Transkript zum Interview der Kleinparteien: Lisa Gadenstätter im Gespräch mit Mirko Messner (KPÖ), Matthias Strolz (NEOS) und Christopher Clay (PIRAT) vom ORF am 30. August 2013.

Interview
Samstag, 31. August 2013, 00.00 Uhr
ZIB24, ORF1
Quelle: http://tvthek.orf.at/ (7 Tage abrufbar ab 20.08.2013)
Transkript durch: Dieter Zirnig und Dominik Leitner
Wortanteil im Diskurs

Name Partei Worte Zeichen Zeichen mit Leerzeichen
Abs. in % Abs. in % Abs. in %
Matthias Strolz NEOS 916 44.7 % 4.886 43.3 % 5.798 43.5 %
Christopher Clay PIRAT 578 28.2 % 3.225 28.6 % 3.801 28.5 %
Mirko Messner KPÖ 554 27.0 % 3.173 28.1 % 3.741 28.0 %
Gesamt 2.048 100 % 11.284 100 % 13.340 100 %

Berechnet mit Google Docs Wordcount auf Basis des Transkripts und der gesprochenen Worte.

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Abb. 1: Tagcloud aus allen Wörtern der ZIB24-Diskussion

Lisa Gadenstätter: Und ich darf jetzt die drei Spitzenkandidaten live im Studio begrüßen. Matthias Strolz von den NEOS. Schönen Guten Abend.

Matthias Strolz: Guten Abend.

Lisa Gadenstätter: Mirko Messner von der KPÖ, guten Abend.

Mirko Messner: Guten Abend.

Lisa Gadenstätter: Und Christopher Clay von den Piraten.

Christopher Clay: Guten Abend.

Lisa Gadenstätter: Ja, wir haben hier drei Politiker im Studio, die sehr viel zu sagen haben. Wir haben uns daher folgendes überlegt: Jeder der Spitzenkandidaten hat ein für seine Partei wichtiges Thema nomininert, über das wir dann mit den anderen Kandidaten diskutieren. Ich würde sagen, wir fangen gleich. Herr Strolz, ich darf Sie hier auf meine linke Seite bitten.

Matthias Strolz: Gerne.

Bildung

Lisa Gadenstätter: Die NEOS Das Neue Österreich schreibt sich Bildung als Kernthema auf die pinken Fahnen. Konkret soll die Parteienförderung gekürzt und die Gelder stattdessen ins Bildungssystem investiert werden. Zum Beispiel bräuchte es mehr Personal in Kindergärten. Außerdem will NEOS die mittlere Reife als Bildungsabschluss einführen. Und es bräuchte eine bessere Ausbildung und mehr Flexibilität als Lehrer in Österreich.

Herr Strolz, Sie haben einen sehr schönen Satz gesagt bei Ihrem Thema Bildung: „Ich habe einen Traum. Heben wir jedem Kind die Flügel.“ Schauen wir uns das einmal an. Sie haben gesagt, „den jahrzehntelangen Bildungsbeton soll man aufbrechen“, „Bildungspower statt Neugebauer“.

Lisa Gadenstätter: Wenn man Sie jetzt gerne wählen möchte. Vielleicht können Sie uns sagen, wie schaut denn für Sie die ideale Schule aus?

Matthias Strolz: Die ideale Schule ist eine Schule, wo die Kinder gerne hingehen. Und ich erlebe das an meiner ältesten Tocher. Sie kommt jetzt das zweite Jahr in die Schule. Die ist in so einer idealen Schule. In einer öffentlichen Schule. Es ist ein Schulversuch allerdings. Und die ist jeden Tag gerne hingegangen. Das ganze Jahr. Sie ist einen halben Meter gewachsen in diesem Jahr. Und warum war das so?

Ich habe sie einmal gefragt: „Was machst Du heute?“
Dann sagt sie: „Ich lerne heute das ‚K‘.“
„Das ‚K‘. Und was macht Deine Freundin, die Sarah heute?“
„Die lernt das ‚M'“, sagt sie.
Ich sage: „Aha, K, M. Das war bei mir anders. Wer entscheidet das?“
Dann sagt sie: „Papa“, antwortet sie mit 6 Jahren, „das entscheide ich“.

Und das ist es: Das individuelle Lerntempo. Die Kinder mitentscheiden lassen. Ihnen Freiheit zu geben. Ihnen die Flügel heben. Das ist mein Traum von Österreich: Jedem Kind die Flügel heben. Jeder von uns kann es: Du, Du, Sie. Jeder von uns hat Talente. Und die wollen wir heben. Und das gelingt uns im Moment nicht. Im Moment brechen wir Flügel.

27.5 % der 15jährigen, ein Viertel, können mit 15 nicht sinnerfassend lesen. Das ist eine Tragödie und das müssen wir ändern.

Lisa Gadenstätter: Lassen Sie mich kurz nachfragen, weil Sie auch gesagt haben, Herr Neugebauer ist Ihnen offensichtlich ein Dorn im Auge…

Matthias Strolz: Ja! Das ist ein Betonierer.

Lisa Gadenstätter: …Sie haben gesagt, Sie wollen – also, eine Koalition, die Sie sich vorstellen können – wäre Schwarz-Grün-Pink. Aber da werden Sie an dem Herrn Neugebauer nicht vorbeikommen. Warum soll es denn mit Ihnen funktionieren? Warum soll denn Herr Neugebauer sagen: „Ja, super, was Sie sagen, Herr Strolz?“

Matthias Strolz: Ja, eines ist klar. Wenn NEOS ins Parlament kommt, dann wird rot-schwarz keine Mehrheit mehr haben. Und ich glaube, das ist wichtig, dass dieses Machtkartell auch gebrochen wird. Das wird jetzt seit 68 Jahren…

Lisa Gadenstätter: Aber Herr Neugebauer ist schwarz.

Matthias Strolz: Aber eines ist auch klar. Das am 30., wenn NEOS reinkommt, eine Krisensitzung der ÖVP stattfindet. Und wenn NEOS drin ist, dann werden sie sich am 30. von Neugebauer verabschieden.

Lisa Gadenstätter: Okay.

Matthias Strolz: Weil die werden eine Analyse fahren: „Wie hat es NEOS geschafft?“ Und eine der Erkenntnisse wird sein: Bildung ist wichtig und die Leute haben die Nase voll von Menschen, die 13 Jahre verhandeln und dann immer noch nichts herausbringen.

Lisa Gadenstätter: Eine gewagte Aussage. Herr Clay, lassen Sie mich mal bei Ihnen nachfragen: Sie haben auch Bildung in ihrem Programm. Wie soll denn das bei Ihnen aussehen? Stimmen Sie mit den Positionen von Herrn Strolz überein?

Christopher Clay: Da sind viele schöne Worte gefallen. Also, ich stimme zu. Bildung ist ein Bereich, wo ein extremer Reformstau besteht. Schon seit Jahrzehnten. Und das ist wirklich der Schlüssel zu einer mündigeren Gesellschaft, wie auch die Piraten sie wollen. Wir wollen ja mehr Mitbestimmung für alle Menschen. Vorraussetzung ist, dass alle Menschen wirklich die Bildung genießen können, die ihnen individuell die Stärke gibt, hier mitzubestimmen. Ich kann halt bei Details des Programms der NEOS nicht mit, wenn es um Studiengebühren geht, usw.

Also, wir glauben, dass die Gesellschaft als Ganzes ganz klar profitiert, wenn möglichst viele Leute die Möglichkeit haben auch höhere Bildung zu genießen. Und, ich sehe keinen Grund, hier keine zusätzlichen finanziellen Hürden einzubauen. Ich glaube, damit schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Aber sonst sind wir da ziemlich weit auf einer Linie.

Matthias Strolz: Wobei „nachgelagerte Studiengebühren“.

Christopher Clay: Das stimmt.

Matthias Strolz: Das heißt: Wir haben das australische Modell. Der Staat schießt vor. Und wenn ich über ein gewisses Einkommensniveau in meiner Berufsbiographie meiner Karriere, dann zahle ich zurück. Ich glaube, das ist fair. Ich bin bei Dir: Jeder der studieren will, soll studieren können.

Lisa Gadenstätter: Herr Messner, wie sehen Sie das? Darf ich Sie kurz zwischenfragen?

Mirko Messner: Naja, ich sehe ein Hauptproblem darin, dass die Bildungspolitik heutzutage im Grunde reduziert. Also, das immer weniger ausgegeben wird für die Bildung im Vergleich zu den Ansprüchen, die eigentlich Bildung stellt an die Gesellschaft. Das in Personal zu wenig investiert wird, das in die Ausstattung der Klassen usw. zu wenig investiert wird. Bis zur Tatsache, dass die Studierenden heute, die meisten, nebenbei arbeiten müssen, um überhaupt studieren zu können. Also, das sind untragbare Zustände.

Lisa Gadenstätter: Sie haben da eigentlich alle im Prinzip ähnliche Positionen. Herr Messner, ich würde gerne mit Ihnen weitermachen. Ich bin gespannt, wie es beim nächsten Thema ist. Herr Strolz, ich danke Ihnen fürs Erste.

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Abb. 1: Tagcloud aus allen Wörtern von Matthias Strolz (NEOS) in der ZIB24-Diskussion

Umverteilung von unten nach oben

Herr Messner, Sie haben das Thema „Umverteilung von unten nach oben“. Ich darf Sie an meine linke Seite bitten. Die Kommunisten kämpfen – wenig überraschend – für eine stärkere Umverteilung: Weg von den sogenannten Reichen, hin zu den Armen. Zentrale Maßnahme soll eine Steuerreform sein, um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Die KPÖ will die Lohnsteuerfreigrenze von derzeit 11.000 EUR pro Jahr erhöhen. Außerdem sollen Vermögen stärker besteuert werden.

Mirko Messner: Ja, das ist eine kurze Zusammenfassung dessen, was wir uns vorstellen. Im Grunde geht es darum: Seit der neoliberalen Wende in Europa haben wir ein ganz großes Problem. Das Problem lässt sich so beschreiben, dass die Politik sich in eine Umverteilungsmaschine geändert hat, die in zunehmendem Tempo die Werte, die gesellschaftlich werden, von unten nach oben umverteilt. Also: Unten nimmt und nach oben hin gibt. Die Formen sind bekannt: Vermögenssteuer wurde schon vor längerer Zeit abgeschafft schon vor längerer Zeit. Körperschaftssteuer verringert. Steuerprivilegien für die Stiftungen eingeführt, usw. Könnte man den ganzen Katalog faktisch aufführen, will ich mir jetzt sparen. Auf der anderen Seite haben wir…

Lisa Gadenstätter: Aber können wir es vielleicht konkret machen? Entschuldigung, wenn ich Sie unterbreche. Was erwartet denn den Wähler, wenn Sie jetzt sagen: „Eine Umverteilung“. Was konkret wird da jetzt umverteilt?

Mirko Messner: Na die gesellschaftlichen Werte. Das Geld. Das heißt: Das, was unten geschaffen wird, soll auch unten bleiben und soll nicht nach oben umverteilt werden. Denn die Folgen der Umverteilung sind an bestimmten Zahlen abzulesen, die für sich sprechen: Wenn 1 % der Bevölkerung über ein Drittel des gesamten Vermögens verfügt und die untere Hälfte der Bevölkerung über 4 % des Vermögens, dann ist es ein Ungleichgewicht, das in Wirklichkeit sich auch anders beschreiben lässt: Wir haben 1.5 Millionen Arme bzw. durch die Armut gefährdete Personen auf der einen Seite und andererseits an die knapp 90.000 Millionäre in Österreich.

Lisa Gadenstätter: Also Stichwort „Vermögenssteuer“. Ab wann soll denn die…

Mirko Messner: Vermögenssteuer ist viel zu klein gegriffen. Also Vermögenssteuer ist heute ein Luftgitarrenkonzert der SPÖ.

Lisa Gadenstätter: Wie würde das bei Ihnen ausschauen?

Mirko Messner: Konkret einzuführen. Denn, wer hat die Vermögenssteuer abgeschafft? Man kann sich vielleicht noch erinnern, wenn man noch ein bisschen zurück nachdenkt. Unter einem SPÖ-Minister ist die Vermögenssteuer abgeschafft worden. Heute wird ein Luftgitarrenkonzert geführt.

Lisa Gadenstätter: Auf welcher Höhe soll es denn bei Ihnen kommen?

Mirko Messner: Die Vermögenssteuer zum Beispiel ab einem Einkommen von 100.000. Dem Spitzensteuersatz wieder anzuheben auf das Niveau, auf dem man sich bereits einmal befunden hat: 62 %.

Lisa Gadenstätter: Okay. Ab einem Einkommen von 100.000 EUR eine Vermögenssteuer? Was sagen die Herren?

Matthias Strolz: Also, das wär dann eine Einkommenssteuer, keine Vermögenssteuer. Das sind zwei unterschiedliche Töpfe. Wir NEOS wollen da einen ganz anderen Weg gehen. Ich glaube, der eigentliche Skandal ist, dass uns zu viel aus dem Hosensack gezogen wird und aus der Geldtasche. Wir haben eine Steuer-Abgabenquote, die liegt bei 45% schon fast. Das heißt, von dem Hunderter, den Sie verdienen, Frau Gadenstätter, schneidet die Regierung 45 weg, am Monatsende. In Deutschland sind’s 40, in der Schweiz sind’s 28. Und dann gehst in die Schweiz, da gibt’s Schulen, da gibt’s Straßen, da gibt’s Hochschulen,. Sogar bessere wie bei uns. Und da fragst dich: Was passiert mit dem Geld in Österreich?

Wir haben eine Parteienförderung, die ist 13 mal höher wie in Deutschland. Wir verschwenden Geld. Zum Beispiel die über 20 Sozialversicherungsanstalten können wir zusammenlegen. Wir haben einen Föderalismus, wo wir im Gesundheitssystem Milliarden verlochen… Unser Ziel ist, 2020 10 Prozent für jeden/jede ÖsterreicherIn mehr in der Geldbörse. Insgesamt runter damit.

Lisa Gadenstätter: Herr Clay.

Christopher Clay: Ich glaub‘ die Wahrheit ist irgendwo in der Mitte. Es geht nicht darum einfach pauschal alle Steuern zu senken, es geht darum, dass es treffsicher ist. Also warum sollen Einkommen von Arbeit stärker besteuert sein als von Spekulation, von Vermögenszuwächsen. Da muss man nachjustieren. Und wir wollen, dass es einen Grundsockel für alle Menschen gibt, unter den niemand fallen kann. Ich platziere mich da irgendwo in der Mitte zwischen den beiden Herrschaften.

Lisa Gadenstätter: Gut, aber wer soll denn das finanzieren?

Mirko Messner: Ich seh‘ das ein bisschen anders. Also ich sehe da eine Systemfrage. Die Systemfrage besteht darin, dass wir in Europa es zu tun haben mit einem Niederreißen des Sozialstaates. Und dieses Niederreißen des Sozialstaates geht in Südeuropa schnell vor sich, gewalttätig, mit offener Brutalität. Bei uns stückweise, Salamitaktik-mäßig, aber genauso perfide und genauso effizient.

Matthias Strolz: Seh ich nicht, Mirko Messner. Seh ich nicht.

Mirko Messner: Naja, das ist ja kein Wunder.

Matthias Strolz: Wir leben seit 50 Jahren auf Pump. Wir machen seit 50 Jahren jedes Jahr verlässlich Schulden.

Mirko Messner: Von wem sprechen Sie, wenn Sie von wir sprechen?

Matthias Strolz: Unser Gemeinwesen.

Mirko Messner: Ja, aber…

Matthias Strolz: Unser Pensionswesen.

Mirko Messner: Sprechen Sie von den 1% der Vermögenden, oder von der anderen Hälfte …

Matthias Strolz: Nein, nein. Ich spreche z.B. von Leuten, die soziale Gerechtigkeit plakatieren. Ein Herr Blecha, der 10.000 Euro Pension pro Monat kassiert, und das seit zweieinhalb Jahrzehnten. Das ist absurd. Wenn wir Studenten haben, Lehrlingsabsolventen, die nicht einmal ein bezahltes Praktikum bekommen. Und ich will natürlich dort auch hineinschneiden, bei diesen Pensionsprivilegien, beispielsweise. Vielleicht können wir uns da treffen.

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Abb. 1: Tagcloud aus allen Wörtern von Mirko Messner (KPÖ) in der ZIB24-Diskussion

Datenschutz

Lisa Gadenstätter: Vielleicht könnten Sie vermitteln, Herr Clay, weil sie stehen ja in der Mitte. Wie gesagt, sie würden von beiden etwas nehmen. Vielleicht kann ich dieses Thema auch dabei belassen, man könnte wirklich sehr viel länger darüber diskutieren. Ich würde jetzt nämlich gerne zu ihnen kommen. Ich darf sie auf ihren Platz bitten und sie herüber, Herr Clay. Die Piratenpartei hätte am liebsten Edward Snowden als Spitzenkandidat ins Rennen geschickt, der Whistleblower würde nämlich das Kernthema der Piraten am besten vertreten, den Datenschutz. Der Skandal rund um die US-Überwachungsprogramme wie PRISM hat da eine aktuelle Steilvorlage geliefert, die Piraten fordern daher Datenschutz, außerdem sollen Bürger besser vor Überwachung und Bespitzelung durch den Staat geschützt werden. Herr Clay, Datenschutz ist aktuell wie nie zuvor, eben durch NSA, warum haben sie dann das für ihre Partei nicht nutzen können?

Christopher Clay: Ähm, also einerseits als das Timing genau richtig war, waren wir mit dem Sammeln der Unterstützungserklärung sehr beschäftigt, die viele unserer Ressourcen getroffen haben. Aber wir haben viel gemacht. Wir haben einen 6-Punkte-Plan aus dem Überwachungsstaat vorgelegt, Anti-Prism.eu, in der sich 20 internationale Piratenparteien angeschlossen haben, der von uns ausgegangen ist. Wir haben eine Demonstration vor der US-Botschaft gemacht, in einer Woche gibt es eine weitere. Wir haben viel gemacht, medial ist davon nicht alles angekommen.

Aber, was man bei dem Thema betonen muss, ist, dass es da um nichts Geringeres geht als um die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Demokratie. Privatssphäre ist ein Menschenrecht und nicht ohne Grund wurde im Staats-Grundgesetz das Briefgeheimnis sehr prominent platziert. Im digitalen Raum, wo wir heutzutage am meisten kommunizieren, ist das alles nicht in dieser Form existent. Und das geht so nicht weiter. Und wir brauchen uns allein die Vorkommnisse der letzten Woche anschauen, um zu sehen, wie sehr das ein Problem ist, das alle betrifft.

Es gab die Nachricht, dass die Amerikaner in Wien einen Abhörposten betreiben. Die Ministerinnen schieben sich gegenseitig die Zuständigkeit dafür zu, keiner will zuständig sein für die Verteidigung unserer Bürgerrechte. Der Minister Klug sagt, wir dürfen nicht wissen, inwiefern mit dem NSA kooperiert wird. Patientendaten werden weitergegeben, das zeigt alles, das wir …

Lisa Gadenstätter: Darf ich da jetzt ganz kurz zwischenfragen? Es stimmt natürlich alles, allerdings kommt das offenbar bei der Bevölkerung nicht an. Sie liegen bei ungefähr 2%, und es scheint auch nicht zu steigen. Warum kann man der Bevölkerung nicht vermitteln, dass das wirklich ein wichtiges Thema ist?

Christopher Clay: Die Schwierigkeit ist, dass es halt unsichtbar ist.

Lisa Gadenstätter: Liegts an Ihnen?

Christopher Clay: Das man nicht sofort davon betroffen ist. Nein.

Lisa Gadenstätter: Machen Sie hier zu wenig?

Christopher Clay: Nein, ich glaub nicht, dass es an uns liegt. Aber nach diesem Nationalratswahlergebnis, obs jetzt 4,0 oder 3,9 liegt, wird dieses Thema ein größeres Thema sein. Auch die anderen Parteien werden da endlich aufwachen müssen. Aber es ist halt unsichtbar. Wenn ich in der Früh zum Briefkasten gehen würde, und alle meine Briefe sind aufgerissen, und ich weiß nicht, wer hat sie kopiert, wo sind die Daten gelandet, warum, wer speichert sie? Dann würden die Leute auf die Barrikaden gehen. Dasselbe passiert im Netz, nur man siehts halt nicht.

Lisa Gadenstätter: Herr Messner, sind sie eigentlich auf Facebook oder Twitter?

Mirko Messner: Derzeit noch nicht, nein.

Lisa Gadenstätter: Wie stehen sie zu diesem Ganzen. Ist das eher für Sie eine Bedrohung des Datenschutzes, die Social Media, stimmen sie da überein mit dem Herrn Clay?

Mirko Messner: Naja, es ist beides, es ist beides. Es ist eigentlich auf der einen Seite eine große Kapazität, eine große Möglichkeit zu kommunizieren. Auf der anderen Seite ist es durch die Transparenz, die dort herrscht, und die völlige, das völlige Offensein auch der privaten Daten natürlich das beste Polizeiarchiv, was man sich vorstellen kann.

Lisa Gadenstätter: Herr Strolz, die Piraten hätten gerne Edward Snowden als Spitzenkandidaten gehabt? Was hätten sie denn mit Edward Snowden gemacht?

Matthias Strolz: Wir haben ja auch gesagt, wir wollen zumindest dass Österreich hier auch Asyl anbietet, dem Herrn Snowden. Unsere Losung als neos lautet, „Gläserner Staat, nicht gläserne Bürger“ und ich find das gut, was die Piraten hier machen. Wir haben ja auch gemeinsam vor der amerikanischen Botschaft demonstriert. Uns ist es genauso ein Anliegen, wir haben ganz viel engagierte Leute bei uns, wir sind mit dem aufgewachsen. Und natürlich ist das ungeheuerlich, was hier passiert. Und ich glaube, dass Europa sich auf die Hinterfüße stellen sollte und sich das nicht alles gefallen lassen sollte in dieser Form. Also da suchen wir auch weiterhin die Zusammenarbeit mit allen Kräften guten Willens.

Lisa Gadenstätter: Ein Thema noch: Die Patientendaten, die weitergegeben worden sind, an alle drei. Warum war denn da von ihnen so wenig zu hören an Empörung?

Christopher Clay: Wir haben unsere Presseaussendungen gemacht, das müssen Sie ihre Redaktion fragen, warum das nicht …

Lisa Gadenstätter: Ja, aber Presseaussendungen an sich sind ja irgendwie ein bisschen wenig, also.

Christopher Clay: Wir haben unsere Positionierung dazu abgegeben.

Lisa Gadenstätter: Sie meinen, es geht alles auch mit einer Presseaussendung.

Christopher Clay: Als Kleinpartei mit wenig … nein, es geht natürlich nicht nur mit Presseaussendungen, aber mit wenig Öffentlichkeit muss man seine Energien gezielt einrichten.

Mirko Messner: Ich glaube, dass diese Weitergabe der Patientendaten nur die Spitze des Eisbergs ist. aus die Kooperation des Gesundheitswesens mit den Pharmakonzernen. Und das ist ein Knackpunkt, der in der Gesellschaft eigentlich noch zu wenig bewusst gemacht worden ist und der gelöst gehört. Das heißt: die Pharmakonzerne müssen ihre dominante Position im Gesundheitswesens verlieren. Wir sind für Vergesellschaftung der Pharmakonzerne.

Matthias Strolz: Also, wir haben hier auch protestiert, Wieland Alge, einer unserer Kandidaten, Spitzenkandidat in Tirol, ist mit dem Thema ein Spezialist. Das geht natürlich gar nicht. Und hier hat die Politik auch entschlossen und schnell gehandelt, der Druck war auch groß, das finde ich gut.

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Abb. 1: Tagcloud aus allen Wörtern von Christopher Clay (PIRAT) in der ZIB24-Diskussion

Frau Gadenstätter, ich habe noch ein wichtiges Anliegen, bevor wir dann in die Schlussgerade kommen, und ich glaube, das teilen wir auch. Wir freuen uns, dass wir heute da sind. Ich möchte auch meinen Respekt den ORF JournalistInnen und Journalisten kundtun. Ich glaube, Sie machen einen guten Job und bemühen sich aufrichtig, unabhängige Berichterstattung. Womit wir nicht einverstanden sind – und ich glaube, das teilen wir alle Drei – sind die Zulassungsregeln für die Konfrontationen. Wir haben 16 Konfrontationen im ORF. Und einmal kommen die drei Nichtparlamentsparteien vor. Das wäre, wie, wenn die Wiener Austria, die in der Champions League spielt. Sie hat die Qualifikation geschafft. Die Qualifikation ist die bundesweite Kandidatur. Und die Wiener Austria müsste jetzt immer mit einem Strafaufschlag von zwei Gegentoren beginnen. Das wäre nicht fair.

Lisa Gadenstätter: Herr Strolz, ich danke Ihnen für das Statement. Ich hätte Sie gerne noch eine Schlussrunde gefragt. Deswegen waren Sie ja…

Matthias Strolz: Aber darf ich Ihnen den offenen Brief übergeben. Unser Protest.

Lisa Gadenstätter: Deswegen waren Sie ja heute hier und wie haben Ihnen die Möglichkeit, die Bühne geboten. Ich danke Ihnen sehr.

Matthias Strolz: Ja, wir wollen noch öfter kommen. Das ist unser Thema.

Lisa Gadenstätter: Danke für Ihre Ansagen. Und, dass sie uns einen Einblick gegeben haben, eben diese drei Themen, die für ihre Parteien die größten sind. Noch vielen herzlichen Dank, dass wir das so auf engem Raum machen konnten. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

Herzlichen Dank an die Herren.

Christopher Clay: Danke vielmals.

Matthias Strolz: Danke schön.

Vermögenssteuer ist heute ein Luftgitarrenkonzert der SPÖ. #ZIB24 Transkript – Interview mit Mirko Messner…

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  • dasE0

    Ganz oben. Erster Absatz. „Lisa Gadenstätter im Gespräch mit Mirko Messner (KPÖ), Matthias Strolz (NEOS) und Mario Weis (PIRAT) vom ORF am 30. August 2013.“

    Bitte „Mario Weis“ durch Christopher Clay ersetzen.
    Danke