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Schaukarten, Steuerrechner und Untergriffigkeiten – ein kurzes erstes Fazit der ersten Konfrontationen. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Nach dem ersten Kanzlerduell am vergangenen Montag auf Puls 4 und den ersten beiden Konfrontationen im ORF haben wir alle Spitzenkandidaten der im Nationalrat vertretenen Parteien zumindest einmal gesehen. (BZÖ-Mann Bucher sahen wir sogar schon ein zweites Mal) Und für einen politisch interessierten Menschen wie mich ist somit eine sehr spannende Zeit angebrochen. Welche Attacken überlegen sich die Kandidaten? Welche Goodies nehmen sie mit ins Studio (Straches Rückrat für Haider 2008 ist legendär)? Und wer kann am Besten mit Inhalten punkten?

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vom Format der Wahlarena auf Puls 4 etwas mehr angetan bin. Klar, die Überinszenierung kann man natürlich kritisieren, doch nachdem ich zwei Mal selbst im Studio war, muss ich sagen, dass bei diesem Format politische Inhalte etwas besser offenbart wurden. Und dabei stört mich auch kein Peter Rabl, der genüsslich nachbohrt, wenn Antworten fehlen. Bei den ORF-Diskussionen ist der auferlegte Zeitrahmen denkbar knapp, die Themen werden oft nur kurz angeschnitten und die Redezeit teilt sich mit Moderatorin Ingrid Thurnher durch drei. Fünfzehn Minuten für geschätzte 10 Themen pro Sendung sind knapp kalkuliert. Und ein weiterer Pluspunkt von Puls 4: das Publikum. Parteifunktionäre im ORF-Publikum erschaffen Applaus, wo womöglich der Großteil der repräsentativen Bevölkerung nicht klatschen würden. Bei Puls 4 kommt der Applaus seltener, aber sinnhafter.

Und wie haben sie sich nun geschlagen, die Herren Politiker und die Frau Politikerin? Faymann wirkte etwas defensiv, aber überraschend souverän im „Duell“ gegen Spindelegger, dieser kannte zwar auf alles eine Antwort, ging aber nur selten auf die Frage ein. Glawischnig war überraschend angriffslustig und positionierte sich erneut als Anti-Korruptionskämpferin, wohingegen Strache beinahe zu ruhig blieb. Stronach pochte wieder einmal auf sein Rederecht, kritisierte das Format, welches ihm die Möglichkeit gibt, sich zu präsentieren und verlor dadurch ungefähr die Hälfte seiner Redezeit. Und der als „eh ein netter Bursch“-beschimpfte Bucher? War da. Wirkte neben Stronach derart besonnen, und war sich wahrscheinlich dem Niveau der Diskussion bereits bewusst, dass er es für am besten hielt, sich eisern zurückzuhalten.

Der ORF bietet zur Wahl auch ein Archiv in seiner TVThek an. Darunter zu finden ist u.a. eine Konfrontation zwischen Bruno Kreisky und Josef Taus aus dem Jahre 1975. Das Besondere daran: alles lief ohne Moderator ab, der eine bekam den Einstieg und der andere durfte die Abschlussworte sagen. Und da auf Twitter bereits auf die Wiedereinführung eines solchen Formates gepocht wurde, möchte ich sagen: In Zeiten eines Frank Stronachs ist dies definitiv nicht mehr möglich.

Dass die NEOS per Presseaussendung fordern, dass auch die Kleinparteien zu den Diskussionen im ORF eingeladen werden sollen, überrascht nicht. Jetzt gehen sie, im Zuge des Intensivwahlkampfes im TV völlig unter. Vielleicht sollte man sich nun jener Medien bedienen, auf welchen man vorbildlich vorpreschte. Dass der ORF seine Meinung so schnell ändert, darf bezweifelt werden.

Bildquelle: NamensnennungKeine kommerzielle NutzungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von onkel_wart (thomas lieser)

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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