Transkript zum Interview mit Eugen Freund (SPÖ Spitzenkandidat für die EU-Wahl 2014) und Thomas Mohr/Gundula Geiginger am Donnerstag, 17. Jan. 2014 in Guten Abend Österreich auf PULS4.


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Interview
Donnerstag, 17. Jan. 2014, 18:30 Uhr
Guten Abend Österreich/PULS4
Quelle: PULS4 Video
Bild: puls4.com (Screenshot)

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflektion bieten.

Statistik

Interviewdauer 410 Sekunden (06:50)
Mohr/Geiginger Eugen Freund Gesamt
Wörter 762 39.6 % 1.162 60.4 % 1.924
Zeichen 3.983 39.3 % 6146 60.7 % 10.129
Zeichen inkl. Leerzeichen 4.737 39.4 % 7.287 60.6 % 12.024
39 % 61 %
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Abb. 1: Tagcloud der 20 meist gesagten Wörter im Interview.

Thomas Mohr: “Heute beginnt ein neues Leben”. Das hat Eugen Freund heute Vormittag getwittert. So neu ist es gar nicht. Denn Herr Freund ist erst recht wieder in einem Fernsehstudio. Herzlich Willkommen bei uns.

Eugen Freund: Danke vielmals. Danke für die Einladung.

Thomas Mohr: Herr Freund. Manche Ihrer Ex-Journalisten-Kollegen sehen Ihren Querumstieg durchaus kritisch. Es sagt etwa Armin Wolf (Anmerkung: Der Standard, 14. Jan. 2014): „Die SPÖ holte keinen politischen Akteur, sondern eine Attraktion für die Wähler.“ Und Nina Weißensteiner kommentiert in der Kleinen Zeitung (Anmerkung: Eva Weissenberger in der Kleine Zeitung, 13. Jan. 2014): „Eugen Freund’s Gesicht zählt. Nicht sein Kopf.“ Wie geht es Ihnen in dieser Rolle.

Also, ich habe ja damit gerechnet, dass nicht alle überglücklich sein werden über diesen Schritt. Das war mir von vorn herein klar. Aber, jeder der mich kennt, weiß, dass ich nicht nur mit meinem Gesicht auftreten werde. Jeder, der mich kennt, weiß auch, dass ich sicherlich nicht deswegen ausgewählt wurde, weil ich das schönste Gesicht im ORF habe. Sondern, weil hinterm Gesicht auch etwas steckt. Nämlich, viele, viele Jahre Erfahrung. Außenpolitische Erfahrung, internationale Erfahrung, Europaerfahrung. Und, dass das glaube ich ein Asset ist, das ich gerne in die Diskussion mit einbringe.

Thomas Mohr: Zieht sich aber auch durch die Reaktionen der SPÖ-Politiker. Die Bekanntheit nämlich. Alle drei, Häupl, Schieder, Darabos, wie wir sie gesehen habe, da fällt ein Wort: Nämlich Bekanntheitsgrad. Also, ist es doch das Hauptmotiv?

Also ich bin ziemlich sicher, dass sie genau so gefragt wurden. Und, dass sie deswegen so geantwortet haben. Aber, ich bin mir nicht sicher, dass sie das als das einzige Argument gesehen haben.

Thomas Mohr: Sie glauben also, Sie wurden aus anderen Gründen geholt?

Ich glaube. Also, ich sage nocheinmal, was ich glaube. Ich glaube, dass ich nicht deshalb, weil Werner Faymann glaubt, dass ich ein glühender Sozialdemokrat bin, geholt wurde. Sondern, weil ich glaube, dass er das erkannt hat, was ich auch gemacht habe. Nämlich, dass ich ein überzeugter und überzeugender Europäer bin. Und, dass ich deswegen diese Rolle eingenommen habe.

Gundula Geiginger: Eine Frage wollte uns Kanzler Werner Faymann am Montag nicht beantworten. Nämlich die Frage, wann und wie die SPÖ auf Sie zugekommen ist. Können Sie uns das kurz schildern?

Kann ich Ihnen gerne schildern. Ich habe kurz vor Weihnachten einen Anruf bekommen. Da hat mich der Josef Ostermayer, der schon damals Minister, ja. Den ich aus dem Ortstafelkonflikt und vor allem aus der Bereinigung des Ortstafelkonflikts in Kärnten noch kenne, angerufen, und hat so eine Idee in meinem Kopf verpflanzt: „Wie wärs mit einem…, würde Sie das interessieren?“ Und ich habe gesagt, also, da muss ich jetzt nachdenken. Und hab dann viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Nämlich die ganzen Weihnachtsferien. Habe mich mit meiner Familie beraten. Wir haben ausführliche Gespräche geführt. Beide erwachsene Kinder, also erwachsene Kinder sind sie wohl schon mit 20 und 25. Haben dafür plädiert. Und meine Frau auch. Und dann habe ich am 7. Jänner (2014) mit Werner Faymann darüber gesprochen.

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Abb. 2: Tagcloud der 20 meist gesagten Wörter im Interview von Eugen Freund.

Gundula Geiginger: Das heißt aber, Sie waren noch als unabhängiger Journalist auf Sendung, zu einem Zeitpunkt, als Sie eigentlich im Herzen schon ein bisschen SPÖ-Politiker waren?

Nein. Absolut nicht. Ich war mit dem Herzen überhaupt nicht SPÖ-Politiker. Sondern, ich war. Ich habe am 30. Oktober mich mit einem sehr reputierlichen Unternehmen in Österreich getroffen. Bei dem ich die Chance gesehen habe – eine durchaus gute Chance gesehen habe – unterzukommen. Und habe da mehr Fachgespräche geführt. Und dann ist dieser Anruf gekommen…

Gundula Geiginger: Also die SPÖ war nur eine Option von vielen?

Die SPÖ war nur eine Option. Ganz richtig.

Gundula Geiginger: Trotzdem. Kann man es glaubwürdig schaffen, innerhalb von nur 16 Tagen, die vergangen sind seit dem letzten Auftritt als Journalist und heute, die Rolle so zu wechseln, dass man vom kritischen, unabhängigen Journalisten zum überzeugenden Spitzenkandidaten wird?

Naja, ich bin jetzt Spitzenkandidat. Ein paar Stunden. Überzeugend war ich glaub ich in meinem Kurzreferat vor dem Parteivorstand. Und, ob ich überzeugend sein werde, dass wird sich dann weißen. In den nächsten Wochen und Monaten, wenn es diese Wahlkampagne gibt. Ich glaube, dass man diese Rolle durchaus spielen kann. Und ich werde mein Bestes dazu geben.

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Abb. 1: Tagcloud der 20 meist gesagten Wörter im Interview von beiden Moderatoren.

Thomas Mohr: Sie werden jedenfalls von Journalisten jetzt befragt werden. Natürlich andersrum als Sie es gewohnt waren. Es sagt etwa Sonja Sagmeister auf Twitter, ihre Ex-Kollegin von der Zeit im Bild: „Warte auf das erste Interview in Brüssel: EU Korrespondet Reimund Löw befragt den langjährigen ORF Kollegen Freund„. Und schreibt dazu: „Das ist nicht ideal.“ Ist es da schwer, objektiv zu sein in so einem Interview? Gibt es da Glacé-Handschuhe oder im Gegenzug Box-Handschuhe?

Ich glaube, ganz im. Ich glaube, die werden das alles sehr professionell machen. Es ist. Ich bin nicht das erste Opfer würde ich jetzt nicht sagen. Ich bin nicht der erste, der vom Journalismus in die Politik übergeht. Ich weiß, es ist schwierig. Hier in dem Haus ist es weniger schwierig. Aber, beim ORF ist es schwierig, weil ich dort ja lange tätig war. Aber, wir sind alles Professionalisten. Ich weiß, wie ich mein Geschäft mache. Vielleicht noch nicht ganz so gut, wie es alle gerne hätten. Aber die Damen und Herren im ORF wissen auch, wie sie ihr Geschäft machen. Ich sehe das sehr gelassen.

Gundula Geiginger: Josef Broukal hat auch kommentiert diesen Schritt. Er ist ja selbst vom ORF zur SPÖ gewechselt. Und sagt: „Er – als über Sie – wird sehr rasch feststellen, dass sein Leben als Moderator das eines jungen Hundes war, in dem Vergleich zu dem, was jetzt auf ihn zukommt. Als Politiker einer Partei muss man meistens das vertreten, was die Partei vorgibt. Wird Ihnen das schwer fallen?

Naja. Erstens einmal muss ich sagen, ich hätte dieses Amt sicher nicht angenommen, wenn nicht viele meiner Ideen und Vorstellungen mit denen übereinstimmen, die die SPÖ in der Europapolitik auch hat. Ja. Sonst wäre das ja absurd, wenn ich diese Position eingenommen hätte. Das ist das eine. Und das zweite ist. Was den jungen Hund betrifft. Also, ein junger Hund bin ich ja sicher nicht mehr, wie das der Josef Broukal da vergleicht. Die Rolle, die ich jetzt habe, ist natürlich eine völlig andere. Aber, ich habe in meiner Vergangenheit bewiesen, dass ich einen sehr eigenständigen Kopf habe. Jeder der bei mir, der mich kennt aus den Sitzungen aus vielen Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnte Sitzungen im ORF, weiß ganz genau, dass ich ununterbrochen, jeden Tag, wo ich auch an Sitzungen teilgenommen habe, auch irgendeinen Einwand gegen irgendetwas gehabt habe. Auch Sachen, die mit dem ORF zu tun haben. Also, auch das weiß die SPÖ. Und daran wird sich auch nicht viel ändern. Ich mein, ich will jetzt nicht die sozialdemokratische Politik kontakarrieren. Das ist auch nicht meine Absicht. Aber, dass ich ein eigenständiger Mensch bin, darauf werden sich die Menschen einstellen müssen.

Thomas Mohr: Allerdings nicht so viel, wie ihr Vorgänger Hans Peter Martin. Der war zu eigensinnig für die SPÖ-Fraktion im Parlament.

Ja, das war. Ich mein, wir sind alles unterschiedliche Menschen und jeder hat seinen eigenen Charakter.

Thomas Mohr: Aber so weit treiben Sie es natürlich nicht. Nein.

Ich habe überhaupt keine Absicht irgendetwas zu treiben.

Thomas Mohr: Herr Freund, Danke jedenfalls für den Besuch im Studio.

Danke vielmals für die Einladung.

Gundula Geiginger: Danke schön.
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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.