Gestern hat Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD in Deutschland, wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Auf dem Titelblatt des „Süddeutsche Zeitung Magazins“ sieht man ihn wie er den ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Kamera zeigt. Darf er das? Ein Kommentar von Michael Hunklinger

Das Bild ist im Rahmen der wöchentlichen Interviewserie „Sagen Sie jetzt nichts“ entstanden, in der Prominente auf Fragen nur mit Mimik und Gestik antworten dürfen. Hier hat er es also getan. Er hat den Mittelfinger gezeigt. Und zwar auf die Frage: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“

Die Reaktionen darauf sind ganz unterschiedlich. Während sich die meisten Kommentatoren einig sind, dass der Zeitpunkt der Aktion nicht unbedingt günstig war, klaffen die Bewertungen weit auseinander. Von untragbar bis „coole Sau“ diskutiert ganz Deutschland derzeit über den Finger.

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Natürlich ist es für einen Politiker, noch dazu einen, der Bundeskanzler werden will, nicht klug so zu agieren. Er könnte sich und seiner Partei bei den Wahlen nächste Woche damit durchaus schaden. Vor allem wenn man – wie einige Kommentatoren – das Bild aus dem Zusammenhang reißt und sich nur über die Geste echauffiert. Hier zeigte sich in der bisherigen Berichterstattung, dass einige Medien glauben, „Steinbrück-Bashing“ komme nach wie vor gut an.

Viele Menschen haben allerdings auch Verständnis dafür, wie Steinbrück auf die Frage der Journalisten geantwortet hat. Klar, überspitzt, ironisch. Er hatte es wohl satt auf seine unglückliche Kampagne angesprochen zu werden und hat darauf spontan reagiert. Nicht klug aber ehrlich und menschlich. Zudem sind seine Antworten auf die anderen Fragen allesamt sehr unterhaltsam.

Im Kontext des Interviews zeigt sich nämlich ein ganz entspannter Peer Steinbrück, der Sinn für Humor und vor allem Ironie hat. Das, und seine gradlinige, kantige Art waren Charakterzüge, die ihn vor gut einem Jahr an die Spitze der Beliebtheitsrankings der deutschen Politiker gebracht hatten. Wenn das Cover mit dem Mittelfinger dazu führt, dass  viele Menschen das ganze Interview lesen, dann hat er dadurch vielleicht mehr gewonnen als verloren.

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Michael Hunklinger

(*1989), studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien, wobei sein Fokus auf den politischen Prozessen in Österreich, Deutschland und Europa liegt. Aufgewachsen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet lebt er seit 2010 in Wien und beschäftigt sich für neuwal vor allem mit dem politischen Geschehen in Deutschland, bzw. den dort stattfindenden Bundestags- und Landtagswahlen.