§ 1. Außerhalb von Campingplätzen ist an im Freien gelegenen öffentlichen Orten verboten:

1. das Auflegen und das Benützen von Schlafsäcken,
2. das Aufstellen und das Benützen von Zelten sowie
3. das Abstellen von Personenkraftwagen, Omnibussen, Kombinationskraftwagen, Wohnmobilen, Wohnwagen oder Wohnwagenanhängern zu Wohnzwecken sowie deren Benützen zum Wohnen (Schlafen).

Die Wiener Kampierverordnung, ein tot geglaubtes Gesetzt aus den Achzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, findet neuerdings immer häufiger Anwendung. Allerdings weniger um abenteuerlustigen Campingurlaubern den Spass zu verderben. Vielmehr geht es darum, unliebsame Menschen, deren Anblick manchen nicht ins Stadtbild zu passen scheint, zu vertreiben.

Nachdem vor etwa einem Jahr auf Grund dieser Verordnung das Protestlager der Flüchtlinge im Votivpark in einer nächtlichen Aktion demoliert wurde, wurden nun Wohnungslose aus dem Stadtpark vertrieben. Wer genau hinter dieser Aktion steht ist nicht bekannt. Angeblich gab es Anrainerbeschwerden.

Die Facebook- Protestgruppe „Die Obdachlosen aus dem Stadtpark sind auch meine Nachbarn“ (knapp 3500 Gefällt mir in 5 Tagen) und die Wien YoungCaritas organisierten Donnerstag Nachmittag einen „Smartmob“ im Stadtpark. Einige Duzend Menschen lagen dabei in Müllsäcke gehüllt, bereit zur „Entsorgung“, auf dem Boden und Parkbänken.

Eine neuwal Fotostrecke:

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Daniel Weber, geboren 1980 im weststeirischen Voitsberg, lebt seit 2001 in Wien. Der Behindertenbetreuer studiert Bildungswissenschaften und ist bei neuwal verantwortlich für das Ressort Protest-Aktion-Demonstration.
  • Sehr interresant . Vielen Dank für den Artikel.