Nach dem eher gemütlichen Auftakt der Wahlarena vergangene Woche mit Josef Bucher und im Kurzcheck Matthias Strolz und Mario Wieser ließ man diesmal jene beiden Politiker zu Wort kommen, welche sich ernsthaft um das Amt des Bundeskanzlers bemühen. Die Puls 4 Wahlarena ist ein frisches Format, bei welchem – so der eigens aufgestellte Fokus – das Publikum im Mittelpunkt stehen soll. (Dort standen aber, wenig überraschend die beiden Herausforderer.) Durch die Sendung führten Corinna Milborn und Peter Rabl und für die zuvor bereits fixierten Zuschauerfragen war Puls 4 Nachrichtensprecherin Gundula Geiginer zuständig. Beobachtet wurden sie dabei vom deutschen Körperspracheexperten Günter Hübner und Wolfgang Bachmayer vom Meinungsforschungsinstitut OGM, welches auch zeitgleich zur Liveshow eine repräsentative Umfrage (n=500) mit Zusehern dieses Formates durchführte. Für neuwal waren dieses Mal Wolfgang Marks und Dominik Leitner im Studio um die Eindrücke direkt einfangen zu können.

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Über die Dauer von zwei Mal fünfundvierzig Minuten (inklusive ausufernder Nachspielzeit – mit vergeblicher Hoffnung auf ein Golden Goal) stellten sich Werner Faymann und Michael Spindelegger den Fragen des Publikums und vor allem auch den Nachfragen von Herrn Rabl, der es wie auch schon bei Bucher verstand, hie und da etwas nachzubohren. Zu den Themenfeldern zählten u.a. Wirtschaft, Steuern, Arbeit, Bildung, Europa, Familien.

Hier kann ma zusammenfassend sagen, dass der bisher gewählte Konfrontationskurs der ÖVP nicht mit ins Kanzlerduell genommen wurde, sondern dass sich hingegen sehr häufig die inhaltlichen Gemeinsamkeiten offenbarten. Und während Werner Faymann stets hinter seinem Pult blieb, wagte sich Michael Spindelegger nach vor, um den ermöglichten Wanderbereich auch voll und ganz auszunutzen.

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Man muss auch dazusagen: Selbstbewusstsein tankten die beiden bereits vor der Sendung. Junge VPler und junge SPler überschlugen sich fast mit dem Aufgebot an Luftballonen, Zelten und Einheitskleidung vor der Puls 4-Zentrale in St. Marx. Und als sie schließlich dann selbst eintrafen, war der Empfang tosend, als würde die ganze Welt den jeweiligen Spitzenkandidaten wählen. Zum Vergleich: bei Josef Bucher standen einzig zwei Autos der neos vor der Tür, welche vermuten ließen, dass hinter diesen Mauern Politisches passiere.

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Fazit von Wolfgang Marks

Falls sich der eine oder andere unentschlossene Wähler heute Hoffnung gemacht hat, neue Erkenntnisse zu gewinnen, wurde er wohl enttäuscht. Denn inhaltlich plätscherte die Debatte dahin, es gab kaum Neues von beiden Seiten. Der Bundeskanzler und der Vizekanzler konzentrierten sich im Wesentlichen auf ihre Kernthemen und versuchten diese in den Vordergrund zu stellen. Für Faymann ist dies vor allem das Thema Gerechtigkeit, Spindelegger setzt auf die Entfesselung der Wirtschaft.

Überraschend wenig angriffslustig zeigte sich der Herausforderer, der so wie der Bundeskanzler mehr das Gemeinsame statt das Trennende in den Vordergrund stellte. In Teilen der Diskussion konnte man fast den Eindruck gewinnen, als gehören sie der selben Partei an. Zudem wirkte das Auftreten von Herrn Spindelegger auf mich auch wenig authentisch. Das Zugehen auf die Gäste und persönliche Ansprechen der Fragensteller waren einer der Momente, wo dies zum Ausdruck kam. Denn es war zu offensichtlich einstudiert. Herr Faymann spulte wie üblich sein Programm ab, machte keine Fehler, wirkte aber ebenso farblos.

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Fazit von Dominik Leitner

Das vorausgesagte Duell ist ausgeblieben. Stattdessen begegneten sich die beiden Herausforderer überraschend freundlich, war doch von der VP mit ihrem Möchtegern-Oppositionswahlkampf anderes zu erwarten. Spindelegger versuchte jedes Mal, eine Frage aus dem Publikum als persönliches Schicksal aufzufassen, was – so bekam ich das im Publikum mit – nicht immer auf Freude stieß. Der Vizekanzler wirkte zwar mit seinen zahlreichen Bewegungen wie der Herausforderer, der er so gerne sein möchte, konnte aber nur ganz selten punkten. Wenn jemand prekäre Verhältnisse bei Praktika zum Thema macht, geht er nicht drauf ein und fordert mehr Arbeitsplätze. Wenn jemand sich über die hohen Mieten in Städten beschwert, fordert er eine Bauoffensive bei Eigentumswohnungen. Für Studenten, welche z.B. nach Wien kommen schon rein finanziell vollkommen unvorstellbar. Und so hat sehr häufig auf Fragen keine passende Antwort gegeben, spulte seine Wahlkampfparolen runter und ließ sich auch von Rabls Nachfragen nicht daran hindern. Wahlkampfparolen gab es auch bei Faymann zur Genüge (Gerechtigkeit war für ihn das Thema). doch wirkten sie bei ihm zumindest ansatzweise glaubwürdiger und weniger gespielt. Und mit Faymanns Verbleib hinter dem Pult präsentierte er sich als jener, der den Zepter in der Hand hält. Und punktete auch mit teils humorigen Kontern zu Spindeleggers wenigen Angriffen gegen die SPÖ.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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