Wenn wir heutzutage an Armut denken, kommen uns als erstes Obdachlose und Menschen aus der so genannten dritten Welt in den Gedanken. Dass Armut aber auch direkt vor unserer Haustür passiert und existiert, ist für manche kaum vorstellbar. Kathrin Hermann versucht in ihrem Buch aufzuzeigen, in welch verschieden Facetten sich Armut in unserer modernen Konsumgesellschaft zeigt und wie sehr sie für manche Menschen in unserer Gesellschaft zu einer schwerwiegenden Bürde wird.

KathrinHartmannKathrin Hartmann
ist eine deutsche Journalistin und Autorin. Sie studierte in Frankfurt am Main Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie bei der „Frankfurter Rundschau“ als Redakteurin für Nachrichten und Politik. Von 2006 bis 2009 war sie Redakteurin bei „Neon“, dem jungen Magazin von „Stern“. Kathrin Hartmann lebt in München und arbeitet als freie Autorin für die „Frankfurter Rundschau“, „Titanic“, „Neon“ und „Enorm“. Sie betreibt außerdem noch den Blog „http://www.ende-der-maerchenstunde.de/“

Kein Mensch möchte sich gerne selbst als arm bezeichnen, denn dies geht allzu oft mit Scham und Unbehagen seiner selbst gegenüber und dem seiner Mitmenschen einher. Wie sehr aber in der heutigen Gesellschaft arme Menschen gezwungen werden, sich offiziell als arm zu bekennen bzw. sich sogar zu kennzeichnen, wird einen bei Betrachtung der aktuellen Situation in vermeintlich reichen Ländern wie Deutschland nur all zu deutlich.

„Die Elite schottet sich nach unten ab. Das bedeutet: Wenn von unten niemand nach oben kommen kann, erhöht das automatisch die Wahrscheinlichkeit, das bei denen, die oben sind, alles halbwegs bleiben wird, wie es ist“

In acht Kapiteln werden neben des angesprochenen facettenreichen Auftritts der Armut, auch die damit verbundenen Stereotypen und Diskussionen behandelt. Kathrin Hartmann versucht anhand von Beispielen und Erfahrungsberichten, welche sie mit Hartz IV-Empfängern, Menschen, welche auf Sozialmärkte angewiesen sind, aber auch Firmenchefs bzw. deren Pressesprechern dem Leser ein Bild zu zeichnen, wie sehr die Armut in unserem Nachbarland Deutschland teilweise bewusst erzeugt und in weiterer Folge auch als Marketinginstrument missbraucht wird.

„Die Interpretation erfolgt nach einem bestimmten Weltbild: Das ist einer von uns! Wenn man immer nur mit Leuten zu tun hat, die denken, wie man selbst, das reproduziert sich das – und dann wird es auch zur Wahrheit.“

Sozialtafeln, wohltätige Stiftungen, Mikrokredite, soziale und neuerdings aufs Gemeinwohl fokussierte Großunternehmen bzw. Konzerne versuchen die wachsende Armut einzudämmen und können sie doch nicht gänzlich verdrängen, da ansonsten ihre Existenzberechtigung nicht mehr gegeben wäre. Anhand von Gesprächen mit den Verantwortlichen der Organisationen und Kampagnen, im Rahmen derer viele Menschen ehrenamtlich Hilfsbereitschaft zeigen, versucht sie hinter die Kulissen der nichtstaatlichen Wohltätigkeit zu blicken. In diesem Zusammenhang wird ersichtlich, wie sehr doch die staatliche und politische Verwaltung ihre Verantwortlichkeit für die gesellschaftlichen Verhältnisse dankend an die Ehrenamtlichkeit und das soziale Gewissen einiger weniger abschiebt.

Fernab der Frage wer sich hier wie aus der Verantwortung stiehlt, zeigt das Buch auch wie sehr Armut als Stigmata für Menschen wirkt und wie schwer es ist, sich aus einem immer schneller drehenden Teufelskreis namens Armut zu befreien. Stereotypen, Hass, Neid in der Gesellschaft sowie vermeintlich patente Lösungen, wie etwa das System der Mikrokredite, tragen ihren negativen Teil zu einer gesellschaftlichen Manifestierung der vorhandenen Verhältnisse bei.

Wer nach Lektüre dieses Buches hofft, eine Generallösung für all diese Probleme sein eigen nennen zu können, wird enttäuscht sein, denn diese in nur einem Buch niederzuschreiben grenzt an Utopie. Diesem Faktum bewusst, hat Kathrin Hartmann trotzdem mit ihrem Werk, neben einer detaillierten Beschreibung der aktuellen Armutssituation innerhalb der modernen Konsumgesellschaft, einige Denkanstöße zu Papier gebracht, welche die Leser für das Thema Armut sensibilisieren und einen kritischen Blick hinter die modernen Benefiz-und Wohlfahrtseinrichtungen werfen.

WirmüssenleiderdraußenbleibenKathrin Hartmann

Wir müssen leider draußen bleiben
Die neue Armut in der Konsumgesellschaft

Karl Blessing Verlag

Seiten: 415
ISBN: 978-3896674579

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Wir bedanken und beim Karl Blessing Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

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