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Machen es die Kleinen besser? Machen sie zumindest bessere Wahlvideos? Seht selbst! Ein Kommentar von Jury-Mitglied Dominik Leitner

Nach meinem Verriss der Wahlkampfvideos der Großparteien lechzten Vertreter der Kleinparteien offenbar danach, selbst an die Reihe zu kommen. Und weil wir ja keine Unmenschen sind, kommen wir deren Bitten nach. KPÖ_unterstützen_-_YouTube Die KPÖ (welche so revolutionär agiert, dass man ihre Videos nicht einbetten darf – der Klick aufs Bild führt den werten Leser schließlich zum Video) will also ins Parlament. Zum ersten Mal seit 54 Jahren soll es wieder eine „linke Opposition“ geben. So kämpferisch, wie sie sich im Video zeigen, so spontan wirkt auch ihre Aktion.

„Ein bisschen Spaß muss sein“, nennt Der Wandel sein Video. Vielleicht entspricht deren Definition von Spaß nicht der meinigen, oder aber es ist ganz grundsätzlich nicht lustig und soll eher als „Arthouse“-Wahlkampfvideo verstanden werden. Wobei ich es selbst mit diesem Zugang nicht wirklich verstehe. Und wunderbar zudem: Die vollkommene Inhaltslosigkeit, die einen dazu drängen möchte, eine Unterstützungserklärung zu unterzeichnen. Aber, um nicht ungerecht zu sein: Der Wandel kennt auch Inhalte und hat sie z.B. in diesem Video hier untergebracht.

Nach der Megaphon-Phrasenschleuderei der NEOS in ihren vergangenen Videos, welche auch auf ProSieben/Sat1/Puls4/Kabel1 Austria gelaufen sind (und in Wahrheit genau das sind, wovor die NEOS zu Beginn stets gewarnt haben: lautes Gebrüll und immer wiederkehrende Phrasen), hat man jetzt offenbar genug vom Geschrei. Und macht uns jetzt stumm, mit ruhiger Musik und schönen Aufnahmen darauf aufmerksam, dass unsere Schulden steigen. Wie die NEOS etwas dagegen tun wollen? Erfährt man im Video nicht. Dabei wäre gerade das so interessant: Schade, dass es auch hier die vorhandenen Inhalte nicht in die Videos geschafft haben.

Die Piraten haben laut eigener Aussage noch keine richtigen Wahlvideos, aber auf ihrem Account findet man 3 neue Supercuts: Zusammenschnitte aus unzähligen Ansprachen im Parlament. Als Beispiel habe ich mich für das „Banken, Banken, Banken“-Video entschieden, da das Videos es schafft, mir innerhalb von nur eineinhalb Minuten Kopfschmerzen zu bereiten. Was jetzt genau die Gründe sind, die Piraten zu unterstützen, außer dass mir die anderen Politiker Schmerzen bereiten, erfahre ich aber auch hier nicht.

Die Männerpartei hingegen wagt sich sogar mit Inhalten an die Wähler heran. Der Parteivorsitzende Hoffmann sitzt vor einem Standbild des Parlaments und spricht über die Inhalte der Partei und das Video ist dabei um einiges weniger bieder als jenes Erzählvideo des BZÖ. Die Monarchisten haben ihren Account zuletzt vor 1 Jahr besucht, der Account der Christen zuletzt vor 3 (!) Jahren, und die Sozialistische Linkspartei denkt gar nicht an Wahlkampfgetöse. Team 2013, Soziales Österreich, SLÖ sind nicht auffindbar.

Was bleibt mir jetzt noch zu sagen: Die Kleinen hätten es den Großen so richtig zeigen können. Hätten mit Inhalten punkten können. Aber nachdem viele noch nicht wissen, ob sie antreten können, erhoffe ich Besserung. Schön wärs zumindest.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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