Nachdem in der Bildungspolitik in den letzten Monaten zwar viel gestritten wurde, aber so gut wie nichts verändert wurde, kommt jetzt also zumindest ein Vorschlag für ein neues Lehrerdienstrecht auf den Tisch. Ein erster Schritt, aber noch kein großer Wurf. Ein Kommentar von Wolfgang Marks

Der Gesetzesvorschlag sieht eine Vereinheitlichung des Dienstrechts für alle Pädagogen vor, die Lehrer sollen künftig mehr Zeit in der Klasse verbringen und Junglehrer mehr verdienen. Diese Änderungen sind meiner Meinung nach auch absolut in Ordnung und durchaus begrüßenswert.

Allerdings ist es mehr als enttäuschend, dass dieser bescheidene Gesetzesvorschlag wohl auch das ernüchternde Endergebnis der vor 5 Jahren groß angekündigten Bildungsreform darstellt. Ganz abgesehen davon, dass dieses neue Dienstrecht in der jetzigen Legislaturperiode wohl gar nicht mehr beschlossen wird.

Es ist beschämend für eines der reichsten Länder der EU, dass die Bildungschancen hierzulande sehr ungleich verteilt sind und man nach Bildungstests wie PISA immer nach Ausreden ob des schlechten Abschneidens ringen muss.

An den Ressourcen mangelt es jedenfalls nicht. Denn Österreich gibt weit mehr Geld für Bildung aus als der OECD- Durchschnitt. Dennoch  können 28 % der 16-Jährigen nicht sinnerfassend lesen und Akademikerkinder haben eine 16-mal höhere Chance auf einen Universitätsabschluss als Kinder, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben.

Die Statistiken sprechen also eine deutliche Sprache: wir haben ein sehr teures, aber ineffektives Bildungssystem. Dies sollte sich auch bis zur Bundesregierung herumgesprochen haben.

So sind es eher die veralteten Strukturen unseres Bildungssystems, die unsere Kinder lähmen. Das beginnt schon bei der Architektur der Schulen, die eher an Kasernen denn an Orte des Lernens erinnern. Um 8 Uhr schrillt dann die Glocke, ein Befehl zum 50minütigen Stillsitzen. Man gibt sich dem Frontalunterricht und dem strikten Fächerkanon hin und geht schließlich frustriert nach Hause. Doch wir alle wissen, dass wir in jungen Jahren sehr wohl wissbegierig und neugierig waren. Doch genau diese Eigenschaften wurden uns durch das heutige Schulsystem genommen. Und genau hier gilt es anzusetzen. Schule muss ein Ort sein, wo Individualität und Kreativität gefördert werden. Wo die Schüler leben lernen, ihren Platz im Leben finden können und experimentieren dürfen. Dies kann nur gelingen, wenn wir Schule von Grund auf erneuern und die Politik sich endlich an den vielzitierten großen Wurf heranwagt. Denn Ideen wie die Ganztagsschule und Gesamtschule bleiben Worthülsen, wenn sie nicht mit dem neuen Verständnis von Lernen gekoppelt sind.

Ich traue dies der jetzigen Bildungsministerin, die ich für durchaus engagiert erachte, auch zu. Dazu bräuchte es aber auch eine gewisse Entschlossenheit. Nur dann kann man auch die sinnentleerten Wahlplakate ihrer Partei mit dem einzigen Wort „Bildung“ darauf, mit Leben füllen. Hoffen muss man ja, weil zu viel auf dem Spiel steht.

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.