicht verstehen und in keinem Fall akzeptieren. [Applaus] Für mich sind unserer Korporationen, denen sie und ich angehören, mitunter die Wiege zur Demokratie und zur Verfassung. Wenn wir in die Vergangenheit blicken, so haben unweit von hier 1848 Bürger und Studenten gemeinsam für Freiheit und Bürgerrechte gekämpft. Letztlich fußte auf diesen Ereignissen des Jahres 1848 die sogenannte Dezemberverfassung von 1861. Auf Artikel 19 dieser Dezemberverfassung beruhen die Gleichheitsgrundgesetze des heutigen Grundgesetz unserer Republik Österreich. Dieses demokratische Erbe dürften aber jene vergessen haben, welche uns das Recht auf diesen Ball nehmen wollen und diesen Tag unter Anwendung von Gewalt […]. So darf und kann das nicht sein“, so der Festredner bei der feierlichen Eröffnung.

Bei den Gästen selbst gewann man den Eindruck, dass es sich um eine enge, überschaubare und scheinbar recht elitäre Gruppe handelt. Unterschiedliche Korporationen, die sich untereinander kennen. Sehr viele ältere Herren, im selben Ausmaß jüngere. Viele in weiblicher Begleitung, einige sehr wenige von ihnen finden sich auch in “Mädelsschaften” oder “Landsmannschaften”. Schmisse, Deckel, Bier und traditionelle Uniformen in den unterschiedlichsten Coleurs. Viele Gäste aus Deutschland, die ganz gut am Dialekt erkennbar waren und sich bei der Veranstaltung in der gemeinsamen Kultur wieder fanden.

So friedlich die Veranstaltung aussieht und abgelaufen ist, liegen die eigentlichen Dinge doch im Detail und werden erst in Gesprächen sichtbar.

„In Deutschland wäre das undenkbar“

Ein näheres Gespräch ergab sich mit einem der deutschen Gäste. Am nächsten Tag soll sich nach näheren Recherchen herausstellen, dass es sich um H. handelt, Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft Raczeks. Er erzählt, dass er bei der dt. rechtsaußen Partei „pro NRW“ als Gemeinderat tätig ist und wird lt. Berichten einschlägig genannt.

„pro NRW“ wird vom Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfahlen als „die wichtigste Partei aus dem rechtsextremen Spektrum neben der ‚Nationaldemokratische Partei Deutschlands‘ (NPD) genannt„. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat ausdrücklich festgestellt, dass diese Bewegung eine rechtsextremistische Bestrebung sei.

pro NRW pflegt enge Kontakte mit der FPÖ und die FPÖ hat die Gründung der Partei stark unterstützt. Vilimsky und Jenewein förderten 2008 diese Bewegung und “waren letzten Sonntag, 19.01.2014 beim Neujahrsempfang der Partei in Deutschland, um die pro NRW Kandidaten zur Europawahl zu unterstützen„. Auch Susanne Winter (FPÖ) rührte im Mai 2012 für pro NRW im Zuge des Wahlkampfes die Werbetrommel: „Wir als nationalfreiheitliche Bewegungen fordern […], der Fortschreitung der Islamisierung Europas einen Riegel vorzuschieben. […] Wir Patrioten lassen einander niemals im Regen stehen.“ Für Winter „sei es schön, dass immer wieder so viele tapfere, unerschrockene Demokraten zu diesen Anti-Islamisierung-Veranstaltungen und Wahlkampfveranstaltungen von pro NRW kommen.“

Er „komme direkt von einem FPÖ-Besuch im Parlament zum Ball und ist Tags darauf beim Neujahrsempfang der FPÖ eingeladen“, erzählte er mir gleich zu Beginn. Mit geschichtlichen Anschauungen kommen wir ins Gespräch: „Für den normalen Bundesdeutschen ist die Wartburg kein Begriff. Hambacher Fest kennt kein Deutscher mehr. Wo Schwarz-Rot-Gold herkommt, weiß keine Mensch mehr. Pauluskirche, Nationalversammlung“, so H., bevor wir auf tagespolitische Themen schwenken.

„In Österreich spielen die Medien schon mit“

„Ich habe heute das Kronen Blatt (Anm.: Kronen Zeitung) gelesen und darin zwei oder drei Anzeigen der FPÖ gesehen. Das wäre bei uns undenkbar. Kriegen wir gar nicht. Da spielen in Österreich die Medien schon mit. Bei uns in Deutschland ist es von der Medienlandschaft schwer, da wird einfach blockiert“, so H., der sich über die Situation der FPÖ in Österreich freut.

„Hier in Österreich ist es wirklich noch anders. Ich kann’s wirklich beurteilen, da ich sehr viele Freunde bei der FPÖ habe. In Deutschland würde die Polizei nicht so mitspielen“, sagte H. und ergänzt: „Bei uns in Deutschland ist es mit allem, was national ist, schwer. Da wäre es mit dem Ball ganz anders.“

pro NRW: Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2010
Der Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2010 beobachtete, dass ‚pro Köln‘ und ‚pro NRW‘ mit ihren Aussagen und Forderungen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, insbesondere die Menschenwürde und das Diskriminierungsverbot missachten.

[…] Im Fokus stehen fast ausschließlich die Themen „Ausländer/Migranten“, verbunden mit einer drastischen Wortwahl. So wird den Bürgern ein negatives Menschenbild über diese Personengruppen vermittelt, das ausschließlich an deren Nationalität, Religions-, Staats- oder Volkszugehörigkeit anknüpft. Eine differenzierte Betrachtung, die andere Aspekte einbezieht, wird fast vollständig ausgeblendet. Bestimmte Volks- und Religionsgruppen, insbesondere Muslime, werden als unerwünschte, nicht integrierbare Menschen zweiter Klasse dargestellt. Mit dieser Art der Darstellung schüren ‚pro Köln‘ und ‚pro NRW‘ Ablehnung und Angst in der Bevölkerung.

[…] Die vorgenannten Beispiele machen deutlich, dass in der Vergangenheit und aktuell ‚pro NRW‘ und ‚pro Köln‘ eine nicht unerhebliche Zahl von ehemaligen Rechtsextremisten als Funktionäre, Aktivisten oder Unterstützer in ihre Strukturen eingebunden haben. Näher erklärt in Kapitel 3.1.2 Bürgerbewegung pro Köln e.V. und Bürgerbewegung pro NRW ab Seite 59.

Weitere Links
Deutscher Verfassungsschutz sieht FPÖ in rechtsextremer Kooperation (derstandard.at)
Die Rückkehr der rechten Zündler (zeit.de)
Die sauberen Freunde der FPÖ: Pro NRW (stopptdierechten.at)
Auch Kevin war da (stopptdierechten.at)
Friedlicher Protest gegen Pro NRW (taz.de)

Programm

Doch weiter im Programm, das selbst klassisch, unspektakulär und traditionell abgehalten wurde: Big-Band, Streicher, John-Otti-Band und ein Keyboard-Duo. Unter den Gästen waren u.a. Kurt und Uwe Scheuch, Heinz-Christian Strache, John und Johann Gudenus, Martin Graf, Petra Steger und Christian Leyroutz. Also viele bekannte Personen aus dem FPÖ-Umfeld.

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Förderer der akademischen Jugend (Auszug aus dem Programmheft)

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Eröffnungsrede

Die Eröffnungsrede wurde von FPÖ-Klubobmann Heinz-Christian Strache gehalten und sei hier transkribiert:

Eröffnungsrede

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Sehr geehrter Festredner,
sehr geehrter Herr […]
meine sehr geehrten Damen und Herren,
sehr geehrte […],

begrüße Sie recht herzlich, heute, hier in diesen ehrenwerten Hallen der Wiener Hofburg.

Ich sage mit Stolz, dass wir heute den zweiten Wiener Akademikerball hier in diesen ehrenwerten Hallen begehen können, ist eine logische notwendige demokratische Fortsetzung der jahrzehntelangen Tradition des Wiener Korporationsringes […]. Wo wir hier jahrzehntelang als Korporierte unsere Bälle feiern konnten und dann erleben mussten, durch politische Diskreditierung und Diffamierung, auch Hetze von Andersdenkenden, diese ehrenwerten Hallen verloren zu haben.

Hätten wir damals nicht die Initiative ergriffen und den Akademikerball ins Leben gerufen, der logischerweise auch vom WKR-Ball-Ausschuss fortgesetzt worden ist, dann würden wir heute nicht mehr in diesem ehrwürdigen […]

Es ist daher, sage auch eine Pflicht, eine demokratische Pflicht unseres Lagers, der Korporierenden des nationalfreiheitlichen Lagers, dass wir uns von dem Mob auf der Straße nicht vertreiben lassen aus diesen Hallen, weil es unser demokratisches Grundrecht ist [hier zu sein].

[Applaus]

Ich freue mich daher, wenn natürlich die Stützen dieses Balles, und das sind nun einmal die Korporierenden, die Waffenstudenten, die Burschenschaften, die Corps, die Landsmannschaften, alle waffenstudentischen Waffenbrüder, die heute hier sind. Das ist die Stütze, die wesentliche Säule dieses Abends.

Aber, selbstverständlich die gesamte freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft. Ja, das sogenannte dritte Lager.

Wenn wir heute hier sind, dann stehen wir eben für die Versammlungsfreiheit. Und für die demokratischen Grundrechte. Und für unsere Meinungsfreiheit. Wenn wir erleben müssen, was heute, hier in der Wiener Innenstadt Straßenzüge zerstört werden. Geschäftslokale zerstört worden sind. Scheiben eingeschlagen worden sind. Ja sogar am Hof die Polizeistation gestürmt worden ist bzw. der Versuch gestartet wurde, die Polizeiinspektion zu stürmen.

Und, wenn es auch eine Hetzjagd auf Bürger in dieser Stadt gibt, weil sie keine Linken sind, dann ist das eine Schande für die Wiener Stadtregierung. Ich sage, da müssen wir […]

[Applaus]

Wir können mit Gut und Recht und mit Stolz behaupten, aufrechte Demokraten zu sein. Ja, wir stammen der Tradition des Freiheitskampfes 1848. Und ich sage, ja, auch in der Gegenwart sind wir aufgerufen standhaft zu sein. Das nicht uns nehmen zu lassen. Gerade auch demokratische Grundrechte auch weiter am Leben zu halten.

So sehe ich auch letztlich den Auftrag dieses Balles. Und ich danke Ihnen allen, dass sie sich hier auch heute letztlich den Mut gefasst haben zu kommen. Trotz aller dieser Widrigkeiten, die im letzten Jahr stattgefunden haben.

Sie sind damit im wesentlichen Stützen dieses Balles. Aber auch in der demokratischen freiheitlichen Gesinnung in Zukunft haben. Deshalb sage ich „Danke“ und wünsche ein rauschendes Ballfest und eröffne den Ball offiziell erst nachdem die wunderschönen Pärchen des WKR-Komitees, des Akademikerkomitees den Ball auch tänzerisch eröffnen können.

Exkurs: Auch die Onlineausgabe der Tageszeitung Österreich vom 26.01.2014 berichtete über die Ballveranstaltung und zitierte die Redner. Auf Grund des Transkripts sei hier fairerweise ein Vergleich der fünf Zitate mit den tatsächlich gesprochenen Worten angeführt:

Zitate-Vergleich
oe24.at: „Ihr seid die Stütze der Leistungsgesellschaft“.
tatsächlich: „Das ist die Stütze, die wesentliche Säule dieses Abends. Aber, selbstverständlich die gesamte freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft. Ja, das sogenannte dritte Lager.“

oe24.at: „Wir lassen uns von diesem Mob nicht unser Fest verderben.“
tatsächlich: “ […] dass wir uns von dem Mob auf der Straße nicht vertreiben lassen […]“

oe24.at: „Wir lassen uns dieses Fest nicht verbieten.“
tatsächlich: (wurde nicht gesagt)

oe24.at: „Wir sind das Fest der Demokratie“
tatsächlich: (wurde nicht gesagt)
vergleichbar mit: „[…] für mich sind unserer Korporationen, denen sie und ich angehören, mitunter die Wiege zur Demokratie und zur Verfassung. […]“

oe24.at: „Es kann nicht sein, dass jeder der nicht links ist angegriffen wird.“
tatsächlich: „Und, wenn es auch eine Hetzjagd auf Bürger in dieser Stadt gibt, weil sie keine Linken sind, […]“
Quelle der oe24.at-Zitate: österreich.at

Ehrenschutz Faßmann: „Ich distanziere mich ganz klar von diesem Ball“

Im Programmheft ist ein 25köpfiges Akademisches Ehrenkomitee angeführt, das sich aus Korportierten, (ehem.) Uni-Professoren und FPÖ-Politikern zusammensetzt. Angeführt wird das Komitee von Univ.-Prof. Heinz Faßmann, Vizerektor der Universität Wien. Dieser Umstand hat auf Twitter zu heftigen Diskussionen geführt.

“Ich habe weder etwas unterschrieben noch eingewilligt”, reagierte Dr. Faßmann auf eine Anfrage von neuwal.com, ob er wisse, dass er im Programmheft angeführt sei. “Ich distanziere mich ganz klar von diesem Ball. Auch mit Rechtsanwalt, um zu sehen, wie eine mögliche Unterschrift zu Stande gekommen ist.”

Laut dem Veranstalter Udo Guggenbichler, “liege eine Einverständniserklärung mit Unterschrift vom 3. Dez. 2013 aus dem Büro des Rektorats der Universität Wien vor.”

Nina Horazek veröffentlichte am Sonntag, 26.01.2014 auf Twitter ein Dokument, in dem die Einverständniserklärung von Hr. Faßmann mit Unterschrift vorliegt:

Am 26. Jan. 2014 wurde ein Statement von Dr. Faßmann auf der Website der Uni Wien veröffentlicht:

Statement Heinz Faßmann
Heinz Faßmann: „War nie meine Intention, Mitglied im Ehrenkomitee zu sein“
Am Samstag, den 25. Jänner, wurde auf Twitter die Frage aufgeworfen, ob Heinz Faßmann Mitglied im Ehrenkomitee des Akademikerballs gewesen sei. Die Universität Wien recherchierte umgehend. Im Ergebnis musste festgestellt werden, dass irrtümlicher Weise eine positive Rückmeldung an das Organisationsbüro des Balls ging. „Ich bedaure, dass dieser Irrtum geschehen ist“, so Heinz Faßmann in seiner Stellungnahme. „Der Irrtum passierte auch deshalb, weil als Veranstalter des Balles ein ‚Verein für Wissenschaft, Forschung, Kultur und Menschenrechte‘ angegeben ist.“

Eine akademische Legitimation der Veranstaltung durch seine Person schloss Heinz Faßmann stets aus. Er hat umgehend seine Einverständniserklärung zurückgezogen und behält sich rechtliche Schritte vor. „Es war nie meine Intention, Mitglied des Komitees dieses Balles zu sein“, so Faßmann. Für seine Person hielt Heinz Faßmann fest: „Ich kann ausschließen, dass ich jemals wieder eine positive Rückmeldung an die Veranstalter dieses Balls geben werde.“

Statement vom 26.01.2014
Vizerektor Heinz Faßmann scheint im Ehrenkomitee des Akademikerballes auf. Die Einverständniserklärung kam von einem „Verein für Wissenschaft, Forschung, Kultur und Menschenrechte“. Faßmann fühlt sich vorsätzlich getäuscht, zieht seine Einverständniserklärung zurück und behält sich weitere rechtliche Schritte vor.
univie.ac.at

Die Unterstützung der weiteren Personen im Komitee konnte bis auf zwei Personen, deren Antwort noch aussteht, verifiziert und bestätigt werden.

Burschenherrlichkeit

Beendet wurde die Ballveranstaltung um 5 Uhr früh mit der Burschenherrlichkeit. Darin wird das ‚Studentenleben der Zeit rückblickend aus der Sicht eines bereits Berufstätigen beschrieben wird, der wehmütig an seine Jugendjahre zurückdenkt und wird heute nur noch von den Studentenverbindungen gepflegt‘ (Quelle: wikipedia.org). Getanzt wurde im großen Kreisen, während Hände gehalten und miteinander verschränkt wurde. Ein traditionelles Ritual.

Fazit

Fair gesagt: der Ball in der Hofburg verlief ruhig und wurde von den Besuchern zum Austausch und Netzwerken genutzt. Es waren wenige Besucher, die Räumlichkeiten waren sehr leer – ein harter Kern blieb bis in die frühen Morgenstunden und der Geist, der durch die „ehrwürdigen Hallen“ zog, war teilweise sehr eindeutig.

Diese Kombination aus Korporationen mit Politik, die sich unter dem Deckmantel des Akademikerballs findet, beobachte ich sehr bedenklich. Die Frage ist, ob eine österreichische Partei – welche auch immer – sich auf das Spiel mit Korporationen, auch wenn viele davon nicht im rechten Bereich zu finden sind, so eng einlässt und mit einem eigenen Ball personell und finanziell unterstützt. Vor allem, wenn diese Veranstaltung Gäste aus dem extremen rechten Lager – am Beispiel pro NRW – anzieht.

Eine Einschätzung des österreichischen Verfassungsschutzes wäre dabei sehr interessant, der den Rahmen dabei neu definieren kann. Dann lässt sich auch über die Räumlichkeiten der Hofburg diskutieren.

Anmerkung: Der verbotene Ort
(Anmerkung 17:43) Als Reaktion auf diesen Artikel wurde ich heute öfter angesprochen: „Ich hätte mich das nicht getraut. Wie kommt man dort hinein?“. Gute und eine entscheidende Frage: Die Aufwertung des Ortes und der Veranstaltung sowie die Inszinierung eines „verbotenen Ortes“ (Hofburg) und einer „elitären Ballveranstaltung“ – bei der die Gesellschaft mitgemacht hat – ist die eigentliche Herausforderung. Grenzen wurden bewusst gezogen und physische sowie psychische Abgrenzungen einerseits durch Absperrungen am Ort sowie mit Sprache und Bild (in der Kommunikation) gezogen. Letztlich konnte ein (kleiner) Teil am magischen Ort der Hofburg ihre Veranstaltung in Ruhe feiern, andere Teile hielt der Provokation nicht stand. Die Abgrenzung funktionierte, der Eiserne Vorhang wirkte.

Es wurden Barrieren und Illusionen gesetzt. Das Konzept ging auf und für viele wurde es unvorstellbar, auch nur daran zu denken, den Ball „offiziell“ zu besuchen. Der Ort wurde zum „Geheimnis“, zum Magischen stilisiert. Erschreckend dabei ist, dass es sich um einen offiziellen Ball einer Partei handelt, die vom Volk gewählt wurde und mit 40 Mandaten im Nationalrat sitzt, der diese Stimmung ausstrahlt. Bedenklich, dass es soweit kommt, dass ein Ball einer gewählten politischen Partei, „undercover“ besucht wird (siehe Spiegel, ÖSTERREICH oder wir) und die Vorstellung, dass man dort hingehen kann (es sind doch ganz normale Menschen, keine Monster) ganz weit nach hinten gerückt ist.

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