In der heißen Phase des Wahlkampfs geben wir auf neuwal verschiedenen Politikern, Bloggern und Bürgern die Gelegenheit, einen Gastkommentar als Bewertung einer Partei zu veröffentlichen. Heute geht es darum, warum man die Grünen wählen sollte, beziehungsweise warum dies eine schlechte Idee wäre.

Warum man die Grünen wählen sollte

eva glawischnigEva Glawischnig
ist seit 2009 die Bundessprecherin und Spitzenkandidatin der Grünen. Sie ist in diesem Wahlkampf die einzige Frau, die als Spitzenkandidatin um Mandate kämpft.

Wir haben uns viel vorgenommen: Wir retten die Welt – jeden Tag ein Stück. Wir sind überzeugt davon, dass das möglich ist.

Die Grünen stehen für einen politischen Neubeginn in Österreich. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt: reich an Naturschätzen, reich an Talenten, reich an Chancen. Wir Grüne wollen diese Chancen nutzen. Gemeinsam mit den vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern wollen wir Österreich positiv verändern. Wir wollen eine Gesellschaft bauen, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht. Dazu braucht es auch eine andere Art des Regierens. Der Rot-Schwarze Stillstand der letzten Jahre muss durchbrochen werden. Starke Grüne sind der beste Garant dafür, dass sich endlich etwas ändert. Dass längst überfällige Reformen, die SPÖ und ÖVP konsequent verschlafen oder blockiert haben, endlich umgesetzt werden. Das alles und noch viel mehr kann mit einer Stimme für die Grünen Wirklichkeit werden.

Die Grünen stehen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld. Statt Korruption und Misswirtschaft brauchen wir Investitionen in Bildung, Forschung, Energiewende und Umwelttechnologien. Österreich kann es schaffen, von milliardenteuren Öl- und Gasimporten aus geopolitischen Krisenregionen wie z.B. Russland und Kasachstan völlig unabhängig zu werden. Eine Stimme für die Grünen kann das möglich machen. Bis zum Jahr 2020 können wir den gesamten Strombereich auf 100% erneuerbare Energie umstellen. Das hilft gegen den Klimawandel, die riskante Atomkraft und immer höhere Rechnungen für Öl und Gas. Und schafft die Arbeitsplätze der Zukunft, wie auch ein faires Bildungssystem, das allen Kindern dieselben Chancen auf beste Bildung eröffnet, ein wesentlicher Beitrag ist, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Eine Stimme für die Grünen kann so viel bewirken. Sauberes Wasser, gute Luft und eine intakte Natur sind kein Luxus, sondern unsere Lebens-Grundlage. Jedes Kind soll gesunde Luft atmen – nicht gefährlichen Feinstaub. Dazu wollen wir auch eine Verkehrswende: Ausbau der öffentlichen Verkehrsmitteln und leistbare Tarife. Das Wiener Erfolgsmodell des 365-Euro-Jahresticket, das bereits auch in Tirol, Salzburg und Vorarlberg in Vorbereitung ist, soll österreichweit in allen Bundesländern kommen. Eine Stimme für die Grünen hilft Geld zu sparen. Wer regelmäßig Öffis nutzt, zahlt durch das Jahresticket deutlich weniger.

Wir glauben daran, dass mehr BIO möglich ist und wir wollen unsere Lebensmittel am liebsten ohne Skandale. Die KonsumentInnen haben ein Recht zu erfahren was drin ist im Essen. Deswegen wollen wir eine klare Kennzeichnung und strengste Kontrollen. Bis 2020 können wir es schaffen, den Anteil der Bio-Bauern zu verdoppeln. Und wir wollen, dass es künftig in allen Kindergärten, Schulen, Horten und Krankenhäusern 100 % Bio-Essen gibt. In der Stadt Salzburg, wo die Grünen seit vielen Jahren mitregieren, haben wir das schon fast erreicht. 90% der städtischen Kindergärten werden dort mit 100% Bio versorgt. Das sind Erfolge, die durch eine Stimme für die Grünen möglich

Eine Stimme für die Grünen bedeutet auch, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die sich um die Schwächsten kümmert und mit MigrantInnen wertschätzend umgeht. Und wo Frauengleichstellung kein Thema mehr ist, weil Frauen einfach gleichgestellt sind. Das muss nicht mehr länger Zukunftsmusik sein. Starke Grüne stehen für eine Politik die sich darum kümmert, wofür sie eigentlich gewählt ist: die drängenden Probleme unserer Gesellschaft zu lösen. Mit einer Stimme für die Grünen ist das möglich. Und noch viel mehr. Darum am 29. September Grün wählen!

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Warum man die Grünen nicht wählen sollte

675BAE58-5742-44EA-B8B1-B2F44B781676@homeNatascha Chrobok
ist Unternehmerin aus Wien und bloggt unter lebenszeichen.nattl.at Man findet sie auf Twitter unter @nattl

Vor einigen Wochen starteten die Grünen den Wahlkampf mit einem kurzen Werbeclip für das grüne Sommerkino. Dieser zeigt die politischen Mitbewerber der Grünen als Kinder auf Federwippen (Hutschpferterln), die sich um einen Sitzplatz im Kino streiten. Einzig  Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat als Erwachsene die Kontrolle in der Hand und maßregelt die Kleinen, damit diese doch endlich den Mund halten. Dieser Werbespot hat den Grünen neben dem erwartbaren Jubel aus den eigenen Reihen mitunter auch einiges an Hähme und Spott eingebracht.

Aber die Grünen hätten sich nicht besser präsentieren können als in diesem Werbespot, denn das Auftreten von Glawischnigg charakterisiert genau, wer die Grünen sind und wofür sie stehen: eine arrogante, spaßbefreite Nannypartei von Biedermännern und -frauen, die uns als Kinder betrachtet, welche die führende Hand eines Erwachsenen, der weiß, was gut für sie ist, benötigen. “Kinder, jetzt ist Schluss mit lustig! Seids schön brav und still, Fräulein Rottenmaier zeigt euch, wie das Leben funktioniert.”

Dabei konnte ich seinerzeit für die Grünen ohne weiteres auch Sympathien aufbringen. Einen Van der Bellen konnte man als durchaus als charmant bezeichnen, obwohl auch bei ihm zuweilen der Oberlehrer durchkam. Aber darüber konnte man durchaus hinwegsehen und es als den Spleen eines alternden Beamten verstehen. Auch ein Voggenhuber war mitunter ein grüner Politiker, dem man Respekt zollen konnte, wenn seine politischen Ansichten zuweilen wirr waren. Die Häckelrunde, mit der die grünen Damen (samt X-Chromosom-Anhang) dieser Tage antreten, mutet da eher wie der Jahreskongress der Gouvernanten an. Die Grünen haben die ÖVP als Partei der kleinbürgerlichen Spiesser und spaßbefreiten Moralapostel abgelöst. Darüber können auch bunte Kleckse im Parteiprogramm wie die Homoehe nicht hinwegtäuschen.

Gut, man muss den Grünen zugute halten, dass es in ihren Reihen im Vergleich zu den politischen Mitbewerbern praktisch keine Anzeichen von Korruption gibt. Allerdings kommt das daher, dass sie bis jetzt noch keinerlei Möglichkeit hatten, im großen Spiel überhaupt mitzuspielen. Und dass auch die Grünen dazu neigen, Parteifreunderln gutbezahlte Posten im quasi öffentlichen Dienst zu verschaffen, kann man sehr gut in Wien sehen.

Österreich, genau wie die ganze EU, befinden sich in einer Dauerkrise (sowohl wirtschaftlich wie auch politisch), die sich auf absehbare Zeit nicht ändern wird, da einige Interessensgruppen erkannt haben, dass sich mit dieser Krise gutes und vor allem leichtes Geld verdienen lässt. Gerade in solchen Zeiten bedarf es Personen in der Politik, die für ihre Prinzipien einstehen, die Rückgrat und (verzeihen Sie den Ausdruck) Eier besitzen. Dies alles vermisst man bei den Grünen, die letzten Endes jedes noch so schwachsinnige Gesetz mitbeschließen, auch wenn sie vorher das Gegenteil behaupten.

Die große Koalition ist in Österreich mittlerweile praktisch in den Verfassungsrang erhoben, die beiden Regierungspartei SPÖ und ÖVP sind gar nicht mehr in der Lage, sich vorzustellen, dass sich hier etwas ändert. Dabei stehen die Chancen hoch, dass sich dieses Mal tatsächlich keine Mehrheit mehr für SPÖVP ausgeht. Und hier kommen die Grünen ins Spiel: sie bieten sich förmlich an, den beiden Großparteien als Steigbügelhalter nochmals in den Sattel zu helfen und die große Koalition um weitere fünf Jahre einzuzementieren. Da helfen alle Beteuerungen von Glawischnigg und Co nichts, dass dem nicht so sei. Die einzige Möglichkeit für die Grünen, in absehbarer Zeit in die Regierungsverantwortung zu kommen ist eine Allianz mit den Großkoalitionsparteien.

Österreich braucht einen innenpolitischen Kurswechsel. Wie dieser angesichts des derzeit in der österreichischen Innenpolitik Panoptikums an agierenden Personen aussehen soll, möglich sein soll, vermag ich nicht zu sagen. Allerdings ist eine Stimme für die Grünen der Garant dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Und wollen wir das wirklich?

(Der Text von Natascha Chrobok wurde unter der Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz veröffentlicht)

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Pro & Contra – die Sicht von Außen.

Idee & Umsetzung Stefan Hechl
Mithilfe neuwal Redaktion
Titelbild-Design Theresa Klingenschmid
Die Gastbeiträge geben nicht die Meinung der neuwal-Redaktion wieder.
  • Alfred Trötzmüller

    „Die Grünen sind eine arrogante, spaßbefreite Nannypartei…“
    HaHaHaHa…

    „Die Grünen, die letzten Endes jedes noch so schwachsinnige Gesetz mitbeschließen…“
    Viele Gesetze wurden in Verhandlungen verbessert, viele andere nicht mitbeschlossen. Welche von den mitbeschlossenen „schwachsinnig“ sein sollen, wird leider nicht gesagt.

    „Die einzige Möglichkeit für die Grünen, in absehbarer Zeit in die Regierungsverantwortung zu kommen ist eine Allianz mit den Großkoalitionsparteien.“
    Ja, leider. Mit den Neos und Piraten wird sich’s nicht ausgehen. Und mit FPÖ und FRANK – Das wäre schwachsinnig!

    Wer Rot/Schwarz abwählen will muss eben GRÜN wählen!

  • Pingback: Nattls kleine Wahlfibel: Die Grünen()

  • Thomas Holzer

    ad Fr. Glawischnig

    also „Die Grünen“ retten die Welt?!
    Das nenne ich gelebte Hybris; auch erkennbar an Ihrem „nannywerbespot“
    Sie fordern Ruhe ein, und der Rest der Mitbewerber folgt ohne Widerspruch.
    Verzeihung Frau Glawischnig, aber ich bin erwachsen genug, um selbst zu entscheiden, dazu brauche ich Sie definitiv nicht!