Im neuwal blogwald durchforsten wir Österreichs Blogs, suchen spannende Projekte und bitten um Kommentare zum aktuellen politischen Geschehen. Dieses Mal: Judith Schossböck über ourspace.eu.

 

Judith SchossböckJudith Schossböck
Judith Schossböck lebt in Wien und forscht im Bereich Kommunikationswissenschaft und E-Governance. Ihr Interesse gilt u.a. sozialen Bewegungen und Protestkulturen, insbesondere im Kontext neuer Medien, Internet-Strukturen und globaler Kommunikation.

Das Vertrauen vieler Jugendlicher in das politische System ist angeknackst. Das zeigt sich beispielsweise bei der Europawahl: Mehr als zwei Drittel der 18-24jährigen Wahlberechtigten haben bei der Wahl zum Europaparlament 2009 keine Stimme abgegeben. Dabei gäbe es Grund genug, innerhalb der EU gezielt Lösungen und Angebote für Jugendliche zu entwickeln – wie der Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit zeigt.

Die Europäische Union hat sich daher zum Ziel gesetzt, jungen Menschen die Beteiligung am politischen Entscheidungsprozess zu erleichtern. Hoffnung setzt man dabei auf Online-Tools, welche die Jugendlichen dort abholen sollen, wo sie sich ohnehin bereits befinden: Im Internet, in Foren bzw. auf Social Media-Plattformen. Denn, so zeigen Umfragen zur politischen Beteiligung, internetgestützten Formen der Partizipation können Jugendliche viel abgewinnen.

Neue Medien dazu einzusetzen, Jugendliche mit PolitikerInnen zusammenbringen und ihnen dabei zu helfen, sich inhaltlich zu positionieren – in dieser Kategorie sind in den letzten Jahren einige Projekte entstanden. Über die Website MyVote2014.eu können NutzerInnen beispielsweise ihre Präferenzen bei den Europawahlen 2014 angeben. Diese werden dann mit den Ergebnissen von den Fraktionen im EU-Parlament sowie den europäischen politischen Gruppen im eigenen Land verglichen.

Ein Projekt, das Jugendliche dabei unterstützen möchte, Lösungsvorschläge für nationale und europäische Probleme zu finden sowie diese an EntscheidungsträgerInnen zu vermitteln, ist die Plattform OurSpace. Ziel ist es, jungen Menschen eine Diskussionsplattform zu bieten sowie sie mit jungen Menschen aus anderen Ländern zu vernetzen. Da reine Online-Beteiligung aber am besten funktioniert, wenn sie mit Aktionen im Offline-Bereich verknüpft wird, werden bei diesem Projekt zusätzlich auch offline Workshops abgehalten, z.B. in den Schulen.

Dort wird dann sowohl face-to-face als auch online diskutiert und abgestimmt. Derzeit wird die Plattform in Österreich, Griechenland, Tschechien und Großbritannien aktiv beworben. Über Prinzipien wie bei sozialen Netzwerken kann jedeR einsteigen und ein Thema auswählen, bewerten oder einen Lösungsvorschlag aufzeigen. Motivierend ist dabei, dass die Jugendlichen Punkte sammeln und so verschiedene Levels erreichen oder Preise (beispielsweise ein iPad mini) gewinnen können. Registrierten kann man sich mittels eines Facebook-Logins, oder einer E-Mail-Adresse. So sollen Einstiegsbarrieren abgebaut werden.

Auch du kannst direkt einsteigen, im OurSpace-Blog Punkte sammeln – mit jedem Kommentar, Lösungsvorschlag oder „Like“ – oder auch durch die Eröffnung eines neuen Themas. OurSpace sorgt dann dafür, dass deine Ideen an den Mann bzw. die Frau gelangen.

Gib doch auch dein Feedback zur Plattform in Kooperation mit der Donau-Universität Krems, Zentrum für E-Governance

ourspace

Für den österreichischen Part diskutieren momentan u.a. folgende PolitikerInnen mit folgenden Themen auf der Plattform:

Ulrike Lunacek, Europaparlamentarierin
Bildung der Jugend

Hannes Swoboda, Europaparlamentarier
Integration

Othmar Karas, Europaparlamentarier
EU-Allgemein

Angelika Werthmann, Europaparlamentarierin
Menschenrechte

Jörg Leichtfried, Europaparlamentarier
Transit

Richard Seeber, Europaparlamentarier
Klimawandel

Sebastian Kurz, Staatssekretär
Direkte Demokratie in Europa