In unserem Format blogwald bitten wir österreichische BloggerInnen um Kommentare zum Nationalratswahlkampf 2013. Dieses Mal: Christoph Schattleitner von Schattenblicke.

meChristoph Schattleitner
(20) studiert `Journalismus und PR´ in Graz und arbeitet nebenbei als Freier Redakteur. Sein Interesse gilt vor allem der österreichischen Innenpolitik. Er tauscht sich gern aus – auf Twitter oder auf seinem Blog Schattenblicke. Diese Nationalratswahl ist die erste, bei der er wählen darf.

Die Wahlbeteiligung in Österreich ist in den letzten Jahren fast durchwegs gesunken – bei der Nationalratswahl 2008 waren die Nichtwähler bereits die zweitgrößte Gruppe. Für die anstehende Wahl am 29. September sollte klar sein: Nicht wählen gehen ist die schlechteste Wahl. Eine moralisierende Erinnerung an ein Privileg.

In den 1980er-Jahren lag die Wahlbeteiligung zwischen 88 und 92 Prozent und bei allen Nationalratswahlen davor stets über 90 Prozent. 2008 waren es gerade mal 78,8 Prozent. (Quelle) Das Hauptmotiv fürs Daheim-Bleiben: Politikverdrossenheit. Diese Entwicklung soll aber weder in einer Verwahrlosung des Wahlrechts, noch in einer Wahlpflicht enden. Erinnern wir uns lieber daran, dass Wählen ein Privileg ist.

Was nicht-wählen bedeutet

In Österreich leben wir in einer repräsentativen Demokratie. Die Staatsgewalt (Macht) wird souverän vom Volk gewählt und legitimiert. Nicht-Wählen bedeutet deshalb, nicht mitzureden. Man lasst andere bestimmen. Nicht über Kleinigkeiten, sondern über wichtige Fragen des Zusammenlebens wie etwa: Welche Vorstellung habe ich von der Zukunft Österreichs, einer lebenswerten Gesellschaft, der Aufgabe des Staates –oder ganz allgemein- von Gerechtigkeit.

Pseudo-Gründe

Menschen, die nicht wählen gehen, glauben oft, mit ihrer Stimme nichts verändern zu können. Dieses Argument widerlegt sich mit dem lustigen Faktum, dass diese Ich-kann-eh-nichts-ändern-Einstellung bereits die zweitgrößte (Nicht)-Wählergruppe darstellt. Würden sie wählen gehen, könnten sie sehr wohl etwas bewegen.

Manche wählen auch deshalb nicht, weil sie protestieren wollen. Sie sind mit dem aktuellen System oder mit dem politischen Personal nicht zufrieden. Dazu muss gesagt werden, dass es effektivere Wege für einen Protest gibt. Etwa mit einer Wahl einer Oppositionspartei oder Kleinpartei (in Österreich treten bundesweit die NEOS, die Piraten und die KPÖ an; mehr Infos zu Kleinparteien). Für Entscheidungsschwache: Man muss ja nicht mit einer Feuerfackel für die Ideologie brennen, die Wahl des „kleinsten Übels“ reicht auch aus. Sollte das alles einem nicht ansprechen, gibt es zuletzt noch die Möglichkeit einer ungültigen Wahl. Damit macht man zumindest Gebrauch von seinem Wahlrecht.

Wir sollten uns daran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen wir nicht wählen durften. Dass das nicht mehr passiert, müssen wir Demokratie leben. Das heißt: Wir sollten wählen gehen, weil wir es können.

Bildquelle: eigene Grafik von Christoph Schattleitner

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ist der persönliche Blog von Christoph Schattleitner. Dort schreibt er über die Welt, wie er sie sieht: Von Politik, über Social Media bis hin zu Kultur und persönlichen Texten (Studiums-Alltag, Ansichten eines Ennstalers). Alle Texte auf Schattenblicke entstehen dank der Freude am Schreiben oder aufgrund eines unaufhaltsamen Wortschwalls.

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#blogwald

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Mithilfe Dieter Zirnig
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