Die Wahl ist längst geschlagen und alle Zahlen und Fakten dazu wurden in den Medien ausgiebig diskutiert und analysiert. Bevor sich der Fokus der medialen Aufmerksamkeit nun auf die Koalitionsverhandlungen konzentriert, möchte ich noch kurz auf die Berichterstattung rund um die Wahl eingehen. Denn für mich ist es schon erstaunlich, wie schnell sich bei manchen Journalisten die Wahrnehmung mit dem Wahltag verändert.
Ein Kommentar von Wolfgang Marks

Vor der Wahl…

Noch bis kurz vor der Wahl bemühten sich viele Berichterstatter, die Gründe für den bevorstehenden großen Erfolg der Grünen zu erläutern. Schließlich versprachen die Umfragen ja große Zugewinne für die Partei. Von einem fehlerlosen, äußerst professionell geführten Wahlkampf war die Rede, von einer überzeugenden Eva Glawischnig, die sich mit ihrer Partei gegen die Korruption stellt und die nun die Früchte ihrer Arbeit ernten werde.
Ein ganz anderes Bild wurde hingegen von der FPÖ gezeichnet. Der Wahlkampf käme nicht wirklich in die Gänge, man machte sich über die Nächstenliebekampagne lustig und erkannte einen müde wirkenden HC Strache.

…und nach der Wahl

Das war vor der Wahl. Nach der Wahl sah die Welt nämlich auf einmal ganz anders aus. Plötzlich war den Journalisten nämlich eh schon immer klar, dass die Grünen nicht den gewünschten Erfolg einfahren werden. Eine Kuschelkampagne und das Fokussieren auf das Thema Korruption seien einfach zu wenig. Außerdem bekomme man von den Grünen immer nur Verbote zu hören und das wollen die Leute einfach nicht. Zudem habe das Theater rund um die Mariahilferstraße in Wien enorm geschadet. Die Zahlen, vor allem in den Bezirken rund um die Einkaufsstraße sprechen zwar eine andere Sprache, aber egal. Von den Lobeshymnen war auf jeden Fall von heute auf morgen nichts mehr zu hören.
Noch viel extremer erschien mir allerdings der Sinneswandel in Bezug auf die FPÖ. Der Falter beispielsweise spricht der FPÖ nun die beste Kampagne aller Parteien zu. Diese sei schlüssig gewesen, von hoher Disziplin und Kohärenz geprägt gewesen. Strache habe wieder einmal die Themen angesprochen, die die Leute bewegt haben. Kurzum,  seine Partei hat im Wahlkampf also wieder alles richtig gemacht.

Man sollte nach der Wahl zu dem stehen, was man vor der Wahl gesagt hat. Das wünschen wir uns von den Politikern und das können wir auch von den Medien erwarten. Wenn ich eine Kampagne vor der Wahl gelobt habe, kann ich sie nach der Wahl nicht plötzlich schlecht reden. Dann bekomme ich nämlich bald ein ähnliches Glaubwürdigkeitsproblem wie jene, über die ich berichte.

The following two tabs change content below.
Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.