In Deutschland schafft die Alternative für Deutschland (AfD) aus dem Stand 4,7 % und in Österreich entscheiden sich mehr als 1/4 aller Wähler für eine euroskeptische Partei in Form von FPÖ oder dem Team Stronach. Die europakritischen Parteien sind also im Aufwind und das in vielen Ländern der EU. Ein kurzer Überblick:

Belgien

In Belgien ist der Vlaams Belang, der 2004 die Nachfolge des Vlaams Blok antrat, schon viele Jahre im Parlament vertreten. Ganz ähnlich der FPÖ, mit der sie auch in engem Kontakt steht, warnt sie vor einer Islamisierung Belgiens und sieht die Entwicklung der EU kritisch. Auch wenn die Partei bei der letzten Parlamentswahl deutlich verloren hat, kam sie 2010 immer noch auf 7,7 % der Stimmen.

Bulgarien

7,3 % der Stimmen konnte die rechtsextreme Ataka in Bulgarien für sich gewinnen. Sie stellen sich offen gegen die wachsende Mitbestimmung der moslemischen Minderheit im Land und treten offensiv gegen EU und NATO auf.

Dänemark

In Dänemark ist die Dansk Folksparti eine erfolgreiche rechtspopulistische Partei, die sich eurokritisch positioniert und gegen den Multikulturalismus auftritt. Sie erhielt bei der letzten Parlamentswahl 12,3 % der Stimmen.

Deutschland

Die neu gegründete AfD hatte bei der letzten Wahl nur knapp den Einzug in den Bundestag verpasst. Mit ihrer Forderung nach einer Rückkehr zur D-Mark und der Ablehnung eines zentralistischen EU-Staats konnten sie offensichtlich einige Wähler überzeugen.

Finnland

Einen großen Wahlerfolg feierten die Wahren Finnen im Jahr 2011. Mit 19 % der Stimmen wurden sie die drittstärkste Kraft im Land. Ihre EU-kritische Position, die Ablehnung von Multikulturalismus und das Ankämpfen gegen etablierte Parteien dürften Anklang bei den Wählern gefunden haben.

Frankreich

In der EU ist der Front National eine der bekanntesten euroskeptischen Parteien. Die seit 2011 neue Vorsitzende Marine Le Pen, Tochter des jahrelangen Parteivorsitzenden Jean-Marie Le Pen, erreichte bei den Präsidentschaftswahlen immerhin fast 18% der Stimmen und auch bei der Parlamentswahl konnte man deutliche Gewinne verzeichnen. Zu ihren Kernforderungen zählen der Austritt aus der Euro-Zone und der NATO sowie die Beschränkung der Zuwanderung. Zudem vertritt die Partei auch sehr konservative Werte und ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe sowie für Erschwernisse bei der Abtreibung.

Griechenland

In Griechenland haben die europakritischen Parteien vor allem im Zuge des von der EU verordneten Sparkurses Zulauf bekommen. Vor allem die von vielen als linksradikal angesehene Syriza erhielt bei den Wahlen 2012 enormen Zulauf. So wurde sie mit 26,9 % der Stimmen die zweitstärkste Gruppierung im Land. Sie stellt sich vor allem gegen den Sparkurs, der die sozialen Probleme im Land nur noch verschärfe.
Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch noch die Partei Goldene Morgenröte. Die neonazistische Partei erhielt bei der letzten Wahl 6,9 % der Stimmen. Sie setzen sich für ein großgriechisches Reich ein. Nachdem die Partei schon mehrmals in Vorfälle gegen Migranten verwickelt war, wurden nach einem Mord an einem linken Aktivisten durch ein Mitglied der Partei zahlreiche Parteimitglieder verhaftet. Unter ihnen befindet sich auch der Parteichef Nikolaos Michaloliakos.

Italien

Auch in Italien gibt es mit Beppo Grillos 5 Sterne Bewegung eine mächtige europakritische Partei. Die EU ist aus der Sicht der Partei zu einer Bankenunion mutiert und man fordert den Austritt aus der Eurozone. Zudem gibt es auch noch die Lega Nord, die sich immer wieder europakritisch zeigt. Wie es mit Berlusconis Partei weitergeht, steht aus heutiger Sicht noch in den Sternen.

Niederlande

Ein sehr prominenter Name in Bezug auf rechtspopulistische Parteien ist Geert Wilders. Seine europa- und islamkritische Partei hat allerdings bei den letzten Wahlen Stimmen eingebüßt und kommt nur mehr auf 10,1 % der Stimmen, was aber immer noch Platz 3 bedeutet.

Österreich

Mit der FPÖ und dem Team Stronach sind im österreichischen Parlament nun 2 europaskeptische Parteien vertreten. Während das Team Stronach mit nicht einmal 6 % der Stimmen hinter den Erwartungen blieb, konnte die FPÖ zulegen und erreicht nun gut 20 % der Stimmen. Wie viele andere rechtspopulistische Parteien stellen sich auch die Freiheitlichen gegen das politische Establishment im Inland und nach außen hin sind es die Migranten und die EU gegen die man sich zur Wehr setzt.

Polen

Fast 30 % Wähleranteil hat die polnische Partei Recht und Gerechtigkeit. Sie fordert wie viele andere europakritische Parteien ein Europa der souveränen Staaten und steht vor allem der Führungsrolle der Deutschen in der EU kritisch gegenüber.

Schweden

Mit mäßigem Erfolg vertreten die Schwedendemokraten europakritische Haltungen. Zwar schafften sie 2010 erstmals den Einzug in den schwedischen Reichstag, allerdings erreichten sie gerade einmal 5,7 % der Stimmen. Die Schwedendemokraten orientieren sich in ihrer Ausrichtung im Übrigen an der FPÖ.

Tschechien

Durch einen Korruptions- und Spitzelskandal gegen den mittlerweile ehemaligen Parteichef der ODS geriet die tendenziell eher europakritische Partei in eine schwere Krise. Die Partei ist somit auch den Posten des Regierungschefs los und muss bei der kommenden Wahl schwere Verluste befürchten. Bei der letzten Wahl hatte sie 1/5 der Stimmen erlangt.

Ungarn

Über die Partei FIDESZ und den Parteivorsitzenden Orban wurde bereits viel geschrieben. Die sehr nationalistisch orientierte Politik und der Abbau demokratischer Elemente erregte viel Kritik in der EU. Dazu kommt in Ungarn noch die rechtsextreme Partei Jobbik, die 2010 16,7 % der Stimmen erlangte.

Großbritannien

Ein gewichtiges Wort in der EU hat Großbritannien. Deshalb ist der europakritische Kurs der Konservativen Partei unter Premierminister Cameron alles andere als positiv für die Entwicklung und Einigkeit der EU. Zuletzt hatte der Premierminister ja sogar einen möglichen Austritt aus der Union in den Raum gestellt.

Es wird also deutlich, dass in vielen Ländern europaskeptische Parteien in den Parlamenten vertreten sind. Wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Meist vereinen sie die Kritik an der EU mit Vorbehalten gegen den Islam und einer allgemeinen Kritik an den etablierten Parteien. Genau jene sind nun gefordert, die Interessen der Bevölkerung wahrzunehmen und auch die Demokratiedefizite der EU zu beseitigen, um den europakritischen Parteien den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.