Ob die von Matthias Strolz gegründetet Partei NEOS tatsächlich den Sprung ins Parlament schafft, steht noch in den Sternen. Ein großes Engagement und den Willen zur Veränderung kann man Herrn Strolz aber sicher nicht absprechen. Ganz egal, wie man über die politischen Haltungen der Partei denkt.

MatthiasStrolzMatthias Strolz
1973 in Bludenz (Vorarlberg) geboren. Nach seinem Studium der Wirtschafts- und Politikwissenschaften war er u.a. als parlamentarischer Mitarbeiter der ÖVP, später Geschäftsführer seiner Agentur. Im vergangenen Jahr entstand aus seiner Bewegung „Österreich spricht“ die neue Partei neos, auf dessen ersten Listenplatz er auch zur Nationalratswahl antritt. Auf neuwal.com wurde bereits „Die vierte Kränkung„, ein Buch von Strolz und Barbara Guwak, rezensiert.

„Ich liebe die Politik“ schreibt er auch im Vorwort seines schon 2011 erschienen Buchs „Warum wir Politikern nicht trauen… und was sie tun müss(t)en, damit sich das ändert“: In diesem analysiert er im ersten Teil die Gründe für das wachsende Misstrauen der Bevölkerung in die Politiker, um dann im zweiten Teil seine „Skizze eines zeitgemäßen Politikverständnisses“ vorzustellen.

Teil 1: Welche Dynamiken zersetzen die Glaubwürdigkeit?

Laut Strolz leidet die Glaubwürdigkeit der Politik unter anderem aufgrund systemischer Krisenbedingungen. Immer mehr würde man in der Politik auf das „Dirty Campaigning“ setzen und dies führt am Ende dazu, dass wir Politik generell als dreckiges Geschäft wahrnehmen.

Dies steht auch in engem Zusammenhang mit der zunehmenden Medialisierung der Politik. In den Medien werden politische Geschichten verkürzt dargestellt und bewusst inszeniert. Für investigativen Journalismus ist in der schnelllebigen Zeit – Stichwort Internet – kaum noch Platz.

Zudem spricht er auch noch die Komplexität der Politik an, die sich durch die Globalisierung noch verstärkt hat. Zwar haben wir noch nie so viele Informationen über das System Politik bekommen wie in der heutigen Medien- und Wissensgesellschaft. Doch die Verarbeitung dieser auf uns niedergehenden Informationen überfordert uns oft auch.

Als letzten Punkt der systemischen Krise führt er das strukturell bedingte Mittelmaß des politischen Personals an. Auch wenn er betont, dass es einige respektable Politikerpersönlichkeiten kennengelernt habe, betont auch er, dass es meist nur die angepassten Charaktere nach oben schaffen.

So sind die Parteien in Österreich und Deutschland „hochgradig strukturkonservativ und ihre Führungskader haben, wegen der Fixierung auf die schnelllebige Machtdynamik, wenig Fantasie und Entschlossenheit, moderne Organisationen zu bauen.“

Zum einen seien Politiker oft narzisstisch geprägte Persönlichkeiten, die wie Jörg Haider oft ein hohes Maß an Charisma aufweisen, aber meist selbstzerstörerisch handeln. Zum anderen nagen auch auf personaler Ebene einige Dynamiken an der Glaubwürdigkeit des Politikers.

Zudem spricht er die Korrumpierbarkeit der Politiker an. Die „Fallstricke der Verlockung“ von sich wegzuschieben sei nicht einfach, aber dringend notwendig.

Außerdem würden die Politiker ironischerweise gleichzeitig sozial überfordert und sozial isoliert sein. Die Politiker sind ständig unter Menschen, haben einen übervollen Terminkalender und sind doch alleine. Denn die meisten ihrer „Berater und Begleiter sind keine echten Freunde, die auch halten, wenn es hart auf hart geht. Deshalb ist es für viele Politiker auch so schwer, loszulassen. Viele bezeichnen die Politik als Droge, die sie abhängig macht.

Teil 2: Aufbruch in eine neue Glaubwürdigkeit

Für Strolz sind die Anforderungen an Politiker sehr hoch und deshalb braucht es reife Persönlichkeiten, die einen gelungenen Identitätsprozess durchgemacht haben. Dieser Identitätsstatus wirkt sich nämlich auf die Fähigkeit aus„sich zu vernetzen, im Team zu arbeiten, Verhältnisse mutig zu hinterfragen und kreativ zu gestalten sowie anderen und sich selbst nachhaltig Wachstumsmöglichkeiten zu geben.“

Die Glaubwürdigkeit eines Politikers lasse sich durch das Modell der Personalen Credibility Triangle fördern. Ein glaubwürdiger Politiker habe demnach eine klare, persönliche Vision, eine tatkräftige Zuversicht und ein Verbundensein.

Auch die Organisation müsse solch eine Credibility Triangle aufweisen. Auch sie müssen eine Vision verkörpern, eine vitale Struktur aufweisen und eine ordentliche Organisationskultur mitbringen. Nur dann kann eine Partei auf Dauer glaubhaft und erfolgreich sein.

Am Ende des Buches betont Strolz, dass Politiker auf jeden Fall führen müssen und dass ein Politiker natürlich nach Macht strebt. Der Machtbegriff ist bei Strolz aber nicht negativ besetzt. Man könne sie durchaus für etwas Positives nutzen und muss sie nicht zwangsläufig missbrauchen. Dazu brauche es aber vor allem Demut.

Das Buch von Matthias Strolz greift in seiner Analyse sicher einige wesentliche Aspekte auf, die die Glaubwürdigkeit in die Politik zersetzen. Diese Feststellungen werden durch seine persönlichen Erfahrungen im politischen Umfeld untermauert. Man merkt, dass er in seiner Arbeit als Berater viel Wissen über die politischen Zusammenhänge erlangt hat.

Ob er mit seinem Politikverständnis, das er im zweiten Teil vorstellt, tatsächlich an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann, bleibt für mich allerdings fraglich. Zu sehr bleibt auch er vage und bietet meist schön klingende Phrasen an, die sich erst an der Realität messen lassen müssen. Aber vielleicht bekommt seine Partei ja nach der Wahl die Chance, diesen Realitätscheck anzutreten.

StrolzMatthias Strolz
Warum wir Politikern nicht trauen…und was sie tun müss(t)en, damit sich das ändert

Kremayr & ScheriauSeiten: 224

ISBN: 978-3-218-00821-1Preis: [amazon_link id=“3218008212″ target=“_blank“ ]21,90 Euro (Hardcover)[/amazon_link] (Partnerlinks)

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.