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Das Hoch des Wahlkampfes ist vorbei und die Realität lässt einen in einem harten Tief zurück. Was bleibt ist die Hoffnung. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Was man im Leben, in der Wirtschaft und mit Drogen gelernt hat, gilt auch für die Politik: Nach jedem Hoch kommt ein zermürbendes Tief. In dieses bin ich nun gestürzt. Der Wahlkampf war noch ein schönes Spielfeld, dieses überschwängliche Hoch hat alle Politiker dazu veranlasst, ihren Träumen zu folgen ohne dabei auf die Realität zu blicken. Alles schien möglich und doch geschah nichts. Denn –  zack – Wahltag, die erste Hochrechnung, das vorläufige Endergebnis und … der Sturz ins Tief war vorprogrammiert. Ist es, weil man sich eventuell Veränderung gewünscht hat, diese aber nicht eingetreten ist? Weil die Politiker nun in den selbem Trott wie vor der Wahl verfallen sind, vielleicht um einem Chaoten (Frank Stronach) und einem zweiten Politiker (neben Sebastian Kurz) im Parlament, der „geile“ Politik machen will (Matthias Strolz) reicher?

Ich konzentriere mich bei meiner Mediennutzung nur mehr auf die allernötigste innenpolitische Berichterstattung. Allwissende Kommentatoren und zum Teil boulevardesk-unseriöses Politiker-Bashing – es ermüdet einen und hilft nicht dabei, das Interesse an Politik wieder etwas Kraft und Lust einzuhauchen. Hat man sich während des Hochs noch munter über die von den Medien breitgetretenen Absurditäten des Wahlkampfes erfreut (da dürfen auch wir von neuwal.com uns nicht ganz ausnehmen) ist man jetzt im Tief darüber erschrocken, dass man nun auf die frisch Gewählten hinhaut. Wohin man blickt, man bekommt den Eindruck, 365 Tage im Jahr, die ganzen fünf Jahre der Legislaturperiode lang, dass wir von furchtbaren Menschen regiert, von korrupten Politikern bestohlen und unser Leben von unfähigen Sesselklebern bestimmt wird. Das will und das kann ich nicht glauben. (Aber ja: Ein paar schwarze Schafe gab und gibt es natürlich immer noch.)

Einzig den Ereignissen rund um das Team Stronach bin ich nicht entkommen: Monika Lindner ist Nationalratsabgeordneter wilden Stils und wird das wohl die kommenden fünf Jahre bleiben. Frank Stronach kann auf seiner ToDo-Liste endlich „1 Mal im Nationalrat sitzen“ ankreuzen. Und währenddessen zerbröselt es das Kärntner Stronach-„Team“ aufgrund privater amouröser Verflechtungen. Mehr als Kopfschütteln kann bei mir daraus nicht resultieren.

Was bleibt ist die naive Hoffnung, das alles besser wird. Der Optimismus, dass die Medien nicht mehr nur Meinungen veröffentlichen, sondern dabei helfen, Meinungen zu schaffen. Dass die politische Arbeit oder Nicht-Arbeit im Vordergrund steht und nicht die persönlichen Fehler der Politiker. Hoffen wir ganz einfach, dass die Gespräche neueren Stils von Rot und Schwarz wirklich eine Neuerung bringen. Und es überrascht, dass sie diesmal wirklich nicht die Medien als Diskussionsmittel wählten sondern zuerst einmal hinter verschlossenen Türen gemeinsam diskutieren. Man darf gespannt sein, was das Resultat sein wird. Welche Reformen auf dem Plan stehen werden und mit welchen Köpfen die Ämter besetzt sein werden.

Gehen wir naiv optimistisch in die Zukunft … denn, irgendwie wird sicherlich alles gut werden, versprochen! Und jetzt erholen wir uns erstmal von diesem Nachwahlkampf-Tief.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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