Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu: Und deshalb werden auch noch die finalen Wahlkampfspots bewertet. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Den Beginn macht die ÖVP. Die überrascht in diesem Wahlkampf mit unkonsequentem Auftreten. Einerseits die Wohlfühl-Tourismus-Plakate, mit Worte wie „weltoffen“ oder „opimistisch“ und andererseits die Angstmacher-Plakate, die vor den Faymann-Steuern warnen und Rot-Grün verteufeln. Und – weil der Wahlkampf der ÖVP schon grundsätzlich nicht geglückt ist, setzt man das auch im Finale fort:

Der Kinospot hat die bösen, bösen „Faymann-Steuern“ zum Thema

Der Fernsehspot ist aber so überaus positiv, dass man Herrn Spindelegger beinahe ohne Wahl den Titel „Bundeskanzler“ geben möchte. Hätte sich die ÖVP für eine Linie entschieden (eben ein Wohlfühlwahlkampf oder ein Angriffswahlkampf – aufgrund der Position wäre eher Zweiteres zu empfehlen), dann hätte man das Auftreten der ÖVP als erfolgreich angesehen. Jetzt ist sie ganz einfach nicht Fisch und nicht Fleisch. Anders die SPÖ, die verwendet zwar seit Monaten ihre „Welche Partei steht für Arbeit?“-Videos, bei denen (eh klar) nach dem Schnitt die meisten die SPÖ als Arbeiterpartei ansehen, aber das eben durchgehend. Inhalte bekommt man bei den Sozialdemokraten natürlich nicht.

Was anfangs beinahe aussieht wie der Trailer eines halbwegs guten Independent-Filmes entpuppt sich rasch als professionell gestaltetes Video von, über und mit Frank Stronach. Oder anders gesagt: Die Zusammenfassung all seiner Wortmeldungen aus den TV-Diskussionen kurz und knackig zusammengefasst. Und zu 97% auch nicht von ihm gesprochen.

Die NEOS haben diese Woche auch den neuen Kinospot vorgestellt: erstmals dabei ist Hans-Peter Haselsteiner, zudem auch Matthias Strolz mit einem rosa Helm. Und ebenso mit dabei: die Spitzen unserer Regierung. Die (möglicherweise auf einer Baustelle der STRABAG) mit einem Kran weggeräumt werden. Kurz und knackig, frisch und vor allem rosa. Dass man den potentiellen NEOS-Wählern Mut zuspricht, wenn Sie sich für sie entscheiden, ist jedoch – abschließend – sehr lieb.

Und das große Finale: Heinz-Christian Strache rattert wieder Worte runter, die Herbert Kickl ihm aufgeschrieben hat. Statt „Österreich zuerst“ geht er diesmal verbal gegen seine politischen Gegner vor. Wieder einmal ein Tiefpunkt in diesem überraschend schwachen Wahlkampf der Freiheitlichen.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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