In der heißen Phase des Wahlkampfs geben wir auf neuwal verschiedenen Politikern, Bloggern und Bürgern die Gelegenheit, einen Gastkommentar als Bewertung einer Partei zu veröffentlichen. Heute geht es darum, warum man die FPÖ wählen sollte, beziehungsweise warum dies eine schlechte Idee wäre.

Warum man die FPÖ wählen sollte

NorbertHoferNorbert Hofer ist als Vizeparteiobmann der zweithöchste Freiheitliche des Landes. Er ist auch stellvertretender Klubobmann der FPÖ im Nationalrat. Norbert Hofer ist einer der Hauptverantwortlichen für das Parteiprogramm der FPÖ. Mehr über ihn auf seiner privaten Website.

Freiheit ist unser höchstes Gut. Die Freiheit unseres Heimatlandes Österreich wird jedoch zunehmend eingeschränkt. Entscheidungen werden abseits des Subsidiaritätsprinzips nach Brüssel delegiert, unser Staatsvermögen auf dem Altar falsch verstandener Solidarität mit verantwortungslosen Regierungen von Pleitestaaten und mit spekulierenden Finanzinstituten angegriffen. Demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bürger werden nicht ausgebaut sondern im Gegenteil mit Hinweis auf die Priorität vermeintlich notwendiger Maßnahmen sukzessive eingeschränkt.

Eine Zuwanderung aus fernen Kulturkreisen – leider in hohem Maß direkt in den Sozialstaat – bewirkt eine radikale Änderung unserer Bevölkerungsstruktur. Unsere Bürger und unsere Wirtschaft werden – trotz reichhaltiger erneuerbarer Ressourcen und bestehender Selbstversorgungsfähigkeit – von Energieimporten aus dem Ausland, von gentechnisch manipulierten Nahrungsmitteln und fremdbestimmten Konzernen abhängig gemacht.

Der FPÖ bleibt es daher vorbehalten, die Weichen noch vor einem Punkt ohne Wiederkehr verantwortungsbewusst richtig zu stellen. Wir wollen dabei nicht mies machen, wir wollen Mut machen. Österreich hat viel erreicht. Jetzt gilt es, das Erreichte zu bewahren und unser Land in eine positive Zukunft zu führen.

Wir stehen für mehr Miteinander, mehr Freiheit und gelebte Heimatliebe. Wir werden nach dieser Nationalratswahl, egal ob als Regierungspartei oder als starke Oppositionskraft, alle notwendigen Schritte setzen, um die Souveränität und Unabhängigkeit unseres Heimatlandes Österreich und die Selbstbestimmungsfähigkeit der Österreicher zu retten.

Österreich hat einen reichen Schatz an tüchtigen, gut ausgebildeten und charakterstarken Menschen, einen breiten Fundus an einzigartigen Kulturgütern, hervorragende Experten und Wissenschafter, fähige Unternehmer und das Glück, auf erneuerbare Energiequellen und fruchtbare Böden in einer schützenswerten und gesunden Umwelt zugreifen zu können.
Unser Wille zur Unabhängigkeit ist nicht von Engstirnigkeit geprägt, sondern von der Überzeugung, dass unsere Rolle in Europa und der Welt statt von Selbstaufgabe und Gleichgültigkeit von Selbstbewusstsein, verantwortungsvollem Miteinander und von Souveränität geprägt sein muss.

Goethe hat einmal sehr treffend gemeint, es sei nicht genug zu wissen, man müsse es auch anwenden. Und es sei nicht genug zu wollen, man müsse es auch tun. Jetzt in den Wochen vor der Nationalratswahl überschlagen sich manche Parteien mit den Ankündigungen jener Großtaten, die sie zu vollbringen gedenken. Es ist daher klug, sich nicht auf die Wahlprogramme alleine zu verlassen sondern auch einen Blick auf die bisherigen Aktivitäten zu legen. Warum haben die Regierungsparteien alles das, was sie jetzt versprechen, nicht schon rechtzeitig umgesetzt? Warum hört man von den Grünen so gut wie nie auch nur ein gutes Wort über Österreich oder zur großen Spendenbereitschaft und Gastfreundlichkeit der Menschen in diesem Land? Und warum ist es so, dass immer ausgerechnet vor Wahlen die Zeitungen voll sind mit negativen Kommentaren zur FPÖ? Wem gehören diese Zeitungen eigentlich und von wem erhalten sie Inserate und Förderungen? Nun, immer mehr Bürger machen sich immer mehr Gedanken, nehmen nicht alles kritiklos hin und sind bereit, selbst Verantwortung für einen neuen Weg in Österreich zu übernehmen. Das ist wohl der Grund für den anhaltend starken Zulauf zur freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft, deren Mitgliederzahl immer weiter steigt und die mit Heinz Christian Strache als Spitzenkandidaten bisher jede Wahl abseits von Prognosen der Meinungsforscher spektakulär gewonnen hat. Der 29. September wird ein spannender Tag und so mancher Regierungspolitiker fühlt sich schon jetzt nicht ganz wohl in seiner Haut.

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Warum man die FPÖ nicht wählen sollte

faithlessGerhard „faithless“ Hager ist Mitglied im Landesvorstand der Wiener Piratenpartei. Der „wienerische Europäer“ ist laut Selbstbeschreibung „übergebliebener 68er, Naturgrantler, obergscheid und widerspänstig“. Ein besonderes Anliegen ist ihm das bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Er ist auch auf Twitter zu finden.

Jetzt soll ich also schreiben, warum ich (oder sonst irgendwer) die FPÖ nicht wählt!
Dabei hab ich mir gedacht, für jemanden, der ein bissl Empathie und Intelligenz in sich vereint, ist das ohnehin eine klare Sache. Da braucht ma nix mehr argumentieren. Ich sollt mich eher fragen, warum wählt jemand die FPÖ? Vielleicht, weil der Strache und der Gudenus so nett sind? Weil sich eine menge Menschen nicht die Mühe machen hinter die behübschten Gesichter zu blicken? Oder weil die Sprüche über Asylanten und die vielen ausländischen Verbrecher wahr sind? Weil ein haufen Leut sich lieber mit einfachen – wenn auch oft unrichtigen – Antworten zufriedengeben? Weil es vielen Menschen in diesem an sich reichen Land an oder unter der Armutgrenze leben und verzweifelt sind?

Das wären fast alles (bis auf die hübschen Bubigesichter halt) auch für mich fast nachvollziehbare Gründe! Aber schau ma uns einmal an, was da hinter diesen potemkischen Dörfern zu finden ist: Wofür steht die FPÖ? Im Parteiprogramm steht viel von Heimat und Familie, von Freiheit und dass wir (also wir Österreicher halt) teil der deutschen Volks-, Sprach- und Kulturgemeinschaft sind. Da werden sich die vielen Navratils, Sedlaceks und Alabas in den Telefonbüchern aber freuen, dass sie da net dazugehören! Rosenblatts gibt’s ja nimmer so viel, weil die politischen Urahnen der FPÖ (VdU) zu deren Dezimierung ein kleines bissl beigetragen haben. Und da steht auch: „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, den aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen Verfolgten politisches Asyl in unserer Heimat zu gewähren“ Papier ist offensichtlich geduldig. Ob der Gudenus jemals das Parteiprogramm gelesen hat? A bissl weiter unten steht dann: „Das erfordert die wirksame Bekämpfung von Sozialmissbrauch und das Fördern von Leistung.“ Das kommt dem, was von den blauen „Herrschaften“ so hinausposaunt wird, schon ein bissl näher. Weil jeder der Sozialhilfe bezieht ist ja ohnehin ein Sozialschmarotzer! Und Leistung versteht sich wohl eh von selbst. Ausser ma is von der Buberlpartie. Dann darf ma schon einmal fragen: „Was wor mei Leistung?“

Aber weiter im Text des Parteiprogramms. Da land ich dann beim Thema Familie. Da steht: „Wir bekennen uns zur Vorrangstellung der Ehe zwischen Mann und Frau als besondere Form des Schutzes des Kindeswohls. Nur die Partnerschaft von Mann und Frau ermöglicht unserer Gesellschaft Kinderreichtum. Ein eigenes Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Beziehungen lehnen wir ab.“ Grad, dass net wieder die Einführung des Mutterordens gefordert wird! Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, keine Kinder „produzieren“, sind also lt FPÖ zu benachrangen. Und unter Wohlstand und soziales Gleichgewicht steht: „Ehrliche Leistung muss sich lohnen“ Telekom, Hypo und Buwog lassen grüssen! Ganz interessant auch was unter Kultur zu finden ist: „Kultur als Gesamtheit aller menschlichen Ausdrucksformen findet ihre höchste schöpferische Ausdrucksform in der Kunst. Künstlerische Freiheit bedingt die Freiheit des Bürgers zur Kritik an und zur kritischen Auseinandersetzung mit der Kunst.“ Das könnt ma ja durchaus so unterschreiben. Das Problem dabei ist halt, dass unter Kunst für die FPÖ nur das fällt, was der FPÖ genehm ist. Alles Andere ist „nestbeschmutzung“ oder „abartig“. Da ist nix mit künstlerischer Freiheit oder Toleranz.

Und so geht das weiter und weiter und weiter! Eigentlich reichts mir schon ganz ordentlich! Aber ein Schmankerl hätt ich noch: Ganz oben beim Programm steht „Österreich zuerst“ und „und fördern die Leistungsorientierung und ermöglichen Wachstum für kleine und mittlere Unternehmen.“ und der Kickl sagt im Fernsehen (€co): „als soziale Heimatpartei wollen wir das Geld (für den Wahlkampf) schon in Österreich investieren“ und im nächsten Satz muss er zugeben, dass Kugelschreiber und Feuerzeuge in Fernost produziert werden!

Ganz ehrlich – ob der Differenz zwischen geschriebenem Wort und der gelebten Politik der FPÖ könnt ich gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möcht. Ich weiss jetzt, was ich eh vorher schon gewusst hab: Die FPÖ ist eine auf den Machterhalt und den persönlichen Vorteil der handelnden Personen abzielende Vereinigung, die bereit ist die Wähler zu belügen, wo es nur notwendig ist, um an den Futtertrögen zu bleiben!

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Pro & Contra – die Sicht von Außen.

Idee & Umsetzung Stefan Hechl
Mithilfe neuwal Redaktion
Titelbild-Design Theresa Klingenschmid
Die Gastbeiträge geben nicht die Meinung der neuwal-Redaktion wieder.