In der heißen Phase des Wahlkampfs geben wir auf neuwal verschiedenen Politikern, Bloggern und Bürgern die Gelegenheit, einen Gastkommentar als Bewertung einer Partei zu veröffentlichen. Heute haben Stefan Markowitz vom Team Stronach und Niki Scherak von den neos die Gelegenheit, abseits der Fernsehkameras und mit ausformulierten Gedanken zu erklären, warum man das Team Stronach wählen sollte – oder eben nicht.

Warum man das Team Stronach wählen sollte

markowitzStefan Markowitz ist, geb. 1977, ist seit 2008 Nationalratsabgeordneter. Damals war er Abgeordneter des BZÖ, 2012 wechselte er in den neu gegründeten Team Stronach-Klub und wurde stellvertretender Klubobmann. Bei der Nationalratswahl ist er der Team Stronach-Spitzenkandidat für Kärnten.

Gerade als Bildungssprecher möchte ich die Stärken des Team Stronach in diesem Bereich aufzeigen. Wir sehen derzeit bei den Jugendlichen viele Alarmsignale, die bezeichnend für die Bildungssituation in Österreich sind. 30 Prozent der Fünfzehnjährigen können nur mangelhaft schreiben, rechnen und lesen. Über 70.000 junge Menschen besuchen keine weiterführende Schule, haben keine Lehre und keinen Job, da ihnen die wichtigsten Bildungsgrundlagen fehlen.

Der Bildungsschwerpunkt der jetzt zu setzen wäre liegt für uns vor allem in den Bereichen Gesundheit, Technik und Wirtschaft. Fächer dieser Art sollen besondere Berücksichtigung im Lehrplan finden. Man muss den Kindern praktisches und selbstständiges Arbeiten richtig vermitteln. Gerade die Praxis kann den Jugendlichen das notwendige Selbstvertrauen für den Arbeitsmarkt näher bringen. An unseren Schulen braucht es zeitgemäße Strukturen um unsere Kinder zu selbstständigen und ehrgeizigen Menschen zu erziehen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, da sowohl Schüler als auch Lehrer keine Motivation mehr haben. Wir wünschen uns mehr Mitspracherecht für die Eltern vor allem bei der Auswahl der Lehrer. Dies geschieht nicht, um Lehrer zu demotivieren, sondern rein um einen fairen Unterricht zu gewährleisten. Wenn Eltern die Chance gegeben wird, hier mitbestimmen zu dürfen, kann in den Schulen eine Art gesunder Wettbewerb entstehen. Voraussetzung für solch ein Modell ist natürlich eine ernste und auch vorbehaltlose Initiative der Eltern. Denn es gilt nur das Recht des Kindes zu schützen und nicht die eigenen Interessen zu vertreten. Doch eine unabhängige Schulverwaltung schafft auch hier Abhilfe. Für uns gilt: Politik und Parteibuchwirtschaft haben an einer Schule nichts verloren.

Auch Ernährung und Sport sollten bereits im Volksschulalter spielerisch vermittelt werden. Gesunde und vor allem richtige Ernährung ist für ein besseres Allgemeinbefinden der Kinder unerlässlich. In den Schulen ist Bewegung leider kein Unterrichtsfach welches besondere Wertschätzung findet. Allerdings ist dieser Ausgleich gerade im Lernalltag der Kinder besonders wichtig. Der Lehrplan sollte daher dringend reformiert und vor allem individuell an die Klassen angepasst werden.

Einen wesentlichen und für uns sehr wichtigen Anteil am Thema Bildung tragen die Lehrlinge. Aus diesem Grund muss die Lehrlingsausbildung in Österreich attraktiver gestaltet werden. Wenn wir hier nicht handeln, verliert Österreich einen großen Teil seiner wirtschaftlichen Attraktivität. Österreich ist ein Tourismusland und daher sollten gerade Lehrberufe dieser Sparte besonders gefördert werden. Der Beruf Rezeptionist stellt eine ideale Möglichkeit dar, um hier einen ambitionierten und spannenden neuen Lehrberuf zu schaffen.

Lernen und lehren sollte Freude machen und daher ist es wichtig, für beide Parteien Neuerungen und moderne Strukturen zu schaffen. Die Lehrerinnen und Lehrer sind Dreh- und Angelpunkt unseres Bildungssystems. Nur motivierte und auch verstandene Lehrer sind in der Lage die Möglichkeiten für einen modernen, fairen und fachgerechten Unterricht zu schaffen! Daher sollten auch die finanziellen Mittel die es braucht um diese Veränderungen herbeizuführen im Interesse der Bildung bessere Verteilung finden. Bei der Bildung in Österreich muss damit begonnen werden richtig zu investieren.

Daran müssen Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam arbeiten und diese Grundlage wollen wir in der Politik schaffen! Wir setzten uns dafür ein, denn die Zukunft eines Landes liegt bei seinen Kindern.

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Warum man das Team Stronach nicht wählen sollte

niki scherakNiki Scherak, geb. 1986, ist Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen und Mitglied im Vorstand von neos. Er war Unterstützer des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien und kandidiert für die Nationalratswahl auf Platz 1 der Landesliste Niederösterreich. Niki Scherak twittert und betreibt einen Blog.

Frank Stronach, ein Milliardär der sich die Politik kaufen will. Wieso macht er das? Man weiß es nicht. Angeblich weil er das dringende Bedürfnis empfindet, dass sich in Österreich etwas ändert. Aber wieso sammelt er dann eine Handvoll Hinterbänkler zusammen um mit einen Parlamentsklub zu gründen? Ich hab es bis heute nicht verstanden. Unterstützungserklärungen hätte er auch so zusammen bekommen. Also liegt es wohl an der Präsenz im ORF. Ok, ist zwar nachvollziehbar, aber darf man das? Rechtlich ist es offensichtlich in Ordnung. Aber widerspricht es nicht irgendwie den guten Sitten? Es widerspricht meiner Meinung nach aber auch dem demokratischen Prinzip. Das Recht geht bei Stronach nicht vom Volk aus, sondern von dem, der das Geld hat. Jedenfalls widerspricht diese Vorgangsweise der Grundidee, dass man Politik aus einem persönlichen Antrieb heraus macht. Dem jetzigen Stronach Parlamentsklub nehme ich es nicht ab, dass sie Politik machen, weil es ihnen darum geht etwas zu verändern. Die meisten waren schon unter Haider Hinterbänkler und waren meiner Meinung nach deswegen dabei, weil ein Abgeordnetengehalt ja gar nicht so schlecht ist. Politische Visionen? Null. Nicht mal Wahrheit – Transparenz – Fairness? Da fällt mir eigentlich nur die andere Version des WTF ein. Insbesondere bei Robert Lugar. Fragt man den nach seiner Meinung dann antwortet er: „Also Frank sagt…..“ Eigene Meinung? Nicht vorhanden. Wer zahlt, schafft an….

Das Team Stronach ist in Wahrheit eine One-Man Show. Schauen wir also auf Frank himself:  Viel Ahnung scheint er nicht zu haben. Auch wenn er immer wieder betont, dass er die Wirtschaft verstanden hat, weil er ein erfolgreicher Unternehmer ist. Ja und? Stronach beweist täglich, dass er weder die grundlegende politischen Themen noch die Basisregeln der Höflichkeit verstanden hat. Nicht nur, dass er sein Gegenüber im Fernsehen regelmäßig ungefragt duzt und in einer unglaublich arroganten Art und Weise herunterputzt. Nein, er kann auch auf die einfachsten inhaltlichen Fragen schlichtweg keine Antwort geben. Wie steht er zur gemeinsamen Schule der 10 bis 14-Jährigen? Naja, im Fußball würde er ja auch nicht unterschiedliche Altersgruppen miteinander spielen lassen. Geht’s noch? Auf eine der wichtigsten bildungspolitischen Fragen der zweiten Republik kann Frank Stronach eigentlich nur antworten, dass er die Frage nicht versteht. In meinen Augen eine echte Zumutung.

Darüber hinaus ist er sich nicht einmal sicher, ob er überhaupt im Parlament sitzen will. Naja, wenn es ihm gerade Spaß macht, wäre er schon da. Aber nicht immer. Nur wenn er halt gerade Zeit hat. Und das soll ein politischer Mandatsträger sein? Da hat wohl wer die Grundidee der repräsentativen Demokratie nicht verstanden. Ist ja bei ihm auch nicht so wichtig. Stronach’s Team wird ja auch nicht auf Listen gewählt, sondern von ihm einfach bestimmt. Wieder ein Beweis dafür, dass er die Demokratie offensichtlich nicht verstanden hat.

Wenn jemand wirklich Lust hat einen über 80-Jährigen zu wählen, dessen einziges Anliegen es offensichtlich ist sich selbst zu verwirklichen, und der dabei nicht nur kein politisches Programm hat, sondern sich auch noch all jene Leute ins Team holt, die Karriere vor politische Überzeugung stellen, dann kann ich nicht weiterhelfen und wünsche viel Spaß. Der Imageschaden für Österreich und für die Demokratie ist jedenfalls enorm…

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Pro & Contra – die Sicht von Außen.

Idee & Umsetzung Stefan Hechl
Mithilfe neuwal Redaktion
Titelbild-Design Theresa Klingenschmid
Die Gastbeiträge geben nicht die Meinung der neuwal-Redaktion wieder – die das „von Außen“ im Titel.