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Neben den altbekannten Konfrontationen im öffentlich-rechtlichen ORF haben es sich auch die privaten Sender dieses Mal zur Aufgabe gemacht, die Spitzenkandidaten der verschiedenen wahlwerbenden Parteien einzuladen um ihre Standpunkte zu eruieren.

Puls 4 macht dies in Form der „Wahlarena“: Dabei sollen die Fragen ausschließlich vom Publikum kommen. Und doch hat man nicht ganz auf die Moderation verzichtet: Thomas Mohr (bekannt aus dem Format „Guten Abend Österreich“) und Peter Rabl (ehemals beim Kurier, aktuell freiberuflicher Blogger) – die Anchorwoman der Puls 4 Austria News Isabella Richtar koordinierte die Fragen des Publikums, welche vorab natürlich schon eingeplant und dramaturgisch bestens eingebaut wurden. Das gesamte Format dauerte (inklusive einer Werbeunterbrechung) 60 Minuten, im Anschluss gab es dieses Mal noch eine weitere Viertelstunde mit zwei weiteren Kandidaten.

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Josef Bucher, Obmann des Bündnis Zukunft Österreich, war der erste Spitzenkandidat, welcher sich – ausgerechnet an seinem eigenen Geburtstag – den Fragen des Publikums stellen wollte/musste. In Begleitung von Heim Lepuschitz und offenbar auch mit einigen Fans im Publikum sprach man so über Themen wie die „Fair Tax“, den „Ausländer-Check“ sowie die Überlegungen von „Nord- und Südeuro“.

Bucher trat mit einer Prise Humor auf, wirkte ausgezeichnet gecoacht. Als Peter Rabl jedoch stets nachdrücklich eine einfache und vor allem eindeutige Antwort einforderte, merkte man die Grenzen des Coachings. Da kam es nur zu Wiederholungen seiner Standpunkte, und einer Manifestierung der Uneindeutigkeit. Die Moderatoren waren gut vorbereitet, konnten Bucher mit Zahlen konfrontieren und auch fragen, warum er diese verheimliche. So entstand so manch spannende Diskussion zwischen Bucher und vornehmlich Rabl.

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Doch es gibt auch Mankos: Wie so oft ist die Sendezeit für ein solches Format zu kurz gewählt. In 55 (?) Minuten über politische Visionen zu sprechen schafft selbst ein durchgecoachter Politiker nicht. So kam auch diesmal, wie Bucher selbst angesprochen hat, z.B. das Thema Bildung vollkommen zu kurz. Auch der Zukunftscheck ist hinterfragenswert – die Dame von OGM blickte in die Glaskugel, die Wissenschafterin definierte positive und negative Einschläge in Buches Aussagen. Und da ich selbst im Publikum – und noch dazu in der ersten Reihe – Platz nehmen musste, konnte ich auch den Unmut mancher Fragesteller mithören: So wollte man nach erfolgreichem Stellen der Frage gerne noch einmal nachhaken, doch das ließ offenbar das Konzept der Sendung sowie das enge Zeitkorsett nicht zu.

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Über dieses Zeitkorsett werden wohl auch die neos und die Piraten schimpfen. Ihnen wurden – gemeinsam – nur rund 15 Minuten zugesprochen. Um zuallererst zu erklären, was sie vom BZÖ und sich gegenseitig unterscheide. Dann wurden die Piraten – wieder einmal – auf das Thema des „Bedingungslosen Grundeinkommens“ beschränkt und schließlich ließ man sie auch noch über das Thema „direkte Demokratie“ referieren. Tiefergreifende politische Inhalte hatten darin keinen Platz, aber eines hat es mal wieder gezeigt: Strolz und die neos haben sich ganz offenbar einen Mediencoach geleistet – und die Piraten ganz eindeutig nicht. Was anfangs womöglich noch sympathisch und authentisch wirkte, kommt es nun, wo sie nicht mehr nur belächelt sondern auch zu politischen Themen ernsthaft gefragt werden, oftmals reichlich unvorbereitet rüber. Strolz‘ Aussagen sitzen, bei Wieser wusste man nicht, ob er überhaupt selbst hinter seinen Aussagen steht.

Kommende Woche treffen bereits die Spitzenkandidaten der beiden regierenden Parteien, Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger in der Wahlarena aufeinander. Wie es funktioniert, in solch kurzer Zeit gleich zwei Vertreter (die sicherlich allzu gerne reden) unterzubringen, wird sich zeigen. Wir werden natürlich wieder vor Ort sein.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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