Nach unserem „Was ist Liberalismus“ gehen wir einen Schritt weiter und fragen nach: Was steckt hinter dem Schreckgespenst Neoliberalismus? Welche Strömungen gibt es? Warum wird er so kritisiert, was ist daran dran? neuwal klärt auf.

Beginnen wir am Anfang: Was ist der Unterschied zwischen Neoliberalismus und Liberalismus?

Wie bereits im „Was ist Liberalismus?„-Beitrag erklärt, war ein Plan der „neoliberalen Vertreter“ der 1930er und -40er Jahre, statt des gewohnten Laissez-faire-Liberalismus, der den Markt nur so spuken ließ und viele Opfer forderte, einen stärkeren Staat zu fordern. Die Aufgabe des Staates sollte es sein, den Markt in der Form zu regulieren, dass es zu keinen Monopolen kommen kann. Ab den 1970er Jahren setzt sich aber eine andere Vorstellung von Neoliberalismus durch, sozusagen eine andere Schule. Das was man heutzutage oft unter Neoliberalismus versteht, will den Einfluss des Staates weiter und stärker zurückdrängen.

Was sind die Kernelemente des Neoliberalismus?

Wenn wir uns dem Begriff des Neoliberalismus annähern wollen, muss man gleich zu Beginn festhalten, dass es keine einheitliche neoliberale Theorie gibt, sondern verschiedene Stränge bzw. Denkschulen. So sprechen viele Autoren auch von Neoliberalismen.

Richtig ist, dass der Neoliberalismus sich in seinen Anfängen bewusst gegen den “Laissez-faire”-Liberalismus gestellt hat und sich zunächst für einen stärkeren Staat eingesetzt hat. Wie wir später sehen werden, geht dies vor allem auf die Freiburger Schule zurück. Sie wollte einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus gehen, wie im Beitrag zum Liberalismus schon angesprochen wurde. Man hatte erkannt, dass der Markt sich nicht alleine reguliert und Monopole zulässt, denen man entgegen treten muss. Gerade bei der Frage nach staatlichen Aufgaben und der sozialen Absicherung unterscheiden sich die neoliberalen Ansätze aber teils auch sehr stark.

Und welche Strömungen gibt es?

Grob vereinfacht kann man drei Denkschulen unterscheiden, die hier kurz skizziert werden sollen und vielleicht auch zur weiteren Recherche anregen sollen:

Freiburger Schule: Hier ist der Ordoliberalismus anzusiedeln. Er räumt dem Staat eine relativ bedeutende, regulierende Rolle ein. Auch unser System der sozialen Marktwirtschaft baut auf diesen Überlegungen auf. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Walter Eucken und Alexander Rüstow. Sie wollen im neuen Liberalismus dem Staat eine andere Rolle zuweisen. Sie verstehen ihn nunmehr als „zentrales Instrument zur Durchsetzung marktwirtschaftlicher Prinzipien“ 1. Der Staat gibt den Rahmen vor und „stellt die freie wirtschaftliche Betätigung von Unternehmen und Haushalten sicher und soll die Entstehung von Marktmacht (z.B. durch Kartell- oder Monopolbildung) verhindern. Die staatliche Wirtschaftspolitik als Ordnungspolitik ist deshalb darauf ausgerichtet, die marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu sichern und gleichzeitig die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu verbessern.“ 2

Chicagoer Schule: Etwas anders sieht dies die Chicagoer Schule. Sie will nur minimale Einmischung durch den Staat und der Markt soll vorwiegend die Gesellschaft regulieren und formen. Der bekannteste Vertreter dieser Schule ist Milton Friedman. Was er von staatlicher Einmischung hielt, wird in folgendem Zitat deutlich: „I think the government solution to a problem is usually as bad as the problem and very often makes the problem worse.“ Auf Friedman geht auch die zum Keynesianismus in Widerspruch stehende Lehre des Monetarismus zurück. Die Monetaristen sehen die Grundlage für eine andauernde Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft in „der Selbstregelungskraft des Marktes über Angebot und Nachfrage und in der an der volkswirtschaftlichen Produktion orientierten Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank“ 3. In seinem Hauptwerk „Capitalism and Freedom“ erklärt Friedman, dass der Kapitalismus das beste Wirtschaftssystem darstellt und es die beste Möglichkeit zur individuellen Selbstverwirklichung bietet. „Er plädiert für die Abschaffung geregelter Mindestlöhne, Streichung von Subventionen (bspw. im Agrar- und Wohnungssektor), Liberalisierung des Berufszugangs (auch für Ärzte), Privatisierung der Sozialversicherung, Aufhebung von Importrestriktionen etc.“ 4. Die Chicago Boys rund um Friedman erlangten auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil sie ihr Modell als Berater der chilenischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren weitestgehend umsetzen konnten.

Österreichische Schule: Daneben gibt es noch die Österreichische Schule, die vor allem von Friedrich von Hayek geprägt wurde. Tritt er anfangs noch „für eine rationale Organisation des Wirtschaftslebens ein, so gelangt er sukzessive zur Überzeugung, dass es anmaßend wäre, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen intentional gestalten zu wollen.(…) In seinen Augen entstehen Wirtschaftsordnungen selbst evolutionär und dürfen daher nicht bewusst herbeigeführt werden.“ 5

Herbert Schui, ein Professor der Volkswirtschaftslehre, hat sich in einem Interview zu den Kernelementen des Neoliberalismus nach Hayek geäußert. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass Schui politisch bei der Partei „Die Linke“ tätig ist und somit nicht gerade dem neoliberalen Flügel angehört. Dennoch:

Wie konnte sich der Neoliberalismus durchsetzen?

Das Ende des Liberalismus: Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet auch das Konzept des „alten“ Liberalismus, das auf entfesselte Märkte setzte, in eine schwere Krise. Die Selbstheilungskräfte des Markts hatten versagt und eine neue Wirtschaftstheorie trat auf den Plan. Schritt für Schritt setzte sich der Keynesianismus durch, wo der Staat unter gewissen Bedingungen in die Wirtschaft eingreifen kann. Manche liberale Ökonomen erkannten aber nicht im Markt selbst die Probleme, sondern machten Politik- und Staatsversagen dafür verantwortlich. Sie begannen schon in den 1930er Jahren an einem Neo-Liberalismus zu arbeiten. Das „Colloque Walter Lippmann“, ein Treffen 26 liberaler Sozialwissenschaftler, aus dem Jahre 1938 war sozusagen die Geburtsstunde des Neoliberalismus.

Die Gründung der „Mont Pèlerin Society“ 1947: Mit dem Zusammenschluss zur „Mont Pèlerin Society“ 1947 unter der Führung eines gewissen Friedrich von Hayek war ein wichtiger Grundstein für den späteren Aufstieg des Neoliberalismus gelegt. Auch wenn man bis in die 1970er Jahre noch eher ein Schattendasein fristete, begann man sich zu dieser Zeit zu institutionalisieren und organisierte sich in Denkfabriken. Man forderte

„eine radikale Neuordnung von Ökonomie und Politik, eine von staatlichen und gewerkschaftlichen Eingriffen „befreite“ Ökonomie. Neoliberalismus umfasst ein System ideologischer Intentionen und gesellschaftlicher Praktiken, das Waren- und Finanzmärkte von (national)staatlichen Fesseln befreien, Regulationsspielräume staatlicher Politik aber einengen möchte. Der Zusammenschluss in der „Mont Pèlerin Society“ zielte darauf, den Markt zu vermarkten, das marktradikale Credo in die Köpfe gewichtiger gesellschaftlicher Eliten einzuschreiben, also jene Männer zu bekehren, die die privatwirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Arkana der Macht kontrollieren.“ 6

Der Aufstieg des Neoliberalismus in den 1970er bzw. 1980er Jahren: Trotzdem sie am Anfang kaum wahrgenommen wurden, blieben die Anhänger des Neoliberalismus hartnäckig. Als der Keynesianismus in den 70er Jahren dann krisenhafte Entwicklungen zeigte, bekamen die Ansichten der Gesellschaft auch mehr und mehr Gewicht. Plötzlich waren sie im Mainstream der Ökonomie angekommen, Hayek und Friedman wurden Mitte der 1970er Jahre gar mit Nobelpreisen bedacht. Eben jener Friedman mit seinen Chicago Boys war es auch, der unter der Militärdiktatur von Pinochet in Chile sein marktradikales Projekt in die Tat umsetzen konnte. Eine Schocktherapie sollte das am Abgrund stehende Land vor dem Absturz retten. „Bei aller Erfolgsrhetorik wirkt die Bilanz der Chicago Boys im Rückblick eher enttäuschend: Das durchschnittliche Wachstum zwischen 1973 und 1990 lag bei mageren 2,9 Prozent – nicht besser als der weltweite Durchschnitt. Damit nicht genug: Der Durchschnittslohn sank während der Pinochet-Ära, und der Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze stieg dramatisch von 20 auf 44 Prozent.“ 7

Den endgültigen Durchbruch erlangte die neoliberale Ideologie dann mit der Wahl von Thatcher in Großbritannien und Reagan in den USA. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten Anfang der 1990er Jahre wurde der Neoliberalismus schließlich in den meisten westlichen Staaten hegemonial und blieb dies bis heute.

„Der Begriff Neoliberalismus – der früher eine eher akademische Wirtschafts- und Sozialtheorie bezeichnete und nur Nationalökonomen geläufig war – stand inzwischen für eine neokonservative Heilslehre. Schuld daran hatten nicht nur Politiker wie Pinochet, Thatcher oder Reagan, sondern ebenso neoliberale Theoretiker wie Hayek und Friedman. Mit ihrem langjährigen Erzfeind, dem Kommunismus, teilten sie die Überzeugung, daß es entscheidend auf den ökonomischen Unterbau der Gesellschaft ankomme. Im Unterschied zu den kommunistischen Ideologen, die den ökonomischen Unterbau durch staatliche Planung bis ins Detail rational gestalten wollten, hielten sie es aber für völlig unmöglich, den Wirtschaftsprozeß[sic!] rational beeinflussen zu können. Stattdessen mystifizierten sie das freie Spiel der Kräfte zum alleinseligmachenden Prinzip der Gesellschaft und beschränkten die Ordnungsfunktion des Staates darauf, alles mit eisernem Besen hinwegzufegen, was dieses freie Spiel gefährden könnte.“ 8

Was ist der gesellschaftspolitische Unterschied zwischen Sozialdemokratie und dem Neoliberalismus im ursprünglichen (ordo-liberalen) Sinne?

Beide sind ja bekanntlich dafür, dass der Staat für Chancengleichheit eintritt und Menschen, die finanzielle Hilfe benötigen, Unterstützung anzubieten. In einem Thesenpapier der FDP aus den 70er-Jahren wird es wie folgt erklärt: „_Der bürokratischen Staatswirtschaft setzen Liberale die Soziale Marktwirtschaft entgegen. Bürokratische Verkrustungen in Staat und Verbänden sowie die Globalisierung der Wirtschaft fordern eine Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft‘. In ähnlicher Weise wurde ein nur das Lebensminimum sichernder „Sozialstaat“ dem fürsorglichen „Wohlfahrtsstaat“ gegenübergestellt : ‚Der liberale Sozialstaat konzentriert seine Hilfe wirksam auf die wirklich Bedürftigen. Der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat verteilt an alle ein wenig.'“ 9

Ist der Neoliberalismus also wirklich ein Schreckgespenst?

Es ist zu einem Kampfwort geworden: (zumeist) linke Politiker oder politisch Interessierte des linken Parteispektrums nennen jeglichen Plan einer entfesselten Wirtschaft neoliberal und betonen, dass der Neoliberalismus an den Krisenjahren der frühen Vergangenheit Schuld hat. Doch hat, nach dem Grundverständnis von Neoliberalismus aus den 30er-Jahren, nicht der Staat versagt? Weil er doch, obwohl er zurückgedrängt wurde, wichtige Aufgaben hatte und diese offenbar nicht richtig erfüllt hat?

Gleichheit vor dem Gesetz, Privateigentum, Vertragsfreiheit, Haftung, Geldstabilität, Wettbewerb; der demokratische Rechtsstaat als Garant eines Ordnungsrahmens für die Wirtschaft, als Hüter allgemeiner Regeln gerechten Verhaltens: das ist, im Kern, „Neoliberalismus“, wie er tatsächlich einmal definiert wurde. Wer das weiß, darf mit Recht fragen: ‚Gespenst, wo ist Dein Schrecken?’ Sind wir nicht alle Neoliberale? 10

Christian Felber, Chef von Attac Österreich und somit aus tiefstem Herzen Neoliberalismuskritiker erklärt es so: „Mit dem politischen Liberalismus hat Neoliberalismus wenig am Hut, in einem entscheidenden
Aspekt können sie sogar als Gegenteile betrachtet werden. Der politische Liberalismus steht für den Vorrang politischer Freiheiten und der Grundrechte vor den reinen Wirtschaftsfreiheiten.“ 11

Das ist wahrscheinlich das größte Problem bei dieser Diskussion: dass der Neoliberalismus unterschiedlich definiert wird. Der Neoliberalismus wie er zuallererst erdacht , und in Deutschland als Ordoliberalismus bekannt wurde, unterscheidet sich sehr stark von jenem Neoliberalismus, der heute von vielen, vielen Seiten kritisiert wird. Selbst Christian Ortner, selbsternanntes Zentralorgan des Neoliberalismus, bedient sich auf seiner Website jener ursprünglichen Definition.

Colin Crouch, Autor des Buches „Postdemokratie“, hat sich auch mit dem Neoliberalismus und seinem Überleben trotz offensichtlichen Niedergangs beschäftigt. Armin Puller, Autor bei dieZukunft.at fasst es wie folgt zusammen: „Mit dem System ließ sich einige Zeit gut leben, da seine sozialen Folgen für die arbeitende Bevölkerung durch Kreditausweitung abgefedert wurden. In den 1990er Jahren bezogen sogar sozialdemokratische Regierungen den „privatisierten Keynesianismus” in ihre Strategien ein und verabschiedeten sich von den alten Losungen der Vollbeschäftigung, der sozialen Wohlfahrt und der steigenden Einkommen. Je länger die Finanzmarktprozesse aber sich selbst überlassen wurden, desto stärker entwickelte sich ein Schneeballsystem, in dem die Risiken kaum mehr überblickt werden konnten.“ 12

In einem Gespräch mit Robert Misik erklärt Crouch auch, warum es Unterschiede zwischen Theorie und Umsetzung gibt: „Nun, das ist so ähnlich wie beim Staatssozialismus: Da gab es die sozialistische Theorie und den „real existierenden Sozialismus“. In diesem Sinn können wir auch vom „real existierenden Neoliberalismus“ sprechen. Und der „real existierende Neoliberalismus“ ist anders als die Theorie. Die Theorie handelt von der Freiheit der Märkte. In der Realität werden die Märkte von kleinen Gruppen gigantischer Firmen dominiert. Wir sind in der Realität weit von den perfekten Märkten der Theorie entfernt. Nicht nur der Staat, auch die Märkte sind Opfer dieses Systems.“ 13

Somit kann man damit abschließen: Ja, der sich selbst regulierende, neoliberale Markt hat nicht funktioniert, hat uns – auch mit Versagen der Politik, aber eben nicht nur – in diese Krise geführt. Die regierenden Parteien, ob konservative, sozialdemokratische oder liberale haben Teile des Neoliberalismus übernommen – eben auch in Österreich, als sowohl SPÖ und ÖVP als auch ÖVP und FPÖ für große Privatisierungswellen und z.T auch den Abbau des Wohlfahrtsstaates gesorgt haben.

Man kann über Wirtschaftsliberalität denken – der Neoliberalismus, wie er in den 70er bzw. 80er Jahren erdacht und in weiterer Folge umgesetzt wurde, hat nicht funktioniert.

Noch Fragen?

Am Besten einfach hier als Kommentar posten. Wir versuchen dann, die Fragen zu beantworten und werden den Artikel gegebenenfalls erweitern und updaten.

Hinweis

Die hier gesammelten Informationen sollen einen geschichtlichen Überblick über das Thema Neoliberalismus bieten und auch etwas Einblick in die heutige ideologische Realität des Neoliberalismus bieten. Die Angaben sind jedoch ohne Gewähr. Wir haben unzählige Quellen studiert um die aufgetauchten Fragen zu beantworten. Bitte beachte, dass dies keine Doktorarbeit über Liberalismus sein will, sondern einen raschen, umfangreichen und fundierten Überblick bieten möchte. Sollten sich jedoch Unstimmigkeiten oder Fehler eingeschlichen haben, freuen wir uns über einen Kommentar – der Artikel wird dann natürlich auf Basis des neuen Wissens erweitert und abgeändert.

Status

Version 1.0 – Mittwoch, 20. November, 9.00 Uhr

Bildquellen: Public Domain / WikiCommons

  1. Attribution Some rights reserved by eviltomthai

[divider] [/divider]

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsbeitrag von Wolfgang Marks, Dominik Leitner und Dieter Zirnig. Die Kernelemente, Strömungen und die Geschichte, wie sich der Neoliberalismus durchsetzen konnte, stammen von Wolfgang, die anfängliche Unterscheidung zum Liberalismus, der Vergleich zur Sozialdemokratie und die Schreckgespenstfrage stammt von Dominik.

Quellen und Fußnoten:

  1. Butterwege, Christoph u.a. (2008): Neoliberalismus: Analysen und Alternativen. Wiesbaden: 74
  2. Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag (2013): Ordoliberalismus, 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
  3. Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag (2013): Monetarismus, 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung
  4. Novy, Andreas (o.J.): Milton Friedman, lateinamerika-studien.at, Abrufdatum: 18.11.2013
  5. Novy, Andreas (o.J.): Friedrich August Hayek, lateinamerika-studien.at, Abrufdatum: 18.11.2013 16 Der Staat müsse daher zurückgedrängt werden. Auch soziale Gerechtigkeit ist für Hayek kein wirtschaftpolitisches Ziel. Vielmehr ist der Glaube an soziale Gerechtigkeit für ihn „wahrscheinlich die schwerste Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Zivilisation“. 17 Hayek, Friedrich von (1981): Recht, Gesetzgebung und Freiheit, Bd. 2, Landsberg am Lech: 98
  6. Eva Kreisky in „Ver- und Neuformungen des politischen und kulturellen Systems. Zur maskulinen Ethik des Neoliberalismus“
  7. Volkery, Carsten (2003): 30 Jahre Pinochet: Das Märchen von den Chicago Boys, Spiegel.de, Abrufdatum: 18.11.2013
  8. Leuschner, Udo (o.J.): Vom Ordo- zum Neoliberalismus, udo-leuschner.de, Abrufdatum: 19.11.2013
  9. Leuschner, Udo (o.J.): Vom Ordo- zum Neoliberalismus, udo-leuschner.de, Abrufdatum: 19.11.2013
  10. Wohlgemuth, Michael (2007): Das Gespenst des Neoliberalismus, wirtschaftlichefreiheit.de, Abrufdatum: 19.11.2013
  11. Felber, Christian (o.J.): Crashkurs Neoliberalismus, christian-felber.at, Abrufdatum: 19.11.2013
  12. Puller, Armin (2012): Untoter Neoliberalismus, diezukunft.at, Abrufdatum: 19.11.2013
  13. Misik, Robert (2011): Warum ist er nicht mausetot, der Neoliberalismus, Herr Crouch?, misik.at, Abrufdatum: 19.11.2013
The following two tabs change content below.
Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.
  • für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über idealistische ideengeschichtliche Betrachtungsweisen hinaus, empfehle ich Loïc Wacquant und dessen Studien sowie Systematisierungen (in progress). Daran hängt ein ganzer Diskurs mit Proponent_innen der governmentality studies, die sich auch der Analyse dessen widmen, was Neoliberalismus tatsächlich – positivistisch – ausmacht.

    Ideal für den Einstieg, denke ich, „Three steps to a historical anthropology of actually existing neoliberalism„.

  • Michael

    Das Problem ist, dass die Reformen, die manchmal als „neoliberal“ bezeichnet werden ab den 70ern und dann natürlich auch in den 90ern absolut notwendig waren. Notwendig deswegen, weil die Richtung, in der sich das System bewegte nicht haltbar war.

    So fanden die Privatisierungen der 80er Jahre in Österreich ja nicht deswegen statt, weil der neoliberale Geist über die Politiker gekommen ist, sondern weil die politische Einmischung in die Firmen (VÖST) die Unternehmen in den Ruin getrieben hat. Auch die Änderungen am Wohlfahrtsstaat waren notwendig (geänderte Demographie usw.). Wenn man sich die Zahlen der Sozialleistungen in Prozent des BIP ansieht, dann sieht man auch, dass es überhaupt gar keinen Abbau des Wohlfahrtsstaates gegeben hat, sondern dass es viel mehr jetzt ein langsameres Wachstum gibt.

    Ich finde, dass die ganze Theorie, dass es irgendwann in den letzten Jahrzehnten eine bewusste ideologische Hinwendung der Politiker zum Neoliberalismus gegeben haben soll nicht haltbar. Die Änderungen in der Wirtschaftspolitik sind viel weniger ideologisch geprägt, sondern einfach Resultate aus den bestehenden Sachzwängen. Auch eine Abkehr vom Keynesianismus sehe ich überhaupt nicht: azyklische Konjunkturpolitik, das aufsetzen von Konjunkturprogrammen und Infrastrukturprogrammen während Rezessionen gehört zur Politik der letzten Jahrzehnte.

    (zu Sozialausgaben siehe z.B. http://www.oecd-ilibrary.org/docserver/download/3010065ec075.pdf )

  • byron sully

    ein wesentliches problem seh ich schon im vokabel an sich. und ich muß gestehen: ja, auch ich verwende den begriff „neoliberalismus“ (eher aus anpassung und faulheit heraus), halte ihn jedoch für nicht zutreffend. die wirtschaftspolitik von reagan, thatcher & co. hat für mich mit liberalismus wenig zu tun. eher mit sozialdarwinismus und unterdrückung der schwächeren. wer liberal ist, müßte als der macht kritischer mensch eigentlich gegen diese (mittlerweile) diktatur des großkapitals aufstehen. ein angeblicher „liberalismus“, der den zweck hat, daß sich eine kleine elite auf kosten der allgemeinheit bereichert, ist für mich nun wirklich kein liberalismus.

    zum kommentar von michael allerdings noch: diese angebliche „notwendigkeit“ ist eine rein subjektive sichtweise. auch als gegner jener politik, die als „neoliberalismus“ bezeichnet wird, finde ich einige der in den letzten 30 jahren erfolgten privatisierungen tendenziell gut und richtig (ja, eben VOEST z.b.), andere hingegen falsch und schädlich. aber objektiv NOTWENDIG war keine einzige davon. bestenfalls aus einer subjektiven sicht heraus richtig. so wie es mich allgemein wahnsinnig ärgert, daß der „neoliberalismus“ mit ideologisch erfundenen angeblichen „notwendigkeiten“ argumentiert – als ob diese auf naturgesetzen basieren würden. es ist alles eine frage der ideologie und der subjektiven sichtweise. die diversen politbüros und ZK’s im ehemaligen ostblock haben in ihrem planwirtschaftswahn auch so manches als „notwendig“ erachtet, was ich als absurd und kontraproduktiv empfinde. die angeblichen „notwendigkeiten“ des „neoliberalismus“ wirken da auf mich sehr ähnlich. aber da sieht man, daß diese ideologie überhaupt keine sachlichen argumente hat (im sinn: sie wäre sinnvoll, ethisch richtig, würde der bevölkerung etwas bringen etc.). nein, argumentiert wird nur mehr mit notwendigkeiten („wir müssen mit china mithalten“, „es würden ja sonst die konzerne auswandern“, „es würden die reichen ihr geld woanders anlegen“ etc.) – DAS sind die EINZIGEN argumente, mit denen der „neoliberalismus“ operiert. als sinnvoll oder moralisch richtig sieht er sich also auch selber nicht. sonst würden zumindest hin und wieder auch solche argumente kommen. nur kommen sie halt nicht, weil es auch keine solchen gibt. zumindest keine, die auch nur irgendwie sinnvoll wären.

  • Michael

    @byron sully: Durch die sich verändernden Rahmenbedingungen ergeben sich aber gewisse Notwendigkeiten, wie z.B. die Erhöhung des Pensionsantrittsalter, Änderungen am Gesundheitssystem wegen neuer teurer Behandlungsmöglichkeiten, usw..

    Obwohl es offensichtlich ist, dass gewisse Änderungen notwendig sind, werden diese Änderungen von manchen Leuten auf eine imaginäre Ideologie – den Neoliberalismus – geschoben, die angeblich die Politiker befallen hätte.

    Gerade wenn hier z.B. Hayek erwähnt wird, dann kann ich darüber eigentlich nur den Kopf schütteln. Die heutige Politik vom ständigen Schuldenmachen, dem Ausbau aller möglichen Bereiche des Sozialstaats wie Mittelschule, Kindergartenplätze, Pflegegeld usw., die Konjunkturprogramme, die z.T. sinnlosen Infrastrukturprojekte (Koralmtunnel), die staatlichen Programme zur Bekämpfung vom Klimawandel, und, und, und sind nicht nur meilenweit von Hayek entfernt, sie sind sogar in gewisser Weise das genaue Gegenteil von seinen Ideen.

    Die kleinen Korrekturen hin und wieder, sind keine neoliberale Ideologie, sondern absolut notwendig, um unser System halbwegs finanzierbar zu halten. Und die Zahlen von Sozial- und Staatsquote beweisen eindeutig, dass es so etwas wie einen Sozialabbau oder einen Rückzug des Staats nie gegeben hat.

  • arakari.blogspot.de

    Hallo!
    Ich suche noch Partner für meinen Blog. Ihr könnt ja einfach mal reinschauen:

    http://arakari.blogspot.de/

    Danke

  • eine wirkliche auseinandersetzung ist dieser artikel wohl nicht. alleine die zitate zeigen, dass eine selektion besteht! es ist sehr schwer, vertreter kollektivierendes gedanengut zum neoliberalismus zu befragen. um so mehr, als die freiheiten, die kollektivierende ideen jemals hervorgebracht haben eben kollektive und nicht individuelle freiheiten sind. und wenn felber, dessen begrenzte philosophische kompetenz ich hier gerne unterstelle, von freiheit fabuliert, ist ein blick in seine ideen lehrreich, die schnell zeigen, wie unfrei dor der einzelen wird – um des gemeinwohl willens. aber nicht nur die zitierten sind hochgradig selektiert, die mehrheit der quellen vertreten kollektivierenden ideen. jedenfalls ist das nur propaganda, nicht einmal gute – und keinesfalls der versuch, sich mit liberalismus auseinanderzusetze und

  • @Ernest Pichlbauer – Danke für diese Kritik. Natürlich passiert eine Selektion, aber wir wollen natürlich nicht einseitig sein. Wir würden uns über Inputs freuen, über Menschen und Zitate, über Quellen und möchten dann auch gerne den Artikel anpassen. (Und: Man muss das Zitat von Felber nicht gut finden – ich finde jedoch, wenn man offen darstellt wer er ist und wofür er arbeitet (ATTAC), darf man seine Kritik nicht aussparen.)

  • Also ich persönlich finde diese darstellung sehr übersichtlich und super interessant.
    Hab gemerkt wieviel ich schon wieder vegessen habe und bin dankbar über so eine kleine auffrischung.
    Ich finde man kann in diesem Umfang auch nicht unbedingt 100%ige genauigkeit und wirklich umfangreiche erkläungen erwarten. Wer das sucht sollte sich vielleicht einfach ein paar Bücher zu dem Thema kaufen!

  • Lars Jonka

    Zum Thema: „Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet auch das Konzept des „alten“ Liberalismus, das auf entfesselte Märkte setzte, in eine schwere Krise“ Hayek hat sich größte Verdienste erworben mit der der Beleuchtung der Tatsache, dass mit dem entstehen der FED, der amerikanischen Notenbank, ein „player“ aufgetreten ist, der mit Zins-und Geldmengenpolitik, die keinerlei Marktmechanismen unterworfen war, sondern mit der Machtvollkommenheit eines Sowjetkommissars vorging, die Marktmechanismen massiv verzerrt wurden.
    Man kann in den 20er Jahren also nicht mehr von „entfesselten Märkten“ sprechen, sondern von einer „Blasenbildung“, den „Folgen einer Kreditschwemme“ deren chrash dann die Ereignisse von 1929 darstellten. (Warum dieser chrash dann zu einer langanhaltenden Depression wurde, steht im Buch „The forgotten Depression, 1921, the crash that cured itself“ von James Grant (https://mises.org/library/james-grant-explains-forgotten-depression)

  • Lars Jonka

    ad „Die Theorie handelt von der Freiheit der Märkte. In der Realität werden die Märkte von kleinen Gruppen gigantischer Firmen dominiert.“
    Es gibt nur eine Möglichkeit, dass in freien Märkten Firmen oder Gruppen von Firmen ihre dominierende Stellung behalten: Wenn sie das bessere Produkt haben.
    Es ist die Aufgabe des Staates, den freien Wettbewerb SICHERZUSTELLEN.
    IBM hat den Computermarkt in den 70ern dominiert. Die firma konnte nicht verhindern, dass Studenten in Garagen angefangen haben, andere Wege zu gehen. Der Konsument entscheidet. Der Staat muss nur sicherstellen, dass IBM keine „Jungs“ zu Bill Gates schickt, die ihm eine Knarren ins Gesicht halten und ihn zwingen, seine Entwicklungen einzustellen.