Vor Wochen rügte man ihn noch, als Stronach über die Sinnhaftigkeit von Gewerkschaften sinnierte. Letzte Woche haben auch Faymann und Spindelegger gezeigt: einfacher geht es eindeutig ohne sie. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Es ist schon tragisch, wenn man sich zum Koalitionsbeginn ein Prestigeprojekt vorgenommen hat und dann vollkommen überraschend nach fünf Jahren die nächste Wahl ansteht. Das neue Lehrerdienstrecht, wie Matthias Strolz im ZIB 2-Interview erwähnt, wurde im August 2001, also vor unglaublichen 12 Jahren (und in der Ära der Regierung Schüssel I) aus der Taufe gehoben. Zumindest die Idee, daran zu arbeiten. Nach der diesjährigen Wahl soll es schließlich Realität werden – nach Monaten (oder Jahren?) der Diskussion zwischen der Lehrergewerkschaft und den Ministerinnen des Bildungs-, des Beamten- und des Finanzministeriums. Doch weil ja die Wahl vor der Tür steht und man zumindest irgendetwas vorweisen möchte, hat man sich jetzt dazu entschieden, die Gewerkschaft zu übergehen.

Ein mutiger Schritt von jenen zwei Parteien, die das Team Stronach vor wenigen Woche noch rügten, als dieser die Gewerkschaften kritisierte. Ein mutiger Schritt auch für jene Partei, die sich einen solchen Schritt z.B. bei Entscheidungen rund um die ÖBB wohl unter gar keinen Umständen erlauben würde, da sie sich ja als (einzige) Partei der Arbeit tituliert. Und auch für jene Partei, welcher mit der politisch gleichgefärbten Gewerkschaft bisher einen notwendigen Prellbock gegen die rote Ministerin zur Hand hatte.

Im Gegensatz zu Wolfgang Marks – welcher in seinem gestrigen Kommentar Bildungsministerin Schmied einen Wandel in der Bildung zutraute – hoffe ich auf einen raschen Wechsel nach der Wahl. Schmied konnte zwar mit eindeutig größerer Reformwillen aufwarten als ihre Vorgängerin Elisabeth „Weil es immer schon so war“ Gehrer, ihre Umsetzung war jedoch so furchtbar und der Riss zwischen Ministerium und Gewerkschaft wurde mit jeder einseitig durchgeboxten Reform (z.B. die Zentralmatura, welche zwar grundsätzlich eine gute Idee, aber nicht der Anfang sondern das Ende eines großen Reformpaketes sein müsse) größer. Man muss aber auch zugeben: Reformen und Neugebauer ist ein Paradeoxymoron – deshalb wäre auch da ein Wechsel an der Spitze sehr notwendig und angenehm. 

Wenn man aber selbst Lehrer kennt, erfährt man rasch, dass vieles in den vergangenen Jahren nicht besser geworden ist, dafür aber vieles schlechter. Das ständige Hinboxen auf die LehrerInnen, welche diesen Job ja nur „wegen der vielen Ferien“ ergreifen würden, widerspricht eindeutig der Forderung, dass die Kinder noch früher in Ganztageseinrichtungen abgeschoben werden sollen und daraus erst frühestens mit 15 ausscheiden dürften. Wenn man den LehrerInnen die Aufgabe gibt, Sozialisation und Erziehung zum normalen Unterrichtsfach auszuführen, ihnen aber gleichzeitig weniger Geld für mehr Arbeitszeit in Aussicht stellt, ist der Unmut verständlicherweise groß.

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