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Die Partei mit dem “kantigen Namen” MÄNNERPARTEI wurde 2008 gegründet und muss sich oftmals Kritik gefallen lassen, dass man mit dieser Politik die Diskriminierung der Frauen nicht bekämpfe und die Gleichberechtigung ad absurdum geführt werde. Im Gegensatz dazu bekennen sich der Parteivorsitzende Oliver Peter Hoffmann und seine Partei für gleiche Rechte für Frauen und Männer. Er sieht nämlich heutzutage bereits eine Diskriminierung der Männer, z.B. bei der Frage nach dem Sorgerecht, dem Besuchsrecht und vielem mehr.

Wer jetzt jedoch glaubt, dass das Programm der Männerpartei “nur” auf diese Thematik (bzw. Problematik) beschränkt, der irrt: das aktuelle Parteiprogramm umfasst 17 Seiten zu allen möglichen Bereichen. Ein Wahlprogramm wird vorgestellt, sofern bzw. sobald die notwendigen Unterstützungserklärungen für die Nationalratswahl erreicht wurden.

Interview mit Oliver Peter Hoffmann

Interview wurde im Juli 2013 aufgenommen

Herr Hoffmann, was ist denn die Männerpartei eigentlich?

Die Männerpartei wurde vor fünf Jahren gegründet. Damals war es noch zu früh, um bei den Nationalratswahlen anzutreten. Mittlerweile haben wir Strukturen aufgebaut, Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Das wird jetzt unsere erste Nationalratswahl.

Wie schaut es mit dem Team im Hintergrund aus und wie seid ihr österreichweit aufgestellt?

Wir haben in jedem Bundesland Landeskoordinatoren. Die Bundesländer sind unterschiedlich stark. Manche haben eine richtige Parteistruktur im Land, manche haben nur einen Koordinator.

Werfen wir aus der Sicht der Männerpartei einen Blick auf Österreich: Was sind eure Beobachtungen in Bezug auf Politik, Wirtschaft, Gesellschaft? Was fällt euch dabei auf?

Wir sehen, dass seit einigen Jahrzehnten Gleichberechtigungspolitik immer mit einer Doppelmoral betrieben wird. Wenn etwas schief geht, sind die Männer schuld und wenn es gut funktioniert, haben es die Frauen zusammengebracht. Wenn in einem Bereich Frauen überrepräsentiert sind, sagt man: Die Frauen haben das durchgedrückt, sind jetzt aktiv, lauter Power-Frauen. Und wenn sie in einem Bereich weniger vertreten sind, sagt man: Die Männer sind schuld.

In Bereichen, in denen Frauen traditionell stärker vertreten sind, wie in der Familie, sagt der Staat: „Wir unterstützen das noch zusätzlich durch Gesetze.“ Das heißt, die Vormachtsstellung der Frau wird noch zusätzlich gestützt. Und in Bereichen, in denen Männer traditionell mehr vertreten sind, wie im Beruf, sagt der Staat: „Nein, das müssen wir jetzt durch Zwangsmaßnahmen umdrehen.“

Es ist eigentlich gar nicht recht erkennbar, welche Art von Gleichberechtigung jetzt der Staat anstrebt. Es gibt immer Frauenbevorzugungen in allen Bereichen: Von der Wehrpflicht über Pension, Quoten bis zu Familienrecht.

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Das heißt, die Männerpartei engagiert sich fürs Thema Gleichberechtigung? Was zählt denn noch zu den politischen Ideen?

Wir sehen uns nicht als Think-Tank. Wir sind eine Partei und wir haben Prinzipien. Durch die Beschäftigung mit unseren Kernthemen haben wir gesehen, dass es eigentlich gar nicht um einen Kampf Männer gegen Frauen geht, sondern, dass es um den Kampf gegen staatliche Willkür geht. Es geht um den Kampf gegen Diskriminierung. Bei der Männerpartei sind auch Frauen dabei.

Sowohl die direkte als auch indirekte Demokratie ist in Österreich reformbedürftig. Wir sprechen uns klar für die direkte Demokratie aus. Beim Wahlrecht gehört viel repariert. Es gibt eine Plattform für faires Wahlrecht, bei der wir dabei sind.

Wir haben die Ausgangsituation gehabt, wir haben politische Ideen gehört. Wie kommt man jetzt dazu, diese Ideen zu realisieren. Was braucht es zur Umsetzung?

In Österreich gibt es so eine Art „Mikado-Effekt“: Wenn es wirklich wichtige Themen gibt, braucht man einen Player, der das wichtige Thema anspricht. Weil sich sonst alle anderen Parteien immer auf die Position zurückziehen: „Da kann man sich die Finger verbrennen. Da sind die Einen dafür, die Anderen dagegen. Da könnten wir wichtige Wählergruppen verlieren.“ Da sind wir der Eisbrecher. Wir müssen nicht die absolute Mehrheit bekommen. Wir müssen im ersten Anlauf möglicherweise nicht einmal ins Parlament einziehen. Es reicht zu demonstriert, dass diese Anliegen wichtig sind.

Ein Thema wird auf meinparlament.at besprochen. Ich zitiere: “ Ich spuere fast taeglich, wie viele Privilegien Maenner gegenueber Frauen haben. Beginnend im Beruf, bei den Gehaeltern, beim Jobsuchen (das leidigen Thema Frau kann ja schwanger werden) etc. Ist es da nicht gerecht, wenn Parteien sich für Frauen einsetzen? Was ist daran verwerflich?“

Im Kern genommen geht es darum, dass man sich fragen muß: In welcher Welt möchte man leben? Diese Frage stellt sich für jeden Mann und für jede Frau. Wenn die Position ist, alles was ungleich ist, soll durch Frauenprivilegien aufgelöst werden, so wie es halt jetzt passiert, also alles zum Vorteil der Frau, die die volle Wahlfreiheit hat: Will man in so einer Welt leben? Das ist die Frage, die sich jeder stellen sollte. Weil die Konsequenz, aus dieser Welt, die mit diesen Frauenprivilegien aufgebaut worden ist, ist genau die Situation, die da kritisiert wird. Frauen haben gewisse Privilegien im Arbeitsrecht, die die Männer nicht haben. Wenn die Frau schwanger wird, hat sie einen Kündigungsschutz. Wenn der Mann sagt: „Ich möchte in Karenz gehen“, dann hat er keinen Kündigungsschutz, dann kann er sofort rausgeschmissen werden. Und das ist ein Nachteil im Arbeitsrecht mit Auswirkung aufs Familienrecht.
Das Kernthema bei uns ist die Ungerechtigkeit, die sich gegen Männer richtet. Der lange Parteiname wäre: „Gleichberechtigung für Männer“.

Das ist zu lange und das bekommt man auf keinen Stimmzettel, das kann man auf keine Webseite schreiben, darum heißen wir eben Männerpartei. Es muss einmal Schluß sein damit, alles Männliche zu verteufeln. Bevor die Männerpartei gegründet wurde, wurde das Wort „Männer“ in der Politik nur noch negativ verwendet. Wir sind nicht gegen Frauen, sondern für Männer.

Gibt es noch etwas, das wir vergessen haben und was noch unbedingt erwähnt werden sollte?

Wer sich nicht positioniert, jetzt in dieser Situation, wo die Politik vor einer Umwälzung steht, der stützt die Zustände, die wir haben. Es geht nicht um Links und Rechts bei der Wahl, weil es sind ja beide, Links und Rechts, in der Regierung. Es geht darum, die Kräfte, die eine Reform und eine Veränderung wollen und die sind eben die, die nicht in der Regierung sind, dass man die stützt und dass man ein Signal setzt, dass gewisse Themen wichtiger genommen werden sollten. Wenn man die Chance im Juli vorbeigehen lässt…

Wahlprogramm der Männerpartei

Familienrecht
Natürlich steht dieses Thema im Mittelpunkt und an erster Stelle im Parteiprogramm: So fordert die Männerpartei kurze Verfahrenszeiten bei Streitigkeiten bezüglich des Umgangsrechts, Ahndung von Eltern-Kind-Entfremdung als Straftatbestand, und ein einstimmiges Aufenthaltsveränderungsrecht für die Kinder. Außerdem solle der Ehegattenunterhalt neu geregelt werden. Beim Thema Gewaltschutz in der Familie sieht die Männerpartei ein Problem: bei Aussage gegen Aussagen wird üblicherweise der Mann weggewiesen. Hier könne man viel zu leicht “Opfer einer Verleumdung und nachfolgender Willkür werden”. Ebenso sollen falsche Vorwürfe bezüglich Sexualstraftaten strafrechtlich geahndet werden – natürlich stehe die Männerpartei klar zur schweren Bestrafung, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Arbeit
Hier spricht sich die Männerpartei gegen eine Quotenregelung aus und fordert eine selbstbestimmte Arbeitswelt ab.

Wohnen
Gemeinnützige Wohnungen sollen objektiv vergeben werden. “Zur Objektivität der Vergabe von Wohnungen gehört selbstverständlich, dass es getrennten Eltern beiderseits möglich sein muss, familienfreundlichen Raum für ihre Kinder zu erhalten.”

Gesundheit
Die Männerpartei tritt für eine Effizienzsteigerung des Gesundheitswesens durch die Entfernung parteipolitischen Einflusses aus den Gesundheitseinrichtungen ein. “Staatlich bezahltes Gesundheitswesen darf nur für seinen ursprünglichen Zweck eingesetzt werden. Eingriffe für bloße Kosmetik, Geburtenregelung oder religiös motivierte Eingriffe sollen die Gesundheitsversicherten nicht tragen. Der religiös motivierte Eingriff der Beschneidung ist mit den Vertretern der österreichischen Religionen überdies gesondert zu regeln. Schnellstmöglich sind Ersatzrituale im gemeinsamen und rücksichtsvollen Dialog zu finden.“

Soziales
Das Pensionsantrittsalter soll sofort für Männer und Frauen angeglichen werden. Zum Thema Integration hat man eine besondere Ansicht: hier sieht die Partei eine “schlechte Vorbildwirkung für andere Kulturen durch unsere katastrophale ‘Familienpolitik’”. “Daher ist die Männerpartei davon überzeugt, dass wir erst nach einer grundlegenden Reform unserer eigenen, gesellschaftlichen Fehler attraktiv für Integration werden. Wenn wir die angestrebte, lebenswertere Gesellschaft erreicht haben, werden sich viele Menschen von ihren bisherigen Vorbehalten lösen und damit die Integration wesentlich erleichtert sein.”

Sicherheit
Die Exekutive solle unpolitisch geführt werden. Beim Thema Bundesheer und Wehrdienst fordert die Männerpartei eine Wehrpflicht für Frauen und Männer in gleichem Maß, eine gleiche Dauer von Zivildienst und Wehrpflicht und eine Reduktion der Auslandseinsätze auf UN-Friedenssicherungsmissionen.

Europa
Die Männerpartei “bekennt sich zum europäischen Zusammenhalt” und fordert jedoch demokratische Strukturen für Europa. So solle der Europäische Rat in Zukunft auch vom legitimierten Europaparlament bestimmt werden. Der ESM ist für die Partei auf einer “undemokratischen Vereinbarung” zustande gekommen und müsse schnellstmöglich demokratisch legitimiert werden.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.