Mit Spannung hatten viele auf den nächsten Auftritt von Herrn Stronach nach seiner viel diskutierten Darbietung bei der Konfrontation mit Herrn Bucher gewartet. Und das gleich vorweg: wir haben einen ganz anderen Frank Stronach erlebt. Er hörte zu, antwortete meist auch auf die Fragen und reagierte auf das Gegenüber. Man hatte den Eindruck, dass er seine Haltung in der ersten Konfrontation im Nachhinein bereute. Außerdem fiel heute auch auf, dass sich Herr Stronach abseits der Wirtschaftsthemen sehr unwohl fühlt. Dies merkte man vor allem bei seiner Unsicherheit ob seiner Position zur Neutralität Österreichs.

Überrascht war man aber auch vom Auftreten von Herrn Spindelegger. Mit teils sehr lauter Stimme wirkte er in der heutigen Konfrontation äußerst angriffslustig und war darauf bedacht, das Gespräch zu dominieren. Er war offensichtlich darauf vorbereitet, Herrn Stronach in die Defensive zu drängen. Vielleicht hat er mit dieser Offensive auch Herrn Stronach etwas überrascht.

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Inhaltlich war die Debatte weniger überraschend. So wurden eher altbekannte Standpunkte ausgetauscht, denn neue Vorschläge auf den Tisch gebracht: So bezeichnete Stronach die ÖVP erneut als Bankenpartei und mithilfe der altbekannten Taferl zeigte er auf, dass die ÖVP auch eine Partei der Schuldenmacherei sei. Herr Spindelegger betonte in diesem Zusammenhang, dass man bereits eine Schuldenbremse und andere Reformen eingeleitet habe. Dies könne Herr Stronach aber nicht wissen, weil er sich ja vorwiegend in Kanada aufhalte. Dieser Vorwurf kam des Öfteren zur Sprache.

In Bezug auf kleinere und mittlere Unternehmen beteuerte Spindelegger, dass er die Lohnnebenkosten senken möchte. Generell wolle er keine neuen Steuern für die Unternehmer, dafür würden die Arbeiter mehr Netto vom Brutto bekommen. Stronach zückte wieder ein Taferl und betonte, dass Österreich überreguliert sei. Der Markt soll entscheiden, wer ein guter Unternehmer ist.

 

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In Sachen Privatisierungen will Stronach die Allgemeingüter nicht länger in den Händen der Parteien wissen, vielmehr sollten sie den Bürgern gehören. So sollen alle Steuerzahler Aktien der Unternehmen bekommen.

Unterschiede gab es dann auch noch in der Auffassung über die Situation in Syrien. Während Stronach einen Militärschlag durchaus für richtig erachtet, betont Spindelegger, dass dies nur mit einem UNO-Mandat gerechtfertigt sei.

 

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Emotional wurde es dann noch beim abschließenden Thema des Euro. Stronach will diesen zwar behalten, allerdings sollten die Länder auch auf- und abwerten können. Spindelegger bezeichnete dies als Schnapsidee und betonte die Wichtigkeit eines stabilen Euros.

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.