In zwei Monaten wird der Nationalrat neu gewählt. Bundeskanzler Faymann (SPÖ) ist schon ganz Spitzenkandidat und verkündet, passend inszeniert mit Spitzensportlern, populistische Versprechen: die tägliche Turnstunde kommt.
Ein Kommentar von Thomas Knapp

Im April hatte die SPÖ als Erfolg verkündet, dass an ganztägigen Schulen die tägliche Turnstunde kommt. Die einzige Schulform in der (mindestens) fünf Turnstunden pro Woche Sinn machen. Denn an den anderen Schulen ist es jetzt schon teilweise sehr eng damit, den Stoff in wichtigen Fächern wie z.B. Deutsch oder Englisch unterzubringen. Wie durchdacht mutet es da an, wenn Faymann nicht ausschließt dass andere Fächer für die zusätzlichen Turnstunden gekürzt werden?

Die tägliche Turnstunde, als Lösung der Politik ins Spiel gebracht, nachdem Österreich bei den Olympischen Spielen in London schlecht abschnitt, wird gerade hierbei nicht helfen, sondern eher schaden, meinen die, die es wissen sollten, die Sportvereine.

Weniger denken, mehr sporteln?

Freilich, Medaillenspiegel sollten in der Bildungspolitik nicht einmal tertiär sein. Und stimmt es nicht, dass Haltungsschäden und Übergewicht sich verstärkt unter Kindern und Jugendlichen ausbreiten. Ja, aber das tut sekundärer Analphabetismus auch und trotzdem passiert keine längst überfällige Modernisierung und Verbesserung des Schulsystems. Politische Bildung, die immerhin zu Erhalt und Funktionieren unserer Demokratie beitragen soll, ist noch nicht einmal ein eigenes Fach sondern einfach an Geschichte angehängt worden, mit 0 zusätzlichen Stunden. Bedarf sieht die Politik hier anscheinend nicht.

Natürlich ist es für die Politik einfacher zusätzliche Turnstunden zu verordnen als echte Arbeit zu leisten. Dabei geht es nicht nur darum dass Österreich (dank der ÖVP, so fair muss man der SPÖ gegenüber sein) ein extrem veraltetes Schulsystem hat das Kinder viel zu früh aufteilt. Dabei geht es auch um Dinge die eigentlich zwischen halbwegs vernünftigen Regierenden selbstverständlich sein sollten.

Etwa dass Schulen keine baufälligen Gebäude sein sollten. Oder dass man, wenn die Probleme schon offensichtlich sind, in Integrationslehrer und Schulpsychologen investiert anstatt hier zu kürzen. Oder (und hier blockiert die SPÖ, so fair muss man der ÖVP gegenüber sein) dass man die Eignung von Personen dazu, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten überprüft, bevor man sie zu Lehrern ausbildet. Aber das ist wahrscheinlich alles viel zu kompliziert für ein knackiges Wahlversprechen.

Foto: Flickr/SPÖ Presse und Kommunikation

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.