Einer der größten Klassiker der liberalen politischen Philosophie ist zwar schon über einhundertfünzig Jahre alt, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

JohnStuartMillJohn Stuart Mill
(* 20. Mai 1806 in Pentonville; † 8. Mai 1873 in Avignon) war ein englischer Philosoph und Ökonom und einer der einflussreichsten liberalen Denker des 19. Jahrhunderts. Er war Anhänger des Utilitarismus, der von Jeremy Bentham, dem Lehrer und Freund seines Vaters James Mill, entwickelt wurde. Seine wirtschaftlichen Werke zählen zu den Grundlagen der klassischen Nationalökonomie, und Mill selbst gilt als Vollender des klassischen Systems und zugleich als sozialer Reformer. (Quelle: Wikipedia)

Mill gilt als einer der großen Denker des Liberalismus. Mit dem Standardwerk „Über die Freiheit“ (englischer Originaltitel: „On Liberty) hat er den Begriff der Freiheit umfangreich und eingängig beschrieben. Dabei wurde es aber nicht nur ein mitreißendes Plädoyer für die Freiheit, sondern auch ein Ausloten der Grenzen der Freiheit. Und selbst über 150 Jahre nach dem Ersterscheinen seines Werkes beeindrucken seine Worte und lassen einen die gesellschaftspolitische Grundidee des Liberalismus besser verstehen.

Die Macht ist an und für sich unrechtmäßig. Die beste Regierung hat ebenso wenig Anspruch daruf wie die schlimmste. Sie ist genauso schädlich oder noch schädlicher, wenn man sie in Übereinstimmung mit der öffentlichen Meinung ausübt, als wenn sie in Widerspruch zu ihr steht.

Gerade in der heutigen Zeit, in welcher der Einfluss der Macht in unzählige Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens eingreift bzw. eingreifen möchte, erscheint dieses Zitat wichtig: Das blinde Folgen der Mächtigen nach dem Zuruf durch die öffentliche Meinung, das populistische Agieren der Mächtigen ist, so Mill, ja beinahe schlimmer oder zumindest genauso schlimm wie die Ausübung der Macht, ohne auf die Wünsche des Volk einzugehen. Denn (passend dazu auch das zweite Zitat) jene, die eine öffentliche Meinung bilden können, die Opinion Leader, gehören nie einer Minderheit an, und im Populismus, dem die Mächtigen folgen, wird somit nur zu gern von einer Mehrheit über eine Minderheit entschieden. Deshalb herrsche auch nicht das Volk in einer Demokratie – doch trotzdem sieht er es als einzige gerechte Regierungsform an.

Das Volk, welches die Macht ausübt, ist nicht immer dasselbe Volk wie das, über welches sie ausgeübt wird, und die „Selbstregierung“, von der geredet wird, ist nicht die Regierung des Einzelnen über sich selbst, sondern jedes Einzelnen über alle Übrigen. Überdies bedeutet der Wille des Volkes praktisch den Willen der zahlreichsten oder des aktivsten seiner Teile, nämlich der Mehrheit oder derjenigen, denen es gelingt, sich als die Mehrheit anerkennen zu lassen.

Für Mills ist es von oberster Priorität, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben soll, seine Persönlichkeit frei zu entfalten und eine selbstbestimmte Lebensführung zu haben, vollkommen frei von politisch-gesellschaftlichen Zwängen. Und in Bezug auf Lebensführung müsse alles erlaubt sein, was Interessen anderer nicht verletze. Zusätzlich nennt er auch noch das Recht auf Vereinigungsfreiheit, und dies eben nicht nur beim bürgerlichen Mittelstand, sondern auch für die Arbeiterschaft. Der Staat, die Gesellschaft oder auch jene, die Macht haben, dürfen in die individuelle Lebensführung eingreifen und die Freiheiten seiner Mitglieder einschränken, jedoch nur zum Zweck des Selbstschutzes oder dem Schutz anderer Mitglieder. Das nennt John Stuart Mill in seinem Buch das sogenannte „Schadensprinzip“

Der Geist des Fortschritts ist nicht immer der Geist der Freiheit, denn er kann darauf hinzielen, einem Volke Fortschritt gegen seinen Willen aufzuzwingen.

Mills Meinungsfreiheit erklärt, dass man jeder Minderheit Gehör schenken muss, dass man, obwohl man überzeugt ist, dass die Meinung der Opposition falsch ist, man sie doch erhören muss, weil sich dabei auch die eigene, die bestehende Meinung festigt. Somit können „falsche“ Ansichten nützlich für die Gesellschaft. Und beinhalten beide Meinungen gewisse Wahrheiten, können sie dazu genutzt werden, sich gegenseitig zu korrigieren.

John Stuart Mills „Über die Freiheit“ ist ein spannendes Werk. Um den Liberalismus, wie er erdacht wurde, wirklich zu verstehen, ist die Lektüre dieses Werkes unumgänglich. Gerade in Anbetracht der heutigen Zeit sind viele Worte Mills von großer Brisanz. Für jeden Interessierten an politischer Philosophie und Ideologienlehre sei dieser Klassiker ans Herz gelegt.

978-3-15-003491-0 (415x640)John Stuart Mill
Über die Freiheit
Reclam Verlag
Seiten 188
ISBN: 987-3-15-003491-0
Preis: [amazon_link id=“3150034914″ target=“_blank“ ]5,20 Euro (Taschenbuch)[/amazon_link], [amazon_link id=“B004UJ8LVM“ target=“_blank“ ]Kindle-Edition (auf Englisch): 0,00 Euro[/amazon_link] (Partnerlinks)

Die Bibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bietet das Buch in einer älteren Übersetzung kostenlos als Download an.

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