Transkript zum Interview in der ZIB2 mit Armin Wolf und Monika Lindner vom 22. Okt. 2013.

Interview
Dienstag, 22. Oktober 2013, 22:10 Uhr
ORF2
Quelle: http://tvthek.orf.at… (7 Tage abrufbar)
Transkriptor: Dieter Zirnig, Dominik Leitner

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal in Textform zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge – Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften und Textbausteine werden noch klarer. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung verstärken, den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen und dem Gesagten mit dem Transkript einen anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflektion bieten.

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Abb. 1: Tagcloud der 50 meist gesagten Worte von Monika Lindner und Armin Wolf.

Statistik

Interviewdauer 582 Sekunden (09:42)
Armin Wolf Monika Lindner Gesamt
Wörter 718 42.2 % 983 57.8 % 1.701
Zeichen 3.968 44.7 % 4.911 55.3 % 8.879
Zeichen inkl. Leerzeichen 4.664 44.3 % 5.874 55.7 % 10.538
44.7 % 55.3 %
» Überblick über alle Wortverhältnisse der neuwal-Transkripte
Armin Wolf: Und mittlerweile ist Monika Lindner bei mir im Studio angekommen. Guten Abend, vielen Dank fürs Kommen. Frau Dr. Lindner, sie sind sich nicht begegnet hier im Haus, Herr Stronach und Sie. Aber, Herr Stronach wünscht sich – das hat er in mehreren Interviews heute gesagt -, dass Sie Ihr Mandat doch noch zurücklegen. Werden Sie ihm diesen Wunsch erfüllen?

Monika Lindner: Ich glaube, das ist jetzt schon mehrfach abgehandelt worden. Dass ich nach dem wirklichen Vertrauensbruch, der drei Tage, nach dem ich mich entschlossen habe, auf die Liste zu gehen… Nach dem Vertrauensbruch, der da passiert ist, durch den damaligen Klubobmann, der mir also, der mich tagsfrei zur… auf Speerspitze gegen ÖVP Niederösterreich, ORF und Raiffeisen gemacht hat. Und auch gesagt hat: „Das System will er da von Innen aufbrechen“. Das war ein unglaublicher Vertrauensbruch.

Es war nämlich anders ausgemacht. Es war ganz klar. Ich habe es auch vorhin mit Frank Stronach besprochen, wofür ich nicht zur Verfügung stehe. Und, dass ich auch nicht, nachdem ich also jahrelang mich jeder Äußerung – gerade auch was dem ORF anlangt – enthalten habe, dass das für mich nicht in Frage kommt.

Gut, das hatten wir. Das ist der Stand August. Jetzt ist die Frage, ob Sie das Mandat nicht doch noch…

Und nach…

…zurücklegen, wie Herr Stronach sich wünscht…

Und nach einer relativ langen Bedenkzeit habe ich gesehen, dass es eine legale Möglichkeit gibt. Ich war ja auf der Liste. Von dieser Liste konnte ich auch nicht mehr herunter. Dass es eine legale Möglichkeit gibt, als freie Abgeordnete, im Parlament, für jene Anliegen zu arbeiten und mich einzusetzen, die mir wichtig waren. Das waren ja auch die Gründe, warum ich überhaupt auf die Liste gegangen bin.

Aber Frau Dr. Lindner. Sie haben am 15. August gesagt, dass Sie das Mandat nicht annehmen werden. Sie haben nicht einen einzigen Tag Wahlkampf gemacht. Sie sind auf keinem einzigen Wahlplakat gestanden. Sie haben in keinem einzigen Interview gesagt, was Sie politisch vorhaben oder wollen. Glauben Sie ernsthaft, dass die Wähler des Team Stronach wollten, dass Sie ins Parlament kommen?

Die Wähler des Team Stronach haben gesehen, dass ich auf der Liste stehe.

Und die haben auch gehört, dass Sie gesagt haben, Sie werden das Mandat nicht annehmen.

Es hat immerhin auch eine Anzahl. Und zwar über 100 Vorzugsstimmen gegeben. Also, schauen Sie. Frank Stronach wollte… Hat mich eingeladen auf seine Liste. Weil, ihm war der Name wichtig. Und ich habe nach langen Gesprächen mit ihm mich dazu entschlossen, es zu tun. Dass dann drei Tage später alles anders war, ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, weil ich ja… ich war so entsetzt und so vor den Kopf gestoßen, dass mir gar nichts anderes übrig geblieben ist, als hier wirklich einen Schritt zu setzen.

Aber Frau Dr. Lindner.

Aber das ist auch aus der Emotion heraus.

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Abb. 2: Tagcloud der 50 meist gesagten Wörter von Dr. Monika Lindner (Analyse über alle Wörter)

Aber Frau Dr. Lindner. Da hört man jetzt aus dem Team Stronach: „Das kann so nicht die ganze Wahrheit sein“. Ein paar Stunden nach der berühmten Pressekonferenz vom Herrn Lugar war der Herr Lugar gemeinsam mit dem Tilman Fuchs – wichtigster Mitarbeiter damals von Herrn Stronach – bei Ihnen in Innsbruck. Und sie haben drei Stunden miteinander geredet. Und es war alles eitle Wonne und Sonnenschein. Und von Aufregung keine Rede.

Dazu muss man sagen, dass ich sein Interview nicht gehört habe. Die beiden Herren haben es nicht für notwendig gehalten, nachdem ich Ihnen genau auseinander gesetzt habe, was für mich in Frage kommt und was nicht. Hat keiner von den beiden Herren es für notwendig gefunden zu sagen: „Moment, wir hatten eine Pressekonferenz, da haben wir ganz etwas anderes verkündet.“ Das habe ich erst am nächsten Tag erfahren.

Gut, jetzt wollen Sie nicht für das Team Stronach ins Parlament. Aber: Wer hat sie ins Parlament gewählt? Die Wähler haben das Team Stronach gewählt. Sie haben gesagt, Sie nehmen das Mandat nicht an. Wer hat Sie gewählt?

Ich sage es nocheinmal: Ich war auf der Liste. Jeder konnte sich davon überzeugen.

Aber Sie haben gesagt, dass Sie nicht gewählt werden wollen…

Und letztenendes…

6 Wochen vor der Wahl…

Ja, ich musste das sagen, weil ich mich einfach distanzieren musste von diesen Aussagen. Von diesem wirklichen Vertrauensbruch.

Was haben Sie denn selber gewählt bei der Wahl?

Pfff. Können Sie sich vielleicht denken.

Ehrlich gesagt nicht.

(lacht) Ja. Das ist ja Wahlgeheimnis. Aber ich glaube, so viel Fantasie haben Sie, was ich gewählt habe in dem Fall.

Haben Sie jetzt die Partei gewählt, die Sie so enttäuscht hat oder…

Mich hat nicht die Partei getäuscht.

(kurzes Wort Wirr-Warr)

Die Partei hat mich durchaus nicht enttäuscht.

Haben Sie Team Stronach gewählt?

Die Partei hat mich nicht enttäuscht. Und mit einer Mehrzahl der Punkte, die Frank Stronach in seinem Programm hat, konnte ich mich und kann ich mich noch immer identifizieren. Sonst wäre ich ja gar nicht auf die Liste gegangen.

Haben Sie sich jetzt selber gewählt?

Dass ich mir selber keine Vorzugsstimme gebe, dass können Sie sich ja wohl denken.

Ich kenne mich noch immer nicht aus. Haben Sie jetzt das Team Stronach gewählt oder nicht?

Wenn Sie sich nicht auskennen, tut es mir leid.

Aber ich hätte es so gern, dass die Zuseher sich auskennen.

Es gibt ein Wahlgeheimnis. Und es wird – glaube ich – jeder Zuschauer verstehen. Aber mit einiger Fantasie kann man sich vielleicht denken, was ich gewählt habe. Und ich bin ja auch durchaus zu dem Programm gestanden. So ist es ja nicht. Nur, eine so persönliche Diffamierung, wie sie da passiert ist, konnte nicht einfach unkommentiert bleiben.

Jetzt haben Sie in den letzten Tagen Ihren Entschluss, doch ins Parlament zu gehen, damit begründet, dass Sie sich politische einbringen wollen. Jetzt besteht aber die wesentliche Arbeit von Nationalratsabgeordneten, dass sie in Ausschüssen über Gesetze beraten, dass Sie Anträge einbringen und dass sie Anfragen an Regierungsmitglieder stellen.

Nichts davon können Sie als ‚Wilde Abgeordnete‘ machen. Nichts. Sie können am Ende der Tagesordnung zu jedem Tagesordnungspunkt ein paar Minuten sprechen. Und dann können Sie abstimmen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Nationalrat wird Ihre Stimme bei keiner einzigen Abstimmung einen Unterschied machen. Sie können absolut nichts politisch ausrichten im Parlament. Wozu das ganze?

Das ist nicht richtig. Weil: Erstens einmal dort die Stimme zu erheben, das ist einmal immerhin etwas. Zum Einen. Zum Zweiten kann ich in Ausschüsse gehen, allerdings nur zuhören. Aber da kann ich mir ein gutes Bild machen. Und zum Dritten.

Aber Sie können nichts bewirken dort.

Das ist nicht gesagt. Man kann Verbündete suchen. Es gibt ja eine große Anzahl von Abgeordneten. Und man kann die Verbündeten in allen Parteien und in allen Klubs finden. Das wird sich dann herausstellen.

Es geht auch darum: Wozu soll das ganze. Sie haben gefragt: „Wozu das ganze?“ Ich habe Anliegen. Und zwar eine ganze Anzahl von Anliegen. Die gerade, wie auch Bergmann angeregt hat. Hat aber nicht unmittelbar im Team etwas zu tun. Es sind vor allem soziale und humanitäre Anliegen. Und ich finde, dass ist alles viel wichtiger, als immer wieder die Frage: Lindner warum ja und warum nein.

Aber Frau Dr. Lindner. Wenn Ihnen diese Anliegen wirklich ein Anliegen im Parlament wären, dann müssten Sie sich einem Klub anschließen. Weil ohne Klub können Sie nichts machen. Es hat ja einen Sinn, warum es eine 4-Prozent-Klausel gibt in der Verfassung. Die Verfassung und der Gesetzgeber wollen nicht, dass es einzelne Abgeordnete im Parlament gibt, weil die dort keinen Sinn haben.

Das wird sich herausstellen.

Das weiß man seit 80 Jahren.

Ja, das wird sich herausstellen, ob es nicht doch möglich ist, dort etwas zu bewirken. Und mit dem. Und das ist auch ein wichtiger Punkt. Mit dem Geld. Mit dem Parlamententgelt… übrig bleibt. Weil immer von Bruttobeträgen die Rede und nie von Nettobeträgen… werde ich mir eine Struktur aufbauen. Eine Struktur, die sicher stellt, dass ich mich in den Themen, für die ich dann auch eintreten werde. Das haben Sie auch richtig gesagt: „Reden kann ich ja dort im Parlament“. Dass ich mich dann einbringen werde und dass ich mich für diese Themen auch stark machen werde.

Aber diese Struktur die Sie sich aufbauen wollen ändert nichts daran, dass Sie trotzdem keine Anträge einbringen können. Jetzt sind in den letzten Tagen ausschließlich negative Kommentare über Ihren Entschluss erschienen. Der Standard zum Beispiel schreibt: „Lindner nährt das Vorurteil von gesinnungslosen Volksvertreter, dem es nicht einmal ernsthafte Arbeit, sondern Befriedigung von Eitelkeit, Geldgier und anderen Eigeninteressen geht.“ In Österreich steht: „Lindner begeht Wählerbetrug und entpuppt sich als schamlose Abzockerin. Das ist eine Gaunerei.“ Und die Kleine Zeitung nennt den Fall Lindner „Ein schauriges Lehrstück über Maßlosigkeit und Abgehobenheit über die Verkommenheit der Eliten. Ein Sinnbild der Raffgier.“
Gibt Ihnen das nicht zu denken?

So etwas kann man nicht kommentieren.

Aber gibt Ihnen das nicht zu denken?

Von Raffgier ist hier keine Rede. Ich habe gerade gesagt, was ich mit diesem Geld machen werde. Ich werde mir diese Struktur aufbauen. Ich werde mir Expertisen beschaffen. Man kann nicht davon ausgehen, dass das alles immer umsonst ist. Und ich werde es für die Anliegen, die ich habe – und das ist eine ganze Menge – werde ich kämpfen. Und es wird sich herausstellen, ob man nicht Partner auch im Parlament findet. Ob nicht auch Abgeordnete da sind, mit denen man sprechen kann, wo man sich anschließen kann. Ich bin ja frei. Ich bin ja frei in meiner Entscheidung. Ich kann ja gehen zu wem ich will und mit wem ich will kann ich abstimmen.

Aber Abstimmen ist ja so ein ganz kleiner Teil eines Parlamentariers. Sie haben es ja selber auch gelesen. Zeitungskommentare, Leserbriefe, Onlineforen. Ich habe nicht einen einzigen positiven Kommentar gelesen, in dem man Sie versteht: Verrat, Wählertäuschung, Egotrip, politischer Tiefpunk, Dreistigkeit, Frechheit, Frotzelei. Haben Sie das wirklich notwendig? Wozu brauchen Sie das?

Ich habe Ihnen vorhin schon gesagt. Der Grund, warum ich bei Stronach auf die Liste gegangen war, weil ich mich engagieren wollte für bestimmte Themen und bestimmte Anliegen.

Aber das hat nicht funktioniert mit dem Team Stronach.

Das mit dem Team Stronach hat deswegen nicht funktioniert. Weil das erste, was dort passiert ist, ein Vertrauensbruch war. Aber dieser Wunsch ist ja nach wie vor da.

Sie lassen sich nächsten Dienstag im Parlament angeloben? Das ist Stein gemeiselt?

Ich habe das vor. Ja.

Vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.

“Wer hat Sie ins Parlament gewählt?” Monika Lindner bei Armin Wolf in der ZIB2 – Transkript by neuwal. Politik- und Wahljournal

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.