Schon seit Wochen will ich einen Kommentar zum Thema „Neues Lehrerdienstrecht“ schreiben, immer habe ich es verworfen und hinausgeschoben. Warum? Weil das Thema recht komplex ist, und weil die Öffentlichkeit in Österreich scheinbar reflexartig auf jeden herfällt, der auch nur annähernd die österreichischen Lehrer verteidigt. Jetzt wurde das neue Dienstrecht allerdings beschlossen, und ich kann es mir nicht mehr verkneifen, meinen – als Lehramtsstudent im ersten Jahrgang, der vom neuen Dienstrecht unmittelbar betroffen ist – Senf dazuzugeben.

Die Angelegenheit war von vorne bis hinten so österreichisch, dass sie österreichischer nicht sein könnte. Jahrelange Verhandlungen zwischen einer Blockier-Regierung und einer Blockier-Gewerkschaft, die Expertise einer gelernten Bankerin als Unterrichtsministerin, halbherzige Änderungen und natürlich Fritz Neugebauer. Nun haben wir also unser neues Dienstrecht, ab 2019 werden Junglehrer mit den neuen Verträgen angestellt. Ob bis dahin noch protestiert wird? Man darf es bezweifeln. Es ist ja nicht so, dass durch das neue Dienstrecht von heute auf morgen alle Lehrer tot umfallen (auch wenn die Angstmacherei mancher Gewerkschafter solche Horrorszenarien voraussagen). Qualitätsverlust, wie es ihn auch bisher immer gegeben hat, wird es nun verstärkt geben. Die Grunde dafür, allen voran die eigentliche Bedeutung des Lehrerdienstrechts als Lehrersparpaket, hat Olja Alvir im „Standard“ hervorragend dargelegt. Es wird auch nichts nützen, die Änderungen und ihre Auswirkungen noch hundert Mal zu erklären: Die Öffentlichkeit will nicht verstehen, dass der Lehrerberuf nicht nur aus 20 Stunden Unterricht besteht, sondern auch aus mindestens so viel Vor- und Nachbereitung.

Gut, ich kann damit leben, dass mich Leute mit „du arbeitest eh fast nix“ anreden. Doch wo kommen wir hin, wenn das Ansehen dieses Berufes noch weiter sinkt und in ein paar Jahren auf einer Stufe mit Supermarkt-Kassapersonal steht? Wenn Lehrer das Ansehen verlieren, verliert auch die Schule ihr Ansehen, und wenn die Schule ihr Ansehen verliert, verliert sie ihre Qualität.

Auch dieses Problem kann, so wie die unzähligen anderen im österreichischen Schulsystem, nur mit einer all-umfassenden Reform gelöst werden. Kleine Pseudo-Reformen bringen rein gar nichts, sondern verschlechtern oder verkomplizieren die Lage nur. Bestes Beispiel: die Zentralmatura. Eine prinzipiell gute Idee wurde viel zu schnell und unüberlegt umgesetzt, ohne die Rahmenbedingungen anzupassen. Warum? Damit die Politik einen Erfolg – irgendeinen Erfolg – präsentieren kann. Nur blöd, wenn es sich dann um keinen Erfolg handelt.

Wir müssen also handeln, bevor es zu spät ist. Eine solche Bildungsreform, wie sie dringend notwendig ist, müsste mit symbolischen Schritten beginnen, wie zum Beispiel die Schaffung eines gemeinsamen Schul- und Hochschulministeriums mit einem kompetenten und entsprechend erfahrenen Minister an der Spitze. Diese Gelegenheit wurde ja leider wieder verpasst, doch ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Das österreichische Bildungssystem ist an sich nicht schlecht. Trotzdem: Österreich ist ein reiches, hoch entwickeltes Land. Wir haben ein hoch entwickeltes Schulsystem verdient.

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Stefan Hechl

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