Gestern Abend (Freitag) fand in der Wiener Hofburg der Akademikerball (vormals WKR-Ball) statt. Neuwal berichtete mit Fotos, Meldungen, einem Live-Ticker  und sammelte Inhalte anderer, Medien.

 

Demo der „Offensive gegen Rechts“

Am Abend starteten parallel 2 Demonstrationszüge. Die Demonstration des NOWKR Bündnisses traf sich beim Bahnhof Wien Mitte. Die von der Offensive gegen Rechts organisierte Demonstration sammelte sich vor der Universität Wien. Von dort ging es über den Ring und die Wipplingerstraße zum Graben und schließlich auf den Stephansplatz wo sie sich nach kurzen Redebeiträgen offiziell auflöste. Nach Polizeiangaben nahmen an den Demonstrationen insgesamt 6000 Menschen teil.

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Blockadeaktionen rund um die Sperrzone

Sofort nach der Auflösung der Demonstration am Stephansplatz verteilten sich mehrere größere Gruppen zu Blockadeversuchen rund um die Sperrzone. In der Bellariastraße umstellten etwa 40 Aktivistinnen ein Taxi mit Ballgästen. Als ein größerer Demonstrationszug mit mehreren hundert Menschen auf das Fahrzeug zukam verlor der Fahrer die Nerven und durchbrach mit dem Auto die Blockade. Zum Glück wurde niemand verletzt. Ein Wütender Aktivist zerstörte die Heckscheibe des Taxis.
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In der Löwelstraße, hinter dem Burgtheater, fanden sich 80-100 Demonstrantinnen zu einer Sitzblockade ein. Während die Polizei versuchte, die Blockierenden abzudrängen, stieß eine Gruppe von gut 800 Aktivistinnen vom Renner Ring kommend dazu. Es folgten Zusammenstöße mit der Polizei. Eine Gruppe attackierte die hinter der Absperrung stehenden Einsatzkräfte. Eine Stange durchbrach das Schild einer Beamtin. Die Polizei reagierte mit Pfefferspray.

Etwas später kam es zu weiteren Zusammenstößen am Renner Ring bei der U-Bahn Station Volkstheater. Im Zuge der Einkesselung von einigen hundert Demonstrierenden wurde immer wieder Pfefferspray eingesetzt. Personen, die versuchten über die U-Bahn Abgänge zu entkommen, wurden von Polizisten aufgehalten. Eine Junge Frau versuchte über das Dach der Straßenbahnhaltestelle zu flüchten. Ebenfalls ohne Erfolg.

Immer wieder versuchten Aktivistinnen die Zweierlinie beim Volkstheater zu blockieren. Auch hier kam es zu Turbulenten Szenen. Für Verwirrung sorgten in diesem Bereich eine größere Zahl von Jugendlichen in Ballgarderobe und eine Stretch-Limousine. Es sprach sich aber schnell herum, dass es sich dabei um die Besucherinnen eines Schulballes handelte.

 

Mehrstündige Abriegelung der Akademie der Bildenden Künste durch die Polizei:

Am späteren Abend kam es zu einer massiven Polizeiaktion vor und in der Akademie der bildenden Künste in Wen. Die Polizei vermutete in der Akademie angeblich 4 Personen, die im Verdacht stehen für mehrere  schwere Sachbeschädigungen verantwortlich zu sein. Besagte Personen seien nach dem Einschlagen von Schaufenstern, demolieren von einem Polizeiauto und einem Angriff auf eine Polizeiwache, in die Akademie geflüchtet. Die Strategie der Polizei bestand nun darin, jede Person, die sich im Gebäude befand, einzeln zu perlustrieren.

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Eine große Zahl von Beamtinnen riegelte den Eingang zur Akademie ab Es wurde ein Spalier aus Polizisten vom Eingang bis zum gegenüber liegenden Schillerdenkmal errichtet. Es dauerte sehr lange, bis alle Menschen aus dem Gebäude gebracht wurden. Zeitgleich fand in der Akademie der bildenden Künste ein Fest im Rahmen des Tages der offenen Tür, dem „Rundgang“ statt. Das Fest wurde von der Polizei beendet. Die Gäste mussten auf die Feststellung ihrer Identität warten.

Ob die Verdächtigen gefasst werden konnten war zur Stunde hoch nicht geklärt. Niemand war es erlaubt in das Gebäude zu gehen. Die Rektorin Eva Blimlinger durfte erst nach intensivem Protest durch die Absperrung. Auch die anwesende Nationalratsabgeordnete der Grünen, Sigrid Maurer, durfte nach längerer Diskussion in die Akademie.

Gegen 1 Uhr Nachts war die Akademie vollständig geräumt und die Polizei zog ab. Rektorin Blimlinger kritisierte die Abläufe des Polizeieinsatzes auf das schärfste und erwartet Konsequenzen in den Reihen der Verantwortlichen.

LINK: Polizeigewalt bei den Demonstrationen gegen rechtsextremen Ball in der Hofburg (ÖH AkBild)

Presseführung im Inneren der Sperrzone:

Zwischen 20:15 und 20 Uhr bestand für akkreditierte Pressevertreterinnen die Möglichkeit, in Begleitung der Polizei, die Sperrzone um die Hofburg zu betreten. Im Inneren gab es anreisende Burschenschafter und Polizeifahrzeuge zu fotografieren. Von draußen gut zu hören eine unheimliche Geräuschkulisse aus Sprechchören, explodierenden Böllern und Sirenengeheul.

Eine neuwal Fotostrecke:

Livestream und Live-Ticker:

Die Kolleginnen von WienTV.org bieten einen Livestream von den Demonstrationen und Aktionen gegen den Burschenschafterball. Die Webseite „Revolution News“ liefert zwei Live-Ticker in Englischer und Deutscher Sprache. Die „Rosa Antifa Wien“ bietet auch einen Live-Ticker.

Radio:

Radio orange 94,0 sendet den ganzen Abend Informationen zu den Protesten gegen den Ball. Der Livestream befindet sich hier:

Video:

 Aktuelle Videos: (ab ca. 17 Uhr: laufend kurze Videosequenzen)

Artikel auf neuwal zum Thema:

#NOWKR auf twitter.com

 

Medienberichte im Vorfeld:
Polizeistadt Wien (fm4.orf.at)
Akademikerball: Kundgebung wegen Platzverbots abgesagt (derStandard.at)
Akademikerball: Demo abgesagt (Wien.orf.at)
Akademikerball: Scharfe Kritik an Polizei (kurier.at)
Streit um rechten Akademikerball: Mit Schmiss auf die Tanzfläche (Spiegel.de)
Ein rechter Tanz (faz.net)
Akademikerball – Demonstrationen: Alle Proteste im Überblick (vienna.at)
Akademikerball: Polizei befürchtet Eskalation (kleinezeitung.at)
Akademikerball: Wiener City wird Sperrzone (diepresse.com)
Ballnacht unter Verschluss (wienerzeitung.at)
Rechter Ball legt halb Wien lahm (fr-online.de)
Akademikerball: Scharfe Kritik wegen Hofburg-Platzverbot (Format.at)
 
neuwal Liveblog:
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Daniel Weber, geboren 1980 im weststeirischen Voitsberg, lebt seit 2001 in Wien. Der Behindertenbetreuer studiert Bildungswissenschaften und ist bei neuwal verantwortlich für das Ressort Protest-Aktion-Demonstration.
  • byron sully

    diese einschränkung demokratischer grundrechte durch die wiener polizei ist eine ungeheuerlichkeit. selbst wenn es darum geht, den besucherInnen dieses rechtsextremen events körperliche unversehrtheit zu garantieren (und dieses recht steht ihnen natürlich zu, das sage ich auch als bereits mehrmaliger – friedlicher – demonstrationsteilnehmer gegen das zur verfügung stellen der hofburg für diesen ball), ist das noch lange keine rechtfertigung für ein dutzende hektar umfassendes sperrgebiet (zwischen dem ort des balls und dem östlichsten rand der sperrzone liegen sagenhafte ca. 1,5 km!).
    noch untragbarer find ich in dem zusammenhang ein „vermummungsverbot“, das sich nicht auf teilnehmerInnen der demonstrationen beschränkt, sondern auch noch kilometerweit davon gilt.

    was heißt das im konkreten?
    – menschen, die sich heute abend in einem der innenbezirke aufhalten (inklusive 90jähriger hofratswitwen, die kurz mal mit ihrem hund gassi gehen wollen), machen sich – zumindest de iure – strafbar, wenn sie ihr gesicht vor wind und kälte schützen. genauso übrigens auch AKH-ärztInnen, wenn sie sich nach einer OP samt mundschutz vor’s AKH (9.bezirk, ergo vermummungsverbotszone) stellen. das ist PERVERS.
    – menschen, die heute in die staatsoper möchten und karten haben, müssen durch polizei-checkpoints durch (als wären wir im geteilten berlin von vor 1989).
    – menschen, die heute in die staatsoper möchten und sich erst restkarten an der abendkassa kaufen möchten, werden daran vermutlich überhaupt gehindert werden.
    – besuche der nationalbibliothek, der albertina, des filmmuseums, des völkerkunde-museums oder der schatzkammer werden ab 16:30 verunmöglicht.
    – studierende der theater-, film- und medienwissenschaft dürfen ihr institut nicht betreten.
    – vielen gastronomiebetrieben (in der sperrzone sowieso, aber auch jenen knapp außerhalb davon) werden heute (noch dazu an einem sonst stark frequentierten wochentag wie dem freitag) einnahmen entfallen.
    – so manche touristInnen werden sich bei diesem martialismus der polizei eher in kiev als in wien wähnen und das nächste mal ihren urlaub vielleicht woanders buchen.

    und dafür ist primär nicht die kleine minderheit von ein paar gewaltbereiten demonstrantInnen (von denen ich mich an dieser stelle auch klar distanzieren möchte) verantwortlich, sondern a) eine hofburg-gesellschaft, die die hofburg für rechtsextreme veranstaltungen vermietet, b) eine politik, die dem tatenlos zuschaut und c) eine polizei, die maßnahmen verfügt, die eher in eine diktatur passen.

  • Ronald Pohoryles

    Zum heutigen Betretungsverbot der Innenstadt: Der gut alte Georg Kreisler http://www.youtube.com/watch?v=evIhyiEv7Rw

  • byron sully

    ach ja, und vom untragbaren betretungsverbot der „verbotenen stadt“ für journalistInnen ganz zu schweigen – ich denke, da sollte eine klage dagegen beim EuGH ganz gute chancen haben, denn so was läßt sich wohl eindeutig als angriff auf die pressefreiheit bezeichnen. wobei anzunehmenderweise auch schon die österreichische höchste gerichtsbarkeit das (und auch zumindest das „vermummungsverbot“) für rechtsstaatswidrig erklären wird. jedoch leider erst in 1, 2 jahren, was für die situation heute und jetzt recht bedeutungslos ist… traurig, daß es in diesem land keine gerichtliche instanz gibt, die solche putin-artigen wahnsinnigkeiten der polizeiführung per schnellbeschluß gleich aufheben könnte. das sollte baldigst eingeführt werden.

  • byron sully

    (subjektive) meinung eines demonstrationsteilnehmers von heute:

    grundsätzlich seh ich bei diesen protesten drei fraktionen/bündnisse:
    das zivilgesellschaftlich-liberale „jetzt zeichen setzen“, das gemäßigt linke „offensive gegen rechts“ (OGR) und das linksextreme „no WKR“. fühl mich selber dem ersteren am nähesten, kann mit zweiterem auch durchaus einiges anfangen, verspüre hingegen eine klare distanz (bzw. abneigung) zum dritten. die beiden ersteren sind allerdings klar gewaltablehnend. und so, wie ich es ablehne, menschen, die sich friedlich im stadion ein fußballspiel anschauen (womöglich familien mit kindern), für von einer kleinen minderheit an hooligans ausgelöste gewaltexzesse verantwortlich zu machen, verwehre ich mich auch ganz entschieden dagegen, den großteil friedlicher demonstrantInnen mit dem hooliganismus von einigen „autonomen“ vom schwarzen block in einen topf zu werfen.

    ich habe mich selber an der OGR-demo vom schottentor zum stephansplatz beteiligt. bis zu meinem weggehen (und anschließendem heimfahren) vom stephansplatz gegen 18:30 war diese demo komplett friedlich und verlief ohne einen einzigen zwischenfall. daß hingegen die andere (die noWKR-)demo nicht ganz so friedlich ablaufen würde, war ja abzusehen. von leuten, die schaufensterscheiben einschlagen (abgesehen von der völligen stupidität solcher aktionen – aber wo ist bei diesem blödsinn ein zusammenhang mit dem, wogegen man da eigentlich protestiert?), kann ich mich nur distanzieren und solche „aktionen“ auf’s allerschärfste verurteilen (ich würd’s gut finden, wenn auch das OGR-bündnis so was klar verurteilt).

    es ist aber andererseits sehr wohl der polizei der vorwurf zu machen, solche gewaltakte mitprovoziert zu haben. wenn die polizei schon im vorfeld martialische maßnahmen setzt, die an das demokratieverständnis eines vladimir putin erinnern und die versammlungsfreiheit (am heldenplatz hätten bei einer „jetzt zeichen setzen“-kundgebung holocaust-überlebende sprechen sollen, aber diese 70-, 80-, 90jährigen menschen sind ja für die wiener polizei offenbar gewaltbereite linksextreme terroristInnen), die pressefreiheit, die bewegungsfreiheit (ich möchte echt nicht in der haut jener leute stecken, die heute aufführungen in staatsoper bzw. burgtheater besucht haben – „großer dank“ hiermit der wiener polizei, daß diese menschen vielleicht in zukunft angst davor haben werden, in diese kulturstätten zu gehen!) auf eine art und weise einschränken, die in der zweiten republik ihresgleichen sucht, dann ist meine meinung, daß der wiener polizeipräsident für seine stategie der totalen eskalation noch heute zurücktreten MUSS(!). denn polizistInnen üben einen für die gesellschaft enorm wichtigen beruf aus. wenn der wiener polizeipräsident der meinung ist, diese so wichtigen menschen für seine offenbar persönlichen sympathien für rechtsextreme ballveranstaltungen gefahren aussetzen zu müssen, dann hat er seine verantwortung nicht nur gegenüber den großteils friedlich demonstrierenden, sondern auch gegenüber seinen eigenen untergebenen eindeutig nicht erfüllt, dann ist er in seinem amt ganz klar fehl am platz.

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