Immer wieder montags lädt Puls 4 in die Wahlarena. Diesmal zu Gast: Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

Nach der Auftaktwahlarena mit Josef Bucher ist dies erst das zweite Mal, dass sich ein Spitzenkandidat alleine den Fragen des Publikums und der Moderatoren stellen muss. Das Format der Wahlarena ist so ausgelegt, dass in erster Linie über die Fragen aus dem Publikum gesprochen werden soll. Vielmehr geben – nach einigem Beobachten – eher nur den thematischen Rahmen vor. Oftmals überwiegen die kantigeren Fragen der beiden Moderatoren Thomas Mohr und insbesondere Peter Rabl.

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Eva Glawischnig kam auch bei diesem Auftritt nicht der Frage nach direkter Demokratie und ihrem Fehlen bei der Umsetzung der Begegnungszone in der Mariahilfer Straße aus. Andere Themen waren unter anderem der Syrienkonflikt und darauf aufgebaut eine Frage zu Asyl und negativen Bescheiden. Dabei stellte sie klar, dass negative Bescheide, sollten die Verfahren nachvollziehbar gelaufen sein, auch zu einer Abschiebung führen können und müssen. Weiters wurde sie auch mit dem Vorwurf, Chefin einer Verbotspartei zu sein. Auch die Thematik des leistbaren Wohnens, der Green Jobs und Biolebensmittel und Steuern wurden angesprochen. Abermals, als das aktuelle Lemma der Grünen, positionierte sich Frau Glawischnig als saubere Partei, als Kämpferin gegen die Korruption.

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Fazit Wolfgang Marks

Nach dem überraschend starken Auftritt in der Konfrontation mit Heinz-Christian Strache wirkte Eva Glawischnig auch in der Puls 4 Wahlarena selbstbewusst und punktete mit konkreten Statements. Dass ihr schärferer Ton in Asylfragen wahltaktischem Kalkül geschuldet ist und auch sie beim Thema Pensionen sehr vage blieb, um die große Wählerschicht nicht zu vergraulen, war jedoch etwas enttäuschend. Etwas mehr Mut hätte hier nicht geschadet.

Herr Rabl, von dem ich in den bisherigen Wahlarenen eigentlich einen guten Eindruck hatte, hat heute etwas übers Ziel hinausgeschossen. Zu sehr hat er sich in die Diskussion eingebracht, anstatt sie zu moderieren. Zudem hat er sich in die Thematik der Mariahilfer Straße zu sehr verbissen. Wenn es in der Innenpolitik keine größeren Sorgen als diese Begegnungszone gibt, dann steht unser Land ja sehr gut da. Ganz unabhängig davon, wie man zu der Thematik steht.

Abschließend möchte ich sagen, dass Frau Glawischnig aus meiner Sicht heute nur in wenigen Situationen unsicher wirkte, ansonsten aber einen guten Eindruck hinterließ und glaubwürdig ihre Argumente darlegen konnte. Ob man sie nun teilt oder nicht, bleibt jedem Wähler selbst überlassen.

Fazit Dominik Leitner

Die aggressive Art, mit welchen sie bei der ersten ORF Konfrontation nach Meinung vieler Kritiker besser überzeugen konnte als ihr Kontrahent Strache, war in der Wahlarena verschwunden. Die Fragen des Publikums waren zur Hälfte direkte Konter gegen die Grüne Linie (Mahü und Wohnungspolitik), sie versuchte dabei zu erklären, dass viele Entscheidungen zwar eventuell anfangs unpopulär seien, aber man müsse sie zumindest versuchen. Und das Ziel sei die zukünftige Entlastung. Selten, dass ein Politiker beinahe visionäre Positionen (ob man sie nun gut findet oder nicht) vertritt, da oftmals kurzfristige (positive) Ziele den langfristigen (erst in Zukunft positiven) aufgrund der drohenden Wahlen vorgezogen werden.

Außerdem ist hervorzuheben, dass Peter Rabl, der mich bisher sehr überzeugt hat, hier mehrfach aus der Rolle des nachbohrenden Journalisten herausgeschlüpft ist, um persönliche Überzeugungen gegen die grüne Politik antreten zu lassen. Das steht ihm nicht gut und passt auch überhaupt nicht zum Format.

Nächsten Montag kommt dann Frank Stronach in die Wahlarena.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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