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Konstantin Wecker und Prinz Chaos II, zwei deutsche Künstler, rufen zur Revolte auf: Wortgewaltig werden Feinde aufgezeigt, die Revolte mehrfach heraufbeschworen, aber Lösungen verweigert.

Konstantin Wecker 07.10.2007 MünchenKonstantin Wecker
geboren 1947, Poet, Sänger und Komponist, engagiert sich seit Jahrzehnten für Zivilcourage, Pazifismus und Antifaschismus. Wecker wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Erich-Fromm-Preis (2007) und mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises (2013). Wenn er nicht gerade on tour ist, lebt er in München. (Website)
Prinz Chaos II.
PrinzChaosIIist Liedermacher, Autor und Aktivist. Er entstammt dem Münchner Kabarettklan Prosel (Künstlerkneipe Simplicissimus). Studium der Anglo-Amerikanischen Geschichte, Japanologie, Neueren und Mittleren Geschichte an der Universität Köln und der Sophia University Tokyo. Der Prinz lebt auf Schloss Weitersroda in Südthüringen, wo seit 2008 eine »anarcho-monarchistische« Lebensgemeinschaft entsteht. (Website)

Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. wollen ihre Ansichten, ihre Polemik verbreiten: Deshalb bieten sie das Büchlein „Aufruf zur Revolte“ zum Gratis-Download als PDF und als Gratis-eBook u.a. bei Amazon oder als einfaches ePub-Format an. Doch ihre „Polemik“, wie sie es selbst nennen, hat so ihre Mängel. Auch wenn man stets versucht, einem Vergleich mit Stéphane Hessels „Empört euch!“ und „Engagiert euch!“ und Lisa Ben Mhennis „Vernetzt euch!“ standzuhalten, gelingen will es den beiden Autoren jedoch nicht. Während vor allem Hessel über den gewaltfreien Weg zur Empörung und zum Engagement sinniert, schreiben Wecker und Chaos immer mal wieder von der revolutionären Geschichte unserer Welt, wie sich damals die Kleinen mit Gewalt gegen die Großen gestellt haben: „Diese Leute haben offenkundig vergessen, dass ähnliche Situationen mit abgeschnittenen Köpfen geendet haben.“ Dass man sich nacher auf eine „Revolte der Liebe“ beschränken will, passt nicht zu jenem Bild, dass dieses Buch offenbart.

Ein Aufschrei, eine Schockwelle – dann morpht alles zurück in den glitzernden Morast sensationeller Nichtigkeiten. Niemand wird uns zwei Jahre später von jenen Folgen berichten, die bleiben.

Sie haben nicht Unrecht: So sehr wir auch empört sind, von der Überwachung durch die NSA, von den Drohnenangriffen der USA oder den zahllosen Toten im Mittelmeer – in wenigen Tagen oder Wochen wird dieses eine Thema von irgendeinem anderen abgelöst. Themen, welche Diskussionen erfordern würden und Handlungen, werden ganz einfach von der Agenda gewischt. Die beiden Autoren wollen nicht mehr von einer Empörung zur anderen springen. Sondern dabeibleiben, damit der Wunsch nach Revolte wächst und gedeiht.

Wir sind schlicht und ergreifend dagegen, dass ein einzelner Mensch in die Lage kommt, über Milliarden zu verfügen. Ein solche Zusammenballung von Macht ist eine welthistorische Verirrung. […] Ein derartiges wirtschaftliches Ungleichgewicht ist auch mit der Demokratie unvereinbar.

Niemand sollte über Milliarden verfügen, so die beiden Autoren. Die „Superreichen“ sind für sie die wirklichen Feinde in diesem Kampf. Diese Elite, diese „Auserwählten“, haben unsere Gesellschaft an den Rand des Abgrunds geführt, und sie haben keine Lust, ihren Weg noch zu ändern. Über eben jene rollenden Köpfe schreiben sie, und über die Macht und die Abgehobenheit der riesigen Banken, die auf Essen spekulieren, Währungskrisen verursachen und so vielem mehr.

Und während dreistellige Milliardenbeträge zur Errettung „notleidender Banken“ jederzeit aus dem Staatsärmel geschüttelt werden können, werden die Forderung nach der Wiedereinführung der Vermögenssteuer und sogar die Idee einer Spekulationssteuer ins Reich kommunistischer Wahnvorstellungen verwiesen.

Mit diesem Zitat haben sie ein gutes Thema aufgegriffen. Wie kann man der Bevölkerung nur klar machen, warum es wichtig ist eine Bank zu retten? Warum werden da in Windeseile Milliarden aus dem Ärmel geschüttelt, aber für „die Bevölkerung“ gibt es Sparmaßnahmen? Das ist nicht nur ein deutsches Thema der Linken, sondern auch in Österreich tut sich vor allem die Sozialdemokratie (die ja nur mehr ganz bedingt links zu stehen scheint), diese Notwendigkeit zu vermitteln. Und dabei sind gerade sie es, die sich für Spekulationssteuer und Vermögenssteuer einsetzen und von ihrem (noch aktuellen) Koalitionspartner abgewatscht werden.

Auch die massive Verschuldung der Staaten ist kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Statt „Verschuldung“ ist eher von einer Ausplünderung der Staatshaushalte durch Banken und Konzerne zu sprechen.

Um es kurz zu machen: Die Banken sind schuld, die Superreichen, die Politiker, die Politik, das System, die Riesen-Lobbys von Öl und Plastik. Ich will Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. nicht absprechen, dass sie vollkommen unrecht haben. Aber wie sie es selber schon nennen, ist „Aufruf zur Revolte“ eine Polemik geworden, die vielleicht manch ideologisch links stehenden Menschen aufweckt, ärgert und anregt. Aber wirkliche Lösungen, fundierte Betrachtungen oder eine kritische Auseinandersetzung mit den „Linken“, zu denen sich die beiden zählen, fehlt.

AufrufzurRevolteCoverKonstantin Wecker und Prinz Chaos II.
Aufruf zur Revolte
Eine Polemik
Gütersloher VerlagshausSeiten: 52
ISBN: 978-3-641-13472-3
kostenlose Downloadmöglichkeiten 

Fotos: Bild von Konstantin Wecker – Thomas Karsten.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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