Drei Wochen sind seit der Wahl vergangen, getan hat sich wenig. Ein Kommentar von Stefan Hechl.

Breite Teile der Bevölkerung denken wahrscheinlich nicht mehr an das Wahlergebnis, man hat sich damit abgefunden, dass SPÖ und ÖVP weiterwurschteln wie bisher. Was bei den Koalitionsverhandlungen besprochen wird, dringt nicht an die Öffentlichkeit – wenn ich ehrlich bin, will ich es eh nicht wissen. Ich muss auf meinen Blutdruck schauen. Bei einem Blick auf die maskulin-gerontologisch dominierten Verhandlungsteams von SPÖ und ÖVP fällt es schwer, ernsthaft den angekündigten „neuen Stil“ zu erwarten.

Die Grünen wissen wohl selbst nicht, was sie machen sollen. Immer noch scheint man hin- und hergerissen zwischen dem besten Resultat aller Zeiten und dem enttäuschenden Abschneiden im Vergleich zu den Umfragen. Diese Sorgen hat die FPÖ nicht: Strache lehnt sich zurück und wartet geduldig, bis er sich in 5 Jahren die Schlüssel für das Bundeskanzleramt abholen kann. Die neos klettern in den Nachwahlumfragen munter weiter, während das BZÖ anscheinend seine würdevolle Auflösung vorbereitet. Über das Team Stronach und dessen abhanden gekommene „Speerspitze“ Monika Lindner will ich gar nicht reden, dafür ist mir jeder Tastaturanschlag zu schade.

Man kann sich also für die nächsten Wochen (oder gar Monate?) auf ein verlängertes Sommerloch gefasst machen, während Rot und Schwarz Posten verteilen. Arschkriecherei ist in Wien angesagt, damit ja keiner zu kurz kommt – was allerdings auch bei den Oppositionsparteien der Fall ist. Wer sich keine Chancen mehr ausrechnet, kündigt halt eine Kandidatur bei den Europawahlen nächsten Mai an. Apropos Europawahlen: Wer hat veranlasst, dass just im schönen Frühsommer, wenn wir uns vom Nationalratswahlkampf und der Regierungsbildung erholt haben, gleich der nächste – um ein Vielfaches sinnlosere – Wahlkampf anläuft?

Und was ist sonst los in unserem schönen Land? Ein Wintereinbruch im Westen sorgt für kurze Ablenkung von der innenpolitischen Misere, Journalisten loben sich gegenseitig in den Himmel und feiern Zeitungsjubiläen, während der ORF im Hauptabendprogramm Haider-Huldigungssendungen zeigt. Wenigstens gibt es zwischendurch auch immer informative Diskussionsendungen, in denen uns Politologen, Kommunikationsberater und noch viele weitere wunderbare Berufsgruppen erklären, warum die Wahl für bestimmte Parteien schlecht ausging, beziehungsweise warum die Politologen und Kommunikationsberater eigentlich schon vorher wussten, wie es ausgeht. Business as usual. Tu Felix Austria….

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Foto: cc by flickr.com/photos/drocpsu

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Stefan Hechl

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