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Es ist mit Sicherheit eines der wenigen Bücher, die auf verschiedenen Wegen die Geschichte, die derzeitige Situation und die Zukunft Chinas wunderbar erklärbar machen. Helmut Schmid (93, SPD), ehem. dt. Bundeskanzler schildert sehr eindrucksvoll von seinem „letzten Besuch“ in China, den er im Mai 2012 unternommen und dabei zwei politische Größen zum Gespräch getroffen hat.

Helmut Schmidtschmidt-bio
Helmut Schmidt (23.12.1918 – 10.11.2015) ist ein deutscher Politiker der SPD. Er war von 1974 bis 1982 der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Ab 1961 war Schmidt Senator der Polizeibehörde in Hamburg. Von 1967 bis 1969 war er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, 1969 bis 1972 Bundesminister der Verteidigung, 1972 Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen und von 1972 bis 1974 Bundesminister der Finanzen.

Seit 1983 ist er Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit und Autor von verschiedenen Büchern, u.a. „Menschen und Mächte“ (1987), „Die Mächte der Zukunft“ (2004) oder „Neue Beiträge zum Verständnis unserer Welt“ (2010) 1, 2

Das Buch gliedert sich in zwei wesentliche Bereiche. „Bei der Vorbereitung meiner Reise kam mir die Idee, die Gespräche mit Harry Lee aufzeichnen zu lassen und, falls sich die Mitschriften als substantiell erwiesen, anschließend ein kleines Buch zu veröffentlichen“, war die Idee von Schmidt. So gliedert sich der Hauptteil des Buches in drei Gespräche mit Lee Kuan Yew 3 und Zhu Rongji 4 (beide ehem. Ministerpräsidenten aus China), die Schmidt im Mai 2012 in China besucht hat. Diese Gespräche wurden von Matthias Naß moderiert, aufgezeichnet und letztlich in Interviewform von Helmut Schmidt in Interviewform. Um der Tiefe der Gespräche als Leser folgen zu können, wird im ersten Teil, in der Einleitung des Buches, auf die Geschichte, Entwicklung und politische Situation Chinas näher eingegangen.

Inhaltlich bewegt sich das Buch zwischen Aufklärung, Vergangenheit und Zukunft und hinterlässt einen sehr starken emotionalen und persönlichen Eindruck. Neben wirtschaftlichen, sozialen, gesellschaftlichen Themen wird auch sehr oft persönliches und familiäres zwischen den Gesprächsteilnehmern besprochen. Das tut dem Buch gut, zeigt die Verbundenheit und unterstreicht das lang andauernde und konsequente politische Interesse Helmut Schmidts an China. Schmidt war es, der 1971 5 den damaligen dt. Bundeskanzler Willy Schmidt drängte, politische Beziehungen zu China aufzunehmen, da China den Weg zurück zur Weltmacht finden werde.

China ist ein partiell freier Markt. Der Staat spielt die Hauptrolle beim Ausgleich der Interessen. Die chin. Führung ist sich bewusst, dass ihre Legitimität von der Zustimmung der Bevölkerung abhängt. Es gibt keine Wähler, keine demokratischen Wahlen, aber sobald die Führung die Legitimation verliert, wird eine Revolution ausbrechen. 6

Lee Kuan Yew

In „Ein letzter Besuch“ geht es um Unterschiede zwischen den China, Europa und den USA als auch um chinesische Innenpolitik in allen wesentlichen Bereichen. Politische Systeme werden verglichen, geschichtliche Anekdoten und Verknüpfungen zu Churchill, Roosevelt, den Weltkriegen, enzelnen Ländern und Nachbarländern hergestellt und auf strategischer Ebene die ehemaligen Machtverhältnisse und politischen Führungspersönlichkeiten von Mao Zedongs 7, Deng Xiaoping 8 bis hin zum derzeitigen chin. Präsidenten Xi Jinping 9 diskutiert.

Einen Eindruck über die breite Themenlandschaft und die Art, wie Helmut Schmid das Buch aufbereitet hat, zeigt ein Interview mit Beckmann in der ARD vom 2. Mai 2013. 10

In den Gesprächen geht es um die Entwicklung Chinas, um Bevölkerungszahlen: die Einwohnerzahl Chinas wird vor der Mitte des 21. Jahrhunderts trotz Ein-Kind-Politik auf knapp 1.500 Millionen steigen. Das bringt Probleme bei der Altersversorgung mit sich. Spannungen zwischen Arm und Reich sind im Steigen und Unterschiede im Lebensstandard zeichnen sich ab. Landflucht setzt zu, riesenhafte Großstädte und Massengesellschaften mit Einwohnerzahlen bis zu 40 Millionen entstehen. 11

Soziale Konflikte entstehen, welche die ökonomische Stabilität gefährden können. Dabei, so Schmidt, erweist sich die kommunistische Ideologie als weitestgehend unbrauchbar für die Lösung der realen Probleme. Hier ist ein ideologisches Vakuum entstanden. Es ist wahrscheinlich, so Schmidt weiter, dass die chinesische Führung auf Prinzipien des Konfuzianismus zurückgreifen wird – angepasst an die Anforderungen des heutigen China. Daneben wir die Kommunistische Partei jedoch alles tun, ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten. 12

Meiner Meinung nach eines der Must-Read Bücher, wenn es um eine umfangreiche, breite und leicht verständliche Aufklärung zur Gesamtsituation in China geht.

Leseprobe

cover

Helmut Schmidt
Ein letzter Besuch
Begegnungen mit der Weltmacht China. Gespräch mit Lee Kuan Yew.

Siedler Verlag

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 192 Seiten
Erscheinungstermin: April 2013
ISBN: 978-3-8275-0034-2

Preis: [amazon_link id=“3896674579″ target=“_blank“ ]19,90 Euro[/amazon_link] (gebunden), [amazon_link id=“B007037YAE“ target=“_blank“ ]15,99 Euro[/amazon_link] (Kindle-Edition) [Partnerlinks]

Wir bedanken und beim Siedler Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

Quellenabgabe von Bildern

  1. Header- und Introbild: LicenseAttributionNo Derivative Works Some rights reserved by neoCine
  2. Bild bei Biografie: Some rights reserve Some rights reserved by Ole Reißmann

Quellen und Fußnoten:

  1. Wikipedia, Helmut Schmidt, Abrufdatum: 30. Juli 2013
  2. Weltbild, Buchinformation, Abrufdatum: 30. Juli 2013
  3. Wikipedia: Lee Kuan Yew, Abrufdatum: 30.07.2013
  4. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Zhu_Rongji, Abrufdatum: 30.07.2013
  5. Willy Brandt, Helmut. Ein letzter Besuch. Seite 9. Siedler, 2013.
  6. Schmidt, Helmut. Ein letzter Besuch. Seite 89. Siedler, 2013.
  7. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Mao_Zedong, Abrufdatum: 30.07.2013
  8. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Deng_Xiaoping , Abrufdatum: 30.07.2013
  9. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping, Abrufdatum: 30.07.2013
  10. ARD, Mediathek: Weltmächte der Zukunft. Welche Rolle spielt China in der Zukunft, Abrufdatum: 30. Juli 2013
  11. Schmidt, Helmut. Ein letzter Besuch. Seite 16-20. Siedler, 2013.
  12. Schmidt, Helmut. Ein letzter Besuch. Seite 20-25. Siedler, 2013.
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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.