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Er ist der Star der diesjährigen Nationalratswahl: Frank Stronach hat für ein kleines politisches Erdbeben gesorgt. Ein Journalist hat sein Leben etwas unter die Lupe genommen.

WolfgangFürwegerWolfgang Fürweger
1971 in Wels (Oberösterreich) geboren. Seit 1996 Tätigkeit als Zeitungs- und Fernsehredakteur in Salzburg, aktuell Redakteur bei ÖSTERREICH. Der promovierte Politikwissenschahflter hat bereits mehrere Biografien bei Ueberreuter veröffentlicht, u.a. „Die Red Bull Story“ und „Ferdienand Piëch. Automanager des Jahrhunderts. Auf neuwal.com wurde bereits sein Buch „KHG“ rezensiert.

Wenn man in den vergangenen Monaten die Regale im Buchhandel beobachtete, konnte man den Glauben gewinnen, dass fast alle 4 Wochen ein neues Buch über Frank Stronach erschienen ist. Da wäre z.B. die Sammlung seiner Krone-Kolumnen, seine Autobiografie „Der Magna Man“ und eine etwas dubiose Streitschrift, weder für noch gegen Frank Stronach. Er scheint die Menschen zu bewegen, und das nicht nur seit seinem Einstieg in die Politarena.   

Stronachs größtes Problem ist er selbst: Zum einen werden viele Wähler überlegen, wieweit der politische Auftritt eines am Wahltag bereits 81-Jährigen ein Zukunftsprojekt ist. Zum anderen stellt sich die Frage, wie weit der Magna-Patriarch den Wahlkampf durchhält.

Fürweger beginnt mit seinen Ausführungen über Stronach in Weiz – wo er aufgewachsen ist, unter relativ ärmlichen Verhältnissen. Seine Geschichte, die Reise nach Kanada, der Aufbau seines Unternehmens ist eine perfekte Inszenierung des amerikanischen Traums. Mit 2.000 Dollar ein Start-Up zu gründen (damals hieß das ja noch nicht so) und rund 20 Jahre später als Multimillionär nach Österreich zurückzukommen: eine außergewöhnliche Geschichte. Das kann wohl auch niemand leugnen. Dass es jedoch mehrere Stolpersteine gab und er vor allem dank der Politik sein Imperium erst aufbauen konnte, verschweigt er heutzutage allzu gerne.

So war erst das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den USA, welche die kanadische Automobil(zulieferer)-Industrie derart nach vorne brachte. Und entgegen der heutigen Mystifizierung war es nicht Frank Stronach, der das Weltunternehmen Magna gegründet hat – vielmehr wurde seine Firma „Multimatic“ von Magna übernommen, und Frank Stronach sowie sein Kollege wurden dadurch jedoch zugleich in die obersten Ebenen des neuen Unternehmens katapultiert. Und Anfang der 90er wäre es schließlich beinahe zum Aus gekommen, hätte nicht ein guter Bekannter, ein Politiker der Liberalen in Kanada, bei Banken interveniert. So sehr er sich heute gegen den Einfluss der Politik auf die Wirtschaft scheut, so sehr hat sie ihn damals vor dem Untergang gerettet. Und auch in Österreich hat die damals staatliche VOEST den europäischen Zweig von Magna am Leben erhalten. Als Dankeschön wollte Magna diese dann im Laufe der Privatisierung übernehmen, was jedoch schlussendlich scheiterte.

Da Stronach aus seiner Sicht sein Reich im Sinne des „Fair Enterprise“ stets für alle zur vollsten Zufriedenheit führte, hielt er Betriebsräte und Gewerkschaften zeit seines Lebens für überflüssig und verachtete sie geradezu. Sie würden nur das Betriebsklima stören und den Frieden im Unternehmen gefährden.

Beim Lesen des Buches erfährt man auch, was Stronach zu heutigen politischen Aussagen bringt. „Fair Enterprise“, seine Unternehmensphilosophie (welche u.a. eine Beteiligung der Arbeitnehmer am Gewinn vorsieht) wirkt auf den ersten Blick sehr gelungen – was sie jedoch nicht vorsieht, sind Betriebsräte. Auch wenn es in Österreich gesetzlich vorgeschrieben ist, ab 5 Mitarbeitern einen Betriebsrat gründen zu können, kam es einmal zu einem Eklat, als eine Mitarbeitern eine solche Gründung anregte und dafür entlassen wurde.

Dass da auch die Politik versagt hat, zeigt sich an der Reaktion Viktor Klimas (damaliger SP-Bundeskanzler), welcher am Besten die Mitarbeiter selbst abstimmen lassen wollte – völlig außer Acht lassend, dass die Gründung eines Betriebsrates ja gesetzlich vorgeschrieben ist.

Rote und Nationale – zwischen diesen beiden Polen bewegte sich Stronach seit seiner Ankunft in Österreich in der öffentlichen Wahrnehmung.

Fürweger beleuchtet auch die politischen Verkettungen in Österreich vor seinem Eintritt in die Politik. Waren es Anfangs noch die SPÖ, welche ihn hofierten (SP-Kanzler Vranitzky saß während seiner Amtszeit als Aufsichtsrat bei Magna), kamen seine Lieblinge später aus der FPÖ: Grasser, Reichhold, Westenthaler und wie sie alle auch heißen kamen entweder vor oder nach der Politik zu ihm. Dass dies auch so manche Affären verursachte (wie z.B. die Involvierung in den Eurofighter-Kauf, oder das Schloss Reifnitz), versteht sich von selbst. (Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.)

Das Buch selbst ist gut lesbar, umfasst sein ganzes bisheriges Leben und wagt auch einen kurzen Ausblick. Fürweger hätte jedoch, ähnlich wie z.B. Hans-Henning Scharsach beim Strache-Buch, ebenso seine Quellen für die verschiedenen Inhalte vorlegen sollen. So kann man es zwar glauben, wirklich woanders nachlesen kann man es dadurch auf die Schnelle nicht.

FrankStronachBiografieWolfgang Fürweger

Frank Stronach
Eine Biografie
ueberreuter

Seiten: 185
ISBN: 978-3-8000-7554-6

Preis: [amazon_link id=“3800075547″ target=“_blank“ ]22,95 Euro (Hardcover)[/amazon_link] und [amazon_link id=“B00BZ59ZFA“ target=“_blank“]19,99 Euro (Kindle)[/amazon_link]

Wir bedanken und beim Ueberreuter Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

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