Eine Hand voll junge Männer langweilen sich in der Lugner Longe, 3 blonde Mädchen verteilen Infomaterial am Eingang des Kinos. Generalsekretär Kickl lässt sich etwas abseits, vom Taxi, zur Lugnercity chauffieren. Die FPÖ feiert die Premiere ihres Propagandafilmchens „20 Jahre Österreich zuerst“ Ein Kommentar von Daniel Weber.

Via Aussendung luden die Freiheitlichen heute Vormittag zur Präsentation ihres neuen Propagandafilms „20 Jahre Österreich zuerst“ in die Lugner-Kino-City in Wien. Der Großteil der anwesenden Strache-Fans dürfte zum Zeitpunkt des Volksbegehrens vor 20 Jahren noch nicht auf der Welt gewesen sein. Zur Erinnerung: das Anti-Ausländer-Volksbegehren wurde damals von rund vierhunderttausend Österreicherinnen unterschrieben. Aus Protest dagegen gründete sich SOS-Mitmensch und es kam zur bisher größten Demonstration der 2. Republik, dem Lichtermeer. Medial wurde das Volksbegehren als Misserfolg des damaligen FPÖ- Chefs Haider gewertet.

Der Besucheransturm blieb bei der Premierenfeier jedenfalls aus. Nur wenige Fleißige und Anständige fanden in den späten Vormittagsstunden die Zeit für einen Kinobesuch. Eine Gruppe von etwa zehn Demonstrantinnen ließ die Veranstaltung trotzdem nicht unkommentiert. Sie demonstrierten kurz vor dem Eingang zur Lugnerlonge bis die Polizei eintraf. Danach blieben die Türen verschlossen.

Eine neuwal Fotostrecke:

Der Film, er will eine Dokumentation sein, zeigt nach einem kurzen Exkurs in die Vergangenheit eine Aneinanderreihung von Archivaufnahmen ohne wirklichen Zusammenhang. Zumindest sogenannte Ausländer sind immer drauf. Hier wird alles zusammen gemischt. Bilder von Islamistischen Demonstrationen in Wien werden mit solchen des Flüchtlingsprotestes kombiniert. Ein dunkelhäutiger Familienvater spaziert mit seinem Kinderwagen. Dazu bedrohliche Endzeitmusik und irgendetwas von wegen Frauenrechte, oder so. Zwischendurch werden die Forderungen des einstigen Volksbegehrens ins Bild montiert.

Mit hängenden Köpfen schlendern Andreas Mölzer und (Hump-Dump-Lump) Hilmar Kabas durch die Wiener Aussenbezirke, vorbei an Dönerstandln, besorgt ob des manifesten „Rassismus gegen Innländer“ Am Ende des Filmes tritt dann auch Parteichef Strache als quasi Erlöser, als einziger, der sich immer nur für die Österreicher eingesetzt haben will, auf. Wo wir also dann doch noch bei der Nächstenliebe angekommen wären.

Ja, der neueste Propagandafilm aus dem Hause fpö.tv.  Muss man nicht gesehen haben, zeigt nichts neues und regt (leider) fast niemanden mehr auf.

Weitere Fotos von Liv3.at
Presseaussendung von Generalsekretär Kickl
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Daniel Weber, geboren 1980 im weststeirischen Voitsberg, lebt seit 2001 in Wien. Der Behindertenbetreuer studiert Bildungswissenschaften und ist bei neuwal verantwortlich für das Ressort Protest-Aktion-Demonstration.