Frank Stronach, mit Chancen auf 10 % plus in den Wahlkampf gestartet, pendelt sich in den Umfragen bei 7 % ein, nachdem er wegen öffentlichen Auftritten medial gescholten und verspottet wird. Aber wie tragfähig ist diese Zahl?
Ein Kommentar von Thomas Knapp

Die Meinungsumfragen hatten lange ein Problem die Zustimmung zur FPÖ und zu den Grünen zu erfassen. Traditionell schnitten die Grünen in Umfragen besser und die FPÖ schlechter ab, als am Wahltag. Gefragt wen man wählen werde, antworteten die ÖsterreicherInnen nicht immer ehrlich. Dieses Phänomen war sozial erwünschten Antworten geschuldet.

Die FPÖ, medial als hetzerisch, rassistisch, antisemitisch und rechtsextrem kritisiert, ist nichts wozu sich alle so gern bekannten. Die Grünen dagegen, unschuldig, für eine saubere Umwelt, medial als Partei der intellektuellen Eliten transportiert, sind eine Wahlentscheidung die manch einer vielleicht innerlich nicht trifft, aber äußerlich kommuniziert, da er das Gefühl hat sie lässt ihn in einem besseren Licht erscheinen.

Inzwischen haben die Meinungsforschungsinstitute genug Erfahrung und Vergleichswerte mit diesen beiden Parteien, damit dieser Faktor die Umfragen nicht mehr so verzerrt. Diese Werte liegen für das Team Stronach bei seinem ersten Antritt bei Nationalratswahlen selbstverständlich nicht vor. Insofern ist es möglich, dass die Meinungsforschung hier vielleicht ein wenig im Dunkeln tappt.

Wer die mediale Bewertung von Stronach konsumiert ohne sie zu glauben, der weiß das viele Leute Stronach für peinlich oder senil halten, das viele seine Partei für eine ziemlich beliebig zusammengewürfelte Gruppe rückgratloser SöldnerInnen halten. Das Stronach Positionen (z.B. Todesstrafe) vertritt, die man in Österreich öffentlich nicht vertritt (die aber sicher nicht bei allen auf grundsätzliche Ablehnung trifft).

Dass sich, öffentlich oder gegenüber einem Fremden, dazu zu bekennen manchen Leuten vielleicht unangenehm ist, scheint nicht unrealistisch zu sein. Ob das Team Stronach wirklich bei 7 bis 8 % Zustimmung feststeckt, oder das ihm früher zugeschriebene Potential von 10 bis 12 % am Wahltag doch ausschöpfen können wird, scheint daher eine offene Frage zu sein, auf die Umfragen vielleicht die falsche Antwort geben.

Foto: Dieter Zirnig/FLICKR

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.