Hans-Werner Sinn, ein bekannter deutscher Ökonom, warnt vor dem nahenden Untergang Deutschlands. In herzloser Manier propagiert er stets „Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut.“

Hans-Werner-SinnHans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn ist seit 1984 Ordinarius in der volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1999 wurde er zudem Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung in München und Leiter des internationalen CESifo-Forscher-Netzwerks. Sinn ist der in der internationalen Forschung am häufigsten zitierte deutsche Ökonom und hierzulande der einflussreichste. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Er veröffentlichte viele Bücher und Fachartikel und ist gefragter Gesprächspartner in Wirtschaft, Medien und Politik.

Jens Schadendorf, Co-Herausgeber der „Edition Debatte“ des Redline Verlages, erklärt bereits im Vorwort, warum gerade Sinn für dieses Büchlein herangezogen wurde. Seine Meinungen seien „sachlich und wissenschaftlich“ begründet, und außerdem decken sie sich „mit dem gesunden Menschenverstand“. Somit entlässt Schadendorf den Leser mit der Feststellung: Sie können zwar gerne anders denken, aber in Wahrheit hat nur Hans-Werner Sinn die richtige Antwort. Schadendorf selbst stellt Sinn in diesem Buch Fragen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands.

Aber wie gesagt: Praktisch jeder, der arbeitet, kommt in Deutschland über die Grenze der Armutsgefährdung hinaus, eben weil er ergänzendes Arbeitslosengeld II erhält, und über der Armutsgrenze liegt sowieso jeder.

Hans-Werner Sinn sieht in Gerhard Schröders Agenda-Politik, mit der Einführung von Hartz IV und Niedriglohnjobs, von Leiharbeit und Arbeitslosengeld II jene Reformen, die Deutschland aus der Krise und (nicht in vollem Ausmaß) wieder in die aktuelle Krise katapultiert hat. Niedrige Löhne seien nun einmal wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, nur so könne man bestehen, nur so gehe es der Wirtschaft (und somit den Menschen gut). Auch staatlich auferlegte Mindestlöhne für verschiedene Branchen seien abzulehnen – der Staat müsse sich bei dieser Sache raus halten. Wo der Staat jedoch eingreifen soll – sollte ich das obige Zitat richtig verstanden haben – ist dabei, Arbeitnehmer in Niedriglohnjobs durch Zuschüsse des „Arbeitslosengelds II“ über die Armutsgefährdung zu heben. Um es vereinfacht zu sagen: Wir entfesseln die Wirtschaft so sehr, dass Menschen von ihrer Arbeit zwar nicht mehr leben können, fördern damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes, damit die Menschen jedoch nicht in die Armut schlittern, muss der Staat aushelfen. So kann womöglich auch nur ein Finanzwissenschafter denken.

Atomkraftwerke sind gefährlich, keine Frage. Aber wie gefährlich sind die Alternativen, etwa Kohlekraftwerke?

Ebenso interessant sind Sinns Ansichten zur Energiewende. Deutschland müsse unbedingt den Ausstieg aus dem Ausstieg vorbereiten. Frankreich lache das Land aus und auch alle anderen Länder rundherum, welche schon darauf warten, den Deutschen billigen (Atom-)Strom anzudrehen, wenn ihre Wende misslungen sein wird. Was er – und viele Kritiker der Energiewende – überhaupt nicht zur Sprache bringt ist die bisher ungeklärte Frage nach dem Atommüll. Zu sagen, dass man durch Wind, Wasser und Sonne zu wenig Energie bekommen wird, und Kohlekraftwerke schädlicher als Atomkraftwerke sind, halte ich für eine sehr, sehr schwache Argumentation pro Atomstrom. Aber auch hier geht es rein um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Der Migrationssturm ist in vollem Gange.

Hier erinnerte mich das Buch zuweilen beinahe an Thilo Sarrazins Buch. Beide warnen vor dem drohenden Untergang bzw. der Abschaffung Deutschlands, erklären was ihrer Meinung nach falsch läuft und kommen irgendwann auf den „Migrationssturm“, auf die Massenzuwanderung zu sprechen. Doch während Sarrazin in den Ausländern (und vornehmlich Moslems) arbeitsunwillige, faule, andauernd gebärende und – genetisch bedingt – dümmere Menschen sieht, bleibt Sinn da etwas mehr bei den Fakten: Er halte die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt für wichtig und sinnvoll (aber aktuell für zu gering, um demographische Probleme bei der Rente in Zukunft zu verbessern), warnt aber vor der stetigen Zuwanderung in den Sozialstaat. Deshalb fordert er ein „Heimatlandprinzip für soziale Leistungen“ – EU-Bürger, welche nach Deutschland migrieren, sollten auch weiterhin die Sozialleistungen aus ihrem Heimatland bekommen und somit dem deutschen Sozialstaat nicht zur Last fallen.

Hans-Werner Sinn und Jens Schadendorf führen in diesem dünnen Büchlein ein Gespräch über Möglichkeiten, wie man Deutschland rein wirtschaftlich auf Vordermann bringen könnte – um die Wettbewerbsfähigkeit beizubehalten oder gar zu steigern und ohne Hinblick auf Verluste, menschliche Opfer und eventuell dadurch geschwächte andere EU-Länder. Sinn wirkt zwar so, als bauen alle seine Aussagen auf Ergebnissen auf, jedoch kommt es dem Leser so vor, als hätte er zwar die vergangenen Jahrzehnte stets die neuesten Wirtschaftsdaten gepaukt, brav nach neuen Ideen gesucht und Politiker beraten – aber mit den Menschen da draußen, die die – durch seine Ratschläge und Empfehlungen entstandene – Politik ertragen müssen, hat er offenbar schon lange nicht mehr geredet.

Hier gibt es übrigens eine Leseprobe (Vorwort und 1. Kapitel)

VerspieltnichteureZukunftHans-Werner Sinn

Verspielt nicht eure Zukunft!

Redline Verlag – Edition Debatte

Seiten: 107

ISBN: 978-3-552-05616-9
Preis: [amazon_link id=“3868814868″ target=“_blank“ ]4,99 Euro[/amazon_link] (Taschenbuch), [amazon_link id=“B00CD4538U“ target=“_blank“ ]3,99 Euro[/amazon_link] (Kindle-Edition) [Partnerlinks]

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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  • Peter Hofmüller

    Bitte nicht schon wieder diesen angeblichen „Experten“!Dieser wird ja dauernd in div.,Medien „herumgereicht“!Sinn ist & war doch stet’s ein „neoliberaler Hardliner“!Ob das überhaupt wer merkt?

  • Die Wahrheit über Prof. (Un-)Sinn und andere an staatlichen Hochschulen indoktrinierte „Wirtschaftsexperten“:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/der-unsinn-antwortet.html