Einen weiteren bizzaren Auftritt lieferte Frank Stronach heute in der Wahlarena beim Privatsender PULS 4 ab.
Die Moderatoren bemühten sich zwar gemeinsam mit dem Publikum redlich, einige inhaltliche Aspekte anzusprechen, allerdings wurden sie meist enttäuscht. So prägten ständige, teils auch persönliche Attacken auf die Moderatoren, das Ignorieren von Fragen und altbekannte Stehsätze die Sendung. Nicht unerwähnt bleiben sollte aber auch, dass sich Rabl von Stronach teilweise provozieren ließ und in der Folge selbst unsachlich wurde.
Dennoch soll hier nun ein kurzer Versuch gemacht werden, die wichtigsten Inhalte zusammenzufassen:

Beim Thema Steuern wiederholte Stronach lediglich seine Forderung nach einer steuerlichen Erleichterung für Unternehmen, die in Österreich investieren. Ansonsten ging er auf die gestellten Fragen nicht ein.
Zumindest beim Thema Mindestsicherung wurde Stronach etwas konkreter. So stellte er erneut seine Sozialkarte vor, mit der Bedürftige das Nötigste zum Leben kaufen können. Dieser Betrag sollte höher sein als die bisherige Mindestsicherung. Zudem wünscht er sich höhere Mindestlöhne als bisher.
Eine Antwort auf die Frage, wie man denn zukünftige Pensionen sichern wolle, blieb Stronach schuldig. Nicht nur einmal an diesem Abend betonte er stattdessen, dass die Wirtschaft funktionieren muss und dass die Verwaltung in Österreich abgebaut gehöre.
Beim Thema Gesundheit verteidigte Stronach sein Bonussystem für jene, die weniger oft ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Demnach würden jene, die gesund leben, weniger Beiträge bezahlen. Dass dies kranke Leute von Ärztebesuchen abhalten könnte, um diesen Bonus zu erhalten, glaubt er nicht. Schließlich wissen die Menschen um die Bedeutung der Gesundheit.
Skurril wurde es dann bei der Frage nach dem Währungskonzept von Stronach. Dieser schlägt bekanntlich vor, dass jedes Land einen eigenen Euro bekommen soll. Dass dies im Prinzip nichts anderes wäre als die Rückkehr zum Schilling, hat Rabl zurecht angemerkt. Als dieser dann auch folgerichtig darauf hingewiesen hat, dass die Exporte für Österreich dadurch teurer werden, interessierte Herrn Stronach nicht. Dies sei schlichtweg nicht richtig.
Zum Ende der Diskussion verteidigte Stronach noch seinen Vorschlag der Bürgervertreter. So sollten in Zukunft nur mehr 100 Parlamentarier gewählt werden, weitere 50 Sitze würden an Bürgervertreter gehen. Zudem betonte er erneut, dass er die Aufregung ob der NSA-Skandale nicht verstehe. Er würde schließlich für Transparenz stehen und habe nichts zu verheimlichen.

Fazit Wolfgang Marks

Ein weiterer grotesker Auftritt des Milliardärs, der wohl keinen mehr überrascht. Was aber schon verwundert, ist der Umstand, dass Stronach sein Auftreten offensichtlich kaum schadet. In den Wahlumfragen hat er seit den Konfrontationen und seinem Befürworten der Todesstrafe sogar noch leicht zugelegt- auch wenn die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Dass er laut OGM-Umfrage im Anschluss an die heutige Sendung 20% der Befragten von seiner Wirtschaftskompetenz überzeugen konnte, lässt einen schon staunen. Denn bis auf den Stehsatz „Die Wirtschaft muss funktionieren“ haben wir dazu nicht viel gehört.

The following two tabs change content below.
Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.