Ob #orfwahl13, #wahlarena oder #meinewahl: die Wahldiskussionen im TV kann man auch übertreiben. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

In zwei Tagen wird gewählt, und sowohl der ORF (ab 16 Uhr auf ORF 2), PULS 4 (ab 16.45 Uhr) als auch ATV (ab 16.30 Uhr) wollen uns mit ihrer Aufbereitung der Hochrechungen, Analysen und Interviews auf ihre Seite ziehen. Ein umfangreicher Abschluss eines Wahlkampfs, der von Konfrontationen, Einzel-Interviews und Wahlfahrten im TV bestimmt worden ist.

Im Öffentlich-Rechtlichen setzte man auf die klassischen Konfrontationen, doch erstmals wollten auch die privaten Sender umfangreich mitnaschen. Die #wahlarena von Puls 4 holte noch einmal alle Spitzenkandidaten der im Nationalrat vertretenen Parteien (und Hans-Peter Haselsteiner) vor die Kamera – für Einzelinterviews und zum Teil auch für Konfrontationen. ATV, der sich etwas zurückhielt, bot dann noch ein weiteres Duell von Kanzler und Vizekanzler sowie eine Oppositionsrunde. Für einen Interessierten wie mich war das schon eindeutig zu viel.

Drei Kanzlerduelle, zuerst auf Puls4, später auf ATV und als Highlight dann auf ORF sind mindestens zwei zuviel. Die deutschen Sender haben es bereits vorgemacht. Dort wurde 1 (in Worten: ein) Kanzlerduell zugleich auf ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben übertragen – die Moderation wurde ebenso unter Vertretern der verschiedenen Sender aufgeteilt und die Dauer der Diskussion war zudem – was so manche Diskussion in Österreich zu stark verkürzte – nicht auf 60 Minuten beschränkt.

Vielleicht sollte man sich das auch für den Wahlkampf 2017 überlegen. Denn so wie in diesem Jahr haben die Zuseherinnen und Zuseher in zwei- bis dreifacher Ausführung miterleben, wie man sich gegenseitig mit Dreck bewarf, an den eigenen inhaltlichen Lücken zu scheitern schien. Oder auch, wie ein Journalist es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Politiker mit Fakten zu „zerlegen“. Auch wenn es oftmals eine Wohltat war, ihm dabei zuzusehen. Jedoch versuchte man stets, das „Schlechteste“ der Politiker herauszukehren. Das führte zumindest bei mir zu größerem Verdruss.

Es liegt nicht an den Formaten selbst, sondern womöglich an dem Format unserer Politiker. Diese Erkenntnis ist ernüchternd, wenn sie einem dann auch noch durchschnittlich jeden zweiten Tag im Fernsehen vorgezeigt wird, macht es nicht besser.

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