Seit dem Überraschungserfolg bei der Nationalratswahl genießen die NEOS große Aufmerksamkeit in den Medien. Schade, dass gerade Matthias Strolz diese oft mehr zur politisch medialen Inszenierung nutzt als für sachpolitische Auseinandersetzung und einer Schärfung des Profils der jungen Partei.
Ein Kommentar von Wolfgang Marks

Ja, jetzt haben es dann alle kapiert. NEOS will allen Kindern die Flügel heben. Mit dieser Metapher ist Matthias Strolz schon im Wahlkampf aufgefallen und auch bei seiner Antrittsrede im Parlament hat er sie mit ausgestreckten Armen wiederholt, was ihn auf die Titelseiten einiger Tageszeitungen gebracht hat. Aber was meinen die NEOS denn genau, wenn sie uns dieses blumige, aber wenig aussagekräftige Zitat wieder und wieder vor die Füße werfen? Anstatt es ständig zu wiederholen, wäre es an der Zeit, eine inhaltliche Tiefe zu vermitteln. Die Inhalte sind ja im Gegensatz zu einer anderen neuen Parlamentspartei auch da, man muss sie halt auch kommunizieren. Welche Konzepte verfolgen die NEOS nun in der Bildungspolitik, was ist das Neue an ihrem Ansatz? Auf welchen Grundgedanken baut die Partei generell auf und warum braucht es diese liberal gefärbten Ansichten überhaupt?

Das würde man sich erhoffen und nicht irgendwelche Esoterikstories, einen Waldspaziergang oder ein Polit-Yoga  mit dem Parteichef. Diese Art von medialer Darstellung hätte ich mir von Strolz auch nicht erwartet, hat er doch das Politainment in seinem Buch „Warum wir Politikern nicht trauen und was sie tun müssten, damit sich das ändert“ noch scharf kritisiert. Im Dschungelcamp der Spitzenvertreter würden diese laut Strolz nämlich versuchen „möglichst viel an Glanz abzubekommen“ und generell investiere man „prioritär in Fragen der mediengerechten Inszenierung. Weniger Energie geht in die inhaltliche Arbeit.“ Ganz genau Herr Strolz. Es wird jetzt auch für Sie und ihre Partei Zeit, sich diesen inhaltlichen Debatten zu stellen.

Dabei ist mir schon bewusst, dass NEOS jetzt auch Zeit braucht, sich an die parlamentarische Arbeit zu gewöhnen. Auch die konkrete Parteilinie muss erst festgelegt werden, schließlich muss man sich mit dem LIF ja auch noch über die zukünftige Art der Zusammenarbeit einigen. Diese parteiinternen Weichenstellungen dürfen aber keine Ausrede für eine weitgehend inhaltslose Außendarstellung sein, denn sonst tragen Matthias Strolz und seine Gefolgsleute zu jener Entwicklung bei, vor der er in seinem Buch warnt: „Die >Medialisierung< der Politik – mit verkürzten, plakativen Inhalten, mit Gefühlen und Symbolen statt Fakten, mit Personalisierung, Zuspitzung und gegenseitigem Vertrauensvernichtungsspiel – treibt den Bürger entweder in die Apathie oder zu jenen Populisten, die das Spiel mit der Rhetorik und der telegenen Unterhaltung am besten beherrschen.“ Wie so ein Schauspiel aussieht, beweisen uns die Regierungsverhandler von SPÖ und ÖVP. So will NEOS ja hoffentlich nie enden.

Bildquelle: CC-BY-SA von Nicole Heiling / NEOS Das Neue Österreich

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.