Die bürgerliche Großpartei gegen die bürgerliche Kleinpartei: das Match Spindelegger gegen Bucher war spannender als erwartet.

Ein großes Thema zwischen Spindelegger und Bucher war das sogenannte Zeitwertkonto, also jener Vorschlag der ÖVP, dass Arbeitnehmer sich ihre Überstunden nicht auszahlen lassen, sondern – falls Aufträge fertig werden müssen – mal 12h an einem Tag arbeitet und sich stattdessen ein anderes Mal zuhause bleiben kann. Auch wenn Ingrid Thurnher lange Zeit versuchte, sachliche Antworten der beide Diskutanten zu erhalten, konnte Spindelegger seine Idee etwas besser darlegen als bisher: Der Arbeitnehmer wird nicht verpflichtet, ein Zeitwertkonto zu nutzen, sondern er kann sich auch weiterhin die Überstunden auszahlen lassen. Bucher hält nichts davon.

Ingrid Thurnher fragte dann nach, wie ein Arbeitnehmer dabei sein Familien organisieren soll. Dabei erklärte Spindelegger, dass es wichtig sei, ganztägige Kindergärten sukzessive und bedarfsorientiert zu erhöhen.

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Als Thurnher darauf zu sprechen kommt, dass – obwohl man die Verwaltung abbauen wollte – die Vergabe von Familienleistungen auf noch mehr Ministerien als je zuvor aufgeteilt wurden. Dabei betonte Spindelegger, dass das stets angekündigte Transparenzkonto genau dies verringern sollte. Bucher holte dann seine „finanzpolitische Bibel“ (Vorschläge des Rechnungshofes zur Verwaltungsreform) heraus, wo Pläne drinnenstehen, wie man bis zu 7-10 Milliarden Euro einsparen könnte.

Beim Thema Steuern wird erklärt, dass die „Fair Tax“ (Flat Tax = einen einheitlichen Steuersatz) natürlich nur möglich ist, wenn man durch eine „wirkliche Verwaltungsreform“ die Ausgaben senken wird. Thurnher erklärt Spindelegger auch, dass sich in der kommenden Legislaturperiode lauf WIFO und IHS keine Steuerreform möglich sei, sondern viel eher ein Sparpaket notwendig. Spindelegger erklärt, dass es definitiv kein Sparpaket geben wird und spätestens bis 2016 bzw. 2017 ein Überschuss da ist und eine Steuerreform die Folge wäre.

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Und auch die Hypo Alpe Adria war wieder ein Thema. Bucher verwehrte sich dagegen, dass er dabei beteiligt ist. Spindelegger erklärt, dass Buchers Freund Jörg Haider die Haftungen in Höhe von 20 Mrd. unterschrieben hat, und dass Buchers Freund Jörg Haider Parteiobmann des BZÖs war. „Das lasse ich mir nicht gefallen.“

Seine bisher größte Authentizität lieferte Michael Spindelegger eindeutig, als er Bucher nicht mehr länger zuhören wollte, dass er vollkommen unschuldig am Hypo-Skandal sei. Dabei vergaß er seine Wahlkampfworte und ließ sich dieses „Aus-der-Affäre-Ziehen“ nicht mehr gefallen. Angenehme und überraschende Worte – ähnlich wie Faymann in der Konfrontation mit Bucher. Bucher nahm die Diskussion offenbar nicht so ernst – oftmals wollte er keine sachliche Antworten geben, sondern spaßte.

Redezeit am Ende:

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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